Best Practices aus eigener Erprobung
Ausrüstung fürs Ultracycling
und Bikepacking-Adventures
Deine Ausrüstung entscheidet mit darüber, ob du bei einem Ultracycling- oder Bikepacking-Abenteuer Spaß hast - oder vielleicht sogar abbrechen musst. Weil ein Ersatzteil fehlt, das in einem fernen Land nicht auf die Schnelle zu beschaffen ist. Weil du krank wirst, weil dein Hygienekonzept nicht passt. Weil du in den Nächten gefroren hast, weil dein Schlaf-Equiment fehlerhaft war. Weil du erschöpft bist, weil dein Verpflegungskonzept nicht passte. Improvisieren wirst du immer müssen, je länger dein Abenteuer dauert, desto mehr. Und genau darin liegt ja der Reiz. Ich habe mal festgehalten, was für mich gut funktioniert. Und welche Fehler ich nicht wiederholen möchte.
Mein auf Dropbar umgebautes CUBE Hardtail (rechts). Das Foto entstand 2022 während BADLANDS. Das Setup erwies sich als visionär, vier Jahre später gibt es solche Hybride aus Gravel- und Mountainbike bei vielen großen Bikemarken zu kaufen. Die "Arschrakete" war ein echter Schwachpunkt, ich fahre mittlerweile ein modifiziertes Tailfin Aeropack. Auch die Apidura-Trinkblase in der Full Frame Bag war eine Enttäuschung - sie ging ungewollt auf. Zur Fahrradtechnik und zum Taschen-Setup mache ich noch ein eigenes Stück. Das ist etwas komplexer und umfangreicher. Oder halt gleich den YT-Channel starten und nicht mehr ins Leere rumtexten hier...
Die Wahl der Ausrüstung für ein Ultracycling-Adventure ist ein bisschen wie die Vorbereitung auf eine Himalaya-Expedition: Du willst leicht und schnell sein aber dennoch nichts entbehren, was dich im Zweifel aus heiklen Situationen rettet. Das ist ein Widerspruch in sich. Ausrüstung ist viel Erfahrungssache, viel Geschmackssache - und immer ein Kompromiss. Einige Gegenstände würde ich immer wieder mitnehmen, andere heute nicht mehr. Oft fliegt kurz vor dem Start noch was raus.
Das da unten sind alles Gegenstände, die ich auf dem Atlas Mountain Race im Februar 2025 dabei hatte. So eine Liste ist natürlich variabel: Sie hängt von den erwarteten Bedingungen ab, von den erwarteten Temperaturen, von Wind, evtl. Regen etc. Du hast vor dem Rennen alles auf dem Hotelbett ausgebreitet, packst die Taschen, triffst finale Entscheidungen. Überlegst noch mal in aller Radikalität: Was kann noch weg? Je kürzer das Rennen, desto weniger Ausrüstung. Ein langes Rennen? Entscheide erst beim Start final.
Badlands bin ich ohne Schlafsack und ohne Luftmatratze gefahren - aber mit Isoliermatte und Biwaksack. Mit Klamotten und Daunenjacke im Biwaksack war es im andalusischen September total ok für jeweils ein paar Stunden Schlaf (wer vorne mitmischt, schläft bei Badlands sowieso nicht). Das Traka 360 wiederum erforderte so gut wie keine zusätzliche Ausrüstung, nur Werkzeug und Licht. Ich bin es am Stück gefahren, so leicht wie irgend möglich, unterbrochen von einigen Verpflegungsstopps. Weil es aber im Vorfeld des Starts unerwartet sehr starke Regenfälle und Überschwemmungen gab, war das Hauptproblem nicht wie erwartet die katalonische Trockenheit mit Staub, sondern Unmengen von Schlamm, der dann am Rad antrocknete und alles verklebte. Ich hätte gern Kettenöl dabei gehabt und einen Lappen für den Antriebsstrang. Gab's dann zum Glück am zweiten Verpflegungspunkt, nachdem die Kette schon viele Kilometer trocken gemahlen und gezwitschert hatte.
Ausrüstung ist immer Erfahrungssache, immer individuell - und auch immer ein bisschen kalkuliertes Risiko. Ein Rennen ist aber immer was anderes als zeitloses Bikepacking, und auch da ist es ein großer Unterschied, ob du zelten (und kochen) willst oder
in einer Hütte übernachtest oder in Pensionen. Und wie lange du am Stück unterwegs bist: Ein Overnighter ist was anderes als eine Radreise durch Afrika. Die nackte Packliste kannst du hier einfach runterladen 👇
Kleidung
Gravel Bibshort mit Beintaschen
Eine kurze Cargo-Bibshort (Radhose mit guten Polstern und Beintaschen) brauchst du für beinahe jedes längere Abenteuer auf dem Rad: In die Seitentaschen passen Riegel oder dein Smartphone (hält bei guten Hosen problemlos ohne die Gefahr, es zu verlieren). In Kombination mit Beinlingen kannst du die kurze Bibshort auch bei Temperaturen bis zum Gefrierpunkt ohne Probleme verwenden. Ich nehme auch bei längeren Touren nur eine einzige Hose mit (bei Bedarf wird sie unterwegs gewaschen).
Armlinge und Beinlinge
Leicht, kompakt und schützen je nach Bedingungen ebenso vor sengender Sonne wie vor Kälte. Falls sehr große Hitze zu erwarten ist (Badlands!), wähle ich weiße dünne Armlinge. Bei Temperaturen jenseits der 35 Grad kosten geschützte Arme weniger Energie als der sengenden Sonne ausgesetzte. Bei Kälte verwende ich winddichte mit Membran. In den meisten Fällen sind Armlinge und Beinlinge sinnvoller als zusätzliche Kleidungsstücke. Tipp: Beinlinge müssen perfekt sitzen. Sind die Gummis an den Oberschenkeln bereits zu stark ausgeleiert, kann es dir bei längeren Gehpassagen ("hike & bike") passieren, dass die Dinger permanent über die Knie nach unten rutschen. Ist mir beim Atlas Mountain Race und bei Minusgraden beim Abstieg vom Telouet passiert - und war kein Spaß, weil es nervt und Zeit kostet. Zu enge Gummis an den Beinlingen schnüren die Blutzirkulation ab und können nachts im Schlafsack zum Problem werden. Vorher testen!
Trikot Kurzarm und Baselayer
Eh klar. Wahrscheinlich das Kleidungsstück, das immer dabei ist. Es sollte nicht flattern (nervt), sich vorne komplett öffnen lassen und hat idealerweise auch eine Rückentasche mit Reißverschluss (für Schlüssel, Geld, Karten). Ich trage Trikots meistens mit dünnem Funktions-Baselayer drunter. Ein Netz-Baselayer ist top, sollte aber auch vorher erprobt sein. Von Merinowolle auf dem Rad halte ich persönlich nicht so viel: Merino ist mir zu schwer, trocknet langsamer als Synthetik, bekommt schnell Löcher und dünngescheuerte Stellen. Ich bevorzuge Baselayer aus Synthetik, auch weil ich schnell schwitze. Nachts im Schlafsack und bei sehr kalten Bedingungen ist Merino aber super - Erfahrungs- und Geschmacksache. Beides würde ich nur bei langen Touren mitnehmen, normalerweise habe ich immer nur je ein Stück mit - am Körper.
Trikot Langarm
Ein langärmliges Trikot ergibt für mich meistens keinen Sinn. Denn du kannst es beinahe immer ersetzen durch ein kurzes Trikot mit Baselayer plus Armlinge. Wenn schon ein langarmiges Kleidungsstück, dann gleich eine winddichte wasserabweisende Softshell - also die nächste Isolationsstufe, wenn ein Trikot mit Armlingen nicht mehr ausreicht. Die Softshell ist immer noch sehr atmungsaktiv, schützt dich aber zum Beispiel in Nächten oder bei kaltem Wind. Gute Jacken haben Reißverschlüsse an den Seiten unter den Armen und manchmal auch an den Unterarmen - so kannst du ein großes Temperatur- und Lüftungs-Spektrum abbilden und musst nicht ständig die Kleidung wechseln.
Daunenjacke
Die Daunenjacke ist nicht unbedingt fürs Fahren gedacht, dafür ist sie meistens zu warm - mir jedenfalls. Sie kommt immer dann zum Einsatz, wenn du absteigst und dein Baselayer vielleicht ein bisschen feucht ist. Dann ist sie Gold wert, denn du wirst ohne Bewegung schlagartig auskühlen, selbst wenn es außen noch recht mild ist. Daunenjacken sind leichter als Kunstfaserjacken und lassen sich deutlich kompakter packen. Dafür sind sie empfindlicher bei Nässe. Nasse Daune klumpt, isoliert nicht mehr richtig und braucht ewig zum Trocknen. Die Kombination von Rucksack/Trinkrucksack und Daune geht für mich auch nicht: Du wirst einen nassen Rücken bekommen und die Dauenjacke mit durchnässen. Mit Daunenjacke im Schlaf- oder Biwaksack hingegen hast du eine willkommene zusätzliche Wärmereserve und kannst vielleicht einen etwas dünneren und leichteren Schlafsack mitnehmen - oder gar keinen. Das ist Erfahrungssache und hängt komplett von den erwarteten Bedingungen ab. Ausgiebige Tests für alle Bedingungen im Vorfeld eines längeren Abenteuers sind Pflicht. Ob die Daunenjacke eine Kapuze haben muss, ist ebenfalls Geschmacksache: Bei sehr eisigen Temperaturen mit viel Wind ist es hilfreich - lässt sich aber sehr oft auch mit Mütze/Buff unter der Hardshell-Kapuze lösen. Mein Downjacket hat keine Kapuze, maximal kompakt.
Hardshell Funktionsjacke
Wie auch die Daunenjacke ist eine wasserdichte Hardshell Pflicht. Sie sollte weit genug sein für alle Bekleidungsschichten darunter - aber auch nicht gerade im Wind flattern. Die Kapuze muss groß genug sein, damit ein Helm darunter passt (das ist mittlerweile meistens der Fall). Achte beim Kauf darauf, dass der Rückenteil weit genug über den Hintern reicht, sonst läuft Dir bei starkem Regen die Soße in die Radhose und durchnässt das Sitzpolster. Ideal sind Hardshells, die sich unter den Ärmeln aufzippen lassen, damit kannst du buchstäblich Dampf ablassen. Shakedry-Jacken sind zwar superleicht und kompakt - aber abgesehen vom hohen Preis halten sie genau nichts aus und sind ungeeignet in Kombination mit Rucksack oder Trinkrucksack - also sehr häufig. Wichtiger Hinweis: Hardshells können nur begrenzt dauerhaftem Regen standhalten. Das ist ein technisches Problem: Nach stundenlangem Regen verliert die Membran ihre Atmungsaktivität, weil die Jacke vollgesogen ist mit Wasser. Sie ist dann zwar immer noch dicht, atmet aber nicht mehr. Also wird sie von innen nass werden, durch den Feuchtigkeitsverlust des Körpers von innen. Die Imprägnierung einer Hardshell sollte regelmäßig erneuert werden, am besten direkt vor einem neuen Abenteuer.
Socken
Auch bei den Socken bin ich spartanisch: Ein Paar muss reichen, auch über mehrere Tage. Auch hier bevorzuge ich Kunstfaser und meide Wolle. Wie die Beinlinge sollten Socken nicht zu stramm sitzen, weil sie sonst die Blutzirkulation behindern, vor allem in der Nacht (Kompressionssocken auf langen Touren sind übrigens ein No Go, nur so am Rande). Falls du nasse Bedingungen und viel Regen erwartest, nimm dennoch ein zweites Paar mit: Es ist eine enorme Erleichterung, mit trockenen warmen Füßen zu rasten. Auch das hängt komplett von der Länge der Unternehmung und den Bedingungen ab. Es gibt auch wasserdichte Socken, sie sind jedoch schwerer und weniger komfortabel. Können aber eine große Hilfe sein, wenn du mehrere Flussläufe durchquerst und nicht jedes Mal die Schuhe ausziehen willst. Wieder einmal: vorher testen.
Funktions-T-Shirt
Wie oben erwähnt, trage ich Trikots meist mit Baselayer. Der Baselayer schützt die Haut vor Scheuerstellen, z.B. durch Rucksackgurte oder die Träger der Radhose. Wenn es sehr heiß wird, wähle ich einen weißen, der lässt sich mit weißen Armlingen kombinieren und auch ohne Trikot tragen.
Radhandschuhe kurz
Besonders auf rumpeligen Kursen bieten Radhandschuhe mit Handballenpolsterung eine willkommene zusätzliche Dämpfung. Und wer schon einmal einen Abflug ohne Handschuhe abgefangen und sich anschließend Sand und Steinchen aus den verletzten Handballen gepopelt hat, weiß auch den zusätzlichen Schutz von Radhandschuhen zu schätzen. Lieber eine Nummer zu groß - auch hier treten häufig Störungen der Blutzirkulation auf, vor allem an den Fingeransätzen. Gute Polster schützen vor tauben Händen (Canalis ulnaris oder auch Karpaltunnel) - aber leider nicht ewig, wenn es tagelang über rumplige Offroad-Pisten geht.
Handschuhe lang
Lange Handschuhe brauchst du, wenn es richtig kalt wird. Bei mir sind das Temperaturen etwa unter acht Grad. Eine der größten Herausforderungen bei langen Handschuhen ist immer, die Finger warm genug zu halten - aber nicht so warm zu sein, dass die Hand im Handschuh zu schwitzen beginnt. Feuchte oder nasse Handschuhe wärmen nicht mehr richtig. Und Nässe von außen ist nochmal ein Problem für sich. Für mich haben sich in den meisten Situationen Neopren-Handschuhe bewährt: Sie sind weitgehend winddicht und können innen problemlos feucht werden und wärmen immer noch. Handschuhe als Kälteschutz sind aber ein ebenso heikles Thema wie kalte Füße: Da die richtige Lösung zu finden, erfordert viel Erfahrung. Leider versprechen die Hersteller von Handschuhen häufig Schutz vor Kältegraden, die in der Praxis schlicht nicht stimmen. Wenn du extemes Regenwetter erwartest, werden dich deine "wasserdichten" Handschuhe auch nicht auf Dauer retten. Manchmal ist es eine gute Idee, statt normaler Radhandschuhe ein Paar Gummihandschuhe aus dem Haushalts-Equipment überzuziehen. Die schützen verlässlich vor Wind und Nässe von außen, haben aber den Nachteil, dass sie null atmen. Für eine Weile ok, aber unweigerlich irgendwann von innen nass.
Multifunktions-Schlauchtuch (Buff) und Wollmütze
Der Buff ist ein wahrer Alleskönner. Es lohnt sich bei fast jeder Tour, einen dabei zu haben. Er kann als Mütze unter dem Helm getragen werden oder als Schal, als Gesichtsmaske oder als Kopftuch. Er schützt Mund und Nase vor aggressivem Staub, beispielsweise in den trockenen Wüstengegenden Nordafrikas oder wenn du in einer Gruppe fährst, die viel Staub aufwirbelt. Du kannst ihn nachts als Kopfkissen verwenden, indem du ein paar Kleidungsstücke reinpackst und sogar als Handtuch benutzen. Und er wiegt fast nichts. Zusätzlich kannst du eine Wollmütze mitnehmen, fürs Schlafen: Die meiste Wärme verlierst du über den Kopf, da muss in der kalten Nacht was drauf - und eine Wollmütze brauchst du extra, wenn du deinen vollgestopften Buff bereits als Kopfkissen nutzt.
Sonnenbrille mit Brillenclips und Wechselgläsern
Über das Brillenthema ließen sich ebenfalls ganze Aufsätze verfassen - besonders dann, wenn du eine Sehkorrektur brauchst. Ich benötige Gleitsicht - und habe mir deshalb einen Clip machen lassen (Evil Eye). Geschliffene Brillengläser sind nur dann eine gute Idee, wenn sie leicht genug sind (also bei wenig Dioptrien). Ich habe mich für zwei getrennte Gläserclips entschieden, die anstatt der Nasenpolster auf die Brille aufgesteckt werden. Damit kann ich mich zwischen mehreren Modellen entscheiden und bin viel flexibler als bei einem durchgehenden Clip oder bei Wechselgläsern. Bei längeren Touren bevorzuge ich eine der Kopfform folgende Radbrille mit chromatischen Gläsern, die sich innerhalb weniger Sekunden automatisch an wechselnde Lichtverhältnisse anpassen und daher auch nachts getragen werden können. Schwierig wird es lediglich im Schnee: Da brauchst du dunklere Gläser, das schafft die Chromatik nicht, sonst wirst du schneeblind. In alpinem Gelände verwende ich Wechselgläser für die gleichen Rahmen.
Helm
Helm ist bei den meisten Veranstaltungen Pflicht, nein, Helm ist IMMER Pflicht. Mir hat er definitiv mehrmals das Leben gerettet. Er muss so sitzen, dass er auch bei offenen Kinnriemen nicht vom Kopf rutscht und gleichzeitig bequem und ohne Druckstellen sitzt. Gleichzeitig soll er sehr gut belüftet sein und muss auch mit einer Mütze drunter bequem sitzen. Auch die Montage einer Kopflampe auf dem Helm ist ein echtes Thema - denn in der Nacht reicht der Frontscheinwerfer am Rad meist nicht aus. Wenn deine Helmlampe zu schwer ist, riskierst du ab etwa 600 Kilometern aufwärts ein "Shermer's Neck": Die Nackenmuskeln ermüden so sehr, dass du den Kpf nicht mehr halten kannst. Das ist eine Erfahrung, die ich niemandem wünsche. Ich habe sie schon erlebt. Die Beine sind ok, aber du kannst deinen Kopf nicht mehr heben. Eine Montageplatte für die Lampe auf den Helm zu kleben, funktioniert bei etlichen Modellen nicht einfach so, weil die Stege zu schmal sind und oft zu wenig Auflagefläche bieten. Ein Helm mit großzügigen Flächen ist meistens zu schlecht belüftet. Für mich sehr gut bewährt hat sich eine Kopflampe von Petzl mit Wechselakkus, für die es kleine Klebeclips gibt: Du klebst vier davon vorne und hinten selbst an schmale Holme des Helms und kannst die Lampe dann am Stirnband mit einem einzigen Handgriff sicher montieren. Abnehmen tagsüber geht genauso einfach und easy - und du kannst sie auch ohne Helm schnell verwenden.
Midlayer
Auf dem Rad verwende ich in der Regel keine Midlayer. Entweder ich trage ein Kurzarmtrikot mit oder ohne Armlingen oder eine Soft- bzw. Hardshell. Midlayer nutze ich eher fürs Wandern, Trekking und Bergsteigen. Auch das ist aber reine Geschmacks- und Erfahrungssache. Also finde selbst raus, was gut für dich funktioniert - und was nicht.
Trinkrucksack
Auch ein Rucksack ist Gewöhnungs- und Geschmacksache. Auch, ob du ihn nur zum Transport leichter Kleidung verwendest oder eine Trinkblase mitnimmst. Die Trinkblase hat den Vorteil, dass du regelmäßig und mühelos kleine Schlucke während der Fahrt nehmen kannst. Am Berg zu Fuß ist das toll, auf dem Rad nicht immer. Der Nachteil ist, dass die Trinkblase mit ihrem Gewicht auf die Wirbelsäule drückt, und dass der Rücken schneller schwitzt. Ich mag auch nicht die Nachfüllerei bei Trinkblasen. Das ist pannenanfällig, umständlich und nicht besonders hygienisch (in der Hektik verschließt du die Blase vielleicht nicht richtig oder beschädigst sie, und das Befüllen klappt vielleicht nicht, ohne alles nass zu machen). Über mehrere Tage können sich in Trinkblasen Bakterien bilden, vor allem an den Ventilen und in den Schläuchen, und plötzlich wirst du krank, obwohl das Wasser eigentlich in Ordnung war. Den Trinkrucksack nutze ich oft, um leichte Kleidung reinzutun, Einkäufe, Essen und manchmal auch eine komplette Plastikflasche (wenn ich mehr Wasser brauche, als in die Full Frame Bag passt). Der Trinkrucksack ist oft einfach schneller als alle Packing-Lösungen am Bike. Außerdem trage ich im Rucksack alle wichtigen Dokumente, Ausweise, Geld, Karten direkt am Körper. Aber wie gesagt: Es ist eigentlich besser, gar keinen Rucksack zu haben. Für Rennen unter 600 Kilometern nehme ich keinen mehr mit.
Radschuhe
Für die Schuhe gilt das Gleiche wie für die Bekleidung: Sie müssen zum Event und den Bedingungen passen. Während ich ein schnelles Eintagesrennen immer mit möglichst leichten und steifen Klickpedalschuhen fahre (auf der Straße SPD SL, auf Gravel und beim Hardtail SPD), verändern sich die Anforderungen an die Schuhe mit wachsendem Anteil von "bike & hike"-Abschnitten. Plötzlich spielt es eine Rolle, ob du mit einem Schuh auch länger gehen kannst, ohne gleich Blasen zu bekommen. Oder ob du in geneigtem Terrain oder auf Schotter oder Schnee ständig zur Seite wegknickst und -rutschst und unnötige Verletzungen von Gelenken und Bändern riskierst. Ob die Schuhplatten sich so schnell ablaufen, dass die Fersen beschädigt werden. Ob der Schuh sich so schnüren lässt, dass er fest genug sitzt - aber nicht die Blutzirkulation abschnürt. Auch da gilt: Testen, testen, testen. Jeder Fuß ist anders - ich habe lange schmale Füße und einiges ausprobiert, bis ich meine "Lieblinge" für jede Aufgabe gefunden habe. Faustregel: Wenn du mit dem Schuh problemlos eine Wanderung bis 10 km machen kannst, eignet er sich auch für Ultra-Events mit mehr als 5% Gehpassagen.
Zu den Schuhen gehören übrigens auch die richtigen Einlagen: Häufig verkaufen die Hersteller ihre teuren Schuhe mit wertlosen Billigschaum-Einlagen. Für lange Gehpassagen sind aber auch superteure steife Carbon-Einlagen nicht die beste Idee wie es sie z.B. von Solestar gibt. Formloser Billigschaumstoff reicht dann aber auch nicht.
Bei sehr anspruchsvollen Kursen wie dem Atlas Mountain Race lohnt es sich zudem, über Flat Pedals oder Hybridpedale nachzudenken, die du auf der einen Seite als Klickpedale benutzen kannst, auf der anderen aber ohne Einklicken fahren und dann im Bedarfsfall blitzschnell den Fuß rausstellen kannst. Wer nicht geübt ist mit Flat Pedals, sollte sorgfältig testen, wie er mit den scharfen Nippeln zurecht kommt, die normalerweise aus den Fußplatten herausstehen, um dem unfixierten Fuß besseren Halt zu geben: Es wäre nicht das erste Mal, dass du beim Schieben des Rads an den Pedalen vorbeischrammst und dir schmerzhafte Verletzungen durch die herausstehenden Schrauben zuziehst. Ganz besonders "toll" sind solche Erinnerungen an den Schienbeinen, die Narben siehst du auch noch nach Monaten. Vielleicht ist es besser ganz ohne diese Schrauben. Ausprobieren!
Wenn es sehr kalt wird, empfehle ich übrigens, eine Schuhnummer größer zu verwenden und zusätzlich ganz unten eine Isoliersohle einzulegen, die nach oben eine eingewirkte Silberfolie hat: Das reflektiert die Fußwärme zurück und unterbindet Kälteverbindungen zwischen Schuhplatte/Sohle und Fußbett. Gibt's im Schuhgeschäft, unten Silber, oben Schafswolle. Nice!
Schlafen
Unterwegs draußen ohne Zelt über dem Kopf schlafen, ist ganz gewiss nicht jederfraus oder -manns Sache. Ohne entsprechende Erfahrung ist es auch klüger, sich feste Unterkünfte zu suchen, eine Dusche und ein richtiges Bett zu genießen und nach ein paar Stunden besser erholt zu starten als nach einem missglückten Biwak. Um dich draußen wohl zu fühlen, solltest du Erfahrung haben mit Bodenkälte, mit Insekten und anderen Bodentieren, mit Stechmücken und Mückenschutz, mit wild laufenden Hunden in oder in der Nähe von Ortschaften, mit Wildverhalten im Wald. Du solltest wissen, wann die kälteste Zeit einer Nacht ist, wann Tau fällt und wie man sich davor schützt, ob es regnen kann, wie man sich vor Wind schützt, dass du nicht in einem Wadi oder Flussbett von einer Springflut überrascht werden kannst usw. Und wenn du von der Tour Divide träumst, befasst du dich zusätzlich mit Abwehrspray für Bären und mit der Frage, wie man seine Vorräte so aufhängt, dass ein Bär in der Nacht nicht ran kommt. Ich habe auch schon Situationen gehabt, wo die Umgebung derart voller Dornen und scharfkantiger Steine war, dass ich bereits in der dritten Nacht mehrere Löcher und Risse in der teuren Isomatte hatte und sie einfach keine Luft mehr hielt. Ich habe sie völlig umsonst mitgeschleppt. All das macht zu Recht Angst - erst mit der Erfahrung verschwindet sie. Diese Details lassen sich nicht in so einem Stück beschreiben. Man muss sie erlebt haben. Oder du gehst ihnen von vorneherein aus dem Weg.
Isoliermatte Schaumstoff mit Silberfolie
Wenn du draußen auf dem Boden schläfst, brauchst du eine halbwegs durchstichfeste Unterlage, die deine Matratze vor Dornen, spitzen Steinen oder schlicht vor Nässe und Dreck schützt. Im Idealfall hast du eine Unterlage mit Silberfolie: Die reflektiert Wärme nach oben zurück und schützt nach unten. Zur Not tut's auch eine Rettungsdecke - die allerdings hat den Nachteil, dass sie sich nur mit Mühe wieder ordentlich zusammenpacken und mehrfach verwenden lässt (vor allem nicht bei Wind). Hilft trotzdem nicht immer. Und: Je mehr du mit hast, desto schwerer und langsamer wirst du.
Biwaksack
Es gibt reine Notbiwaksäcke, die sind zwar extrem und kompakt, für längere Touren oder regelmäßige mehrfache Nutzung eignen sie sich aber nicht. Aus einem schlichten Grund: Sie atmen nicht. In der Nacht verdunstest du auch ohne zu Schwitzen permanent Wasser über die Haut - je nach Wärme im Schlafsack kann das leicht einen halben bis einen Liter ergeben. Die Feuchtigkeitsmenge, die über das Atmen ausgeschieden wird, liegt übrigens sogar etwas darunter (je nach Bedingungen etwa 0,2-04 Liter). Und wenn dein Biwaksack nicht atmet, schlägt sich die ausgedunstete Wassermenge als als Kondensat innen am Biwaksack nieder und durchnässt deine Sachen. Ein guter Biwaksack bietet ausreichend Platz, ist halbwegs atmungsaktiv, wasserabweisend von außen und durchlässig von innen. Außerdem hat er eine Kapuze, in die du deinen Schlafsack stecken kannst oder auch einen Packen Kleider im Buff, als Kissen. Lohnt sich, etwas mehr dafür auszugeben. Falls ich es noch nicht erwähnt hatte: testen hilft.
Schlafsack
Ebenfalls eins der am meisten unterschätzten Details. Daunenschlafsäcke sind leichter als Kunstfasern und ermöglichen kompaktere Packmaße, Schlafsäcke aus Synthetikfasern sind hingegen robuster und unempfindlicher gegen Feuchtigkeit. Es gibt nicht den einen Schlafsack, der immer richtig ist. Zunächst mal solltest du über die drei Temperaturbereiche Bescheid wissen: Die sog. Komforttemperatur gibt an, bis zu welchen Graden du dich im Schlafsack perfekt wohlfühlst ohne zu schwitzen oder zu frieren. Die Angabe ist ein Durchschnittswert, sie gilt für die meisten Menschen. Aber wenn du Gewicht sparen willst und z.B. mit Daunenjacke in den Schlafsack kletterst, darf die Komforttemperatur auch etwas höher liegen. Beispiel: Du hast einen Schlafsack mit einer Komforttemperatur bis 8 Grad, es werden aber Temperaturen um 5 Grad erwartet. Dann wirst du wahrscheinlich etwas mehr anziehen müssen, es wird aber problemlos gehen.
Wird es hingegen 0 Grad kalt, wirst du in diesem 8-Grad-Komforttemperatur-Schlafsack vermutlich auch mit Zusatzkleidung frieren - es sei denn, du steckst ihn zusätzlich in einen Biwaksack. Fällt nachts wenig Tau, kannst du den Biwaksack auch weglassen - aber dann sollte es wenig Wind haben und die Komforttemperatur nicht allzu sehr von der tatsächlichen abweichen. Auch hier gilt: Erfahrung und Ausprobieren zählen! Der untere Grenzbereich eines Schlafsacks ist eine ganz gute Faustregel für Temperaturen, bei denen du mit mehr Kleidung noch zurecht kommst - der Extrembereich schließlich signalisiert Temperaturen, bei denen du wenig Freude haben wirst, und bei denen es nur noch darum geht, irgendwie lebend durch die Nacht zu kommen. Das ist also keine Größe, mit der du rechnen solltest.
Übrigens halte ich nichts von Quilts oder zweigeteilten Schlafsäcken, bei denen die eine Schicht unter die Matratze geknüpft wird und die andere oben drüber. Das mag auf dem Campingplatz mehr Komfort bringen - beim Bikepacking oder gar bei Rennen kostet das Gefummel nur unnötig Zeit und Nerven. Außerdem braucht es viel Übung und Routine - und das ist die Ausnahme (wer hat schon Routine im Schlafsack-Ausrollen!). Ansonsten lies mal die Grundlagendokus zu Schlafsäcken, die viele Outdoor-Ausrüster anbieten (oder guck YT-Videos). Und dann wieder: testen, testen, testen.
Luftmatratze
Die Fehler, die du mit einer Unterlage machen kannst, sind mindestens so gravierend wie die beim Schlafsack: Eine zu dünne Unterlage kühlt dich durch die Bodenkälte aus, da nützt auch die beste Daune nichts (sie wird unter dir sowieso zusammengedrückt und isoliert deswegen nach unten nicht richtig). Der sog. R-Wert gibt an, bis zu welchen Temperaturen eine Unterlage taugt. Kurz gesprochen eignen sich die meisten faltbaren Schaumstoffe und dünnen Luftmatrazen nur für den Sommer, der R-Wert ist einfach viel zu niedrig. Willst du bei kühlen oder kalten Temperaturen bequem draußen schlafen, brauchst du eine Matratze ab ca. sechs Zentimetern Dicke. Dann liegst du gut, das Ding knistert nicht bei jeder Bewegung und es ist sogar Liegen in Seitenlage möglich. Ich habe eine Weile mit den sehr leichten Luftmatratzen experimentiert, z.B. mit der Sea to Summit Ultralight. Und kann sie allenfalls für warme Sommernächte empfehlen. Ein Pumpsack übrigens ist Gold wert, er beschleunigt das Aufblasen und ist viel leichter als jede Pumpe. Aufblasen mit dem Mund geht auch, dadurch gelangt aber Feuchtigkeit ins Matratzeninnere, was Schimmel bilden kann. Außerdem ist es unnötig anstrengend. Und das Thema mit Dornen und Durchstichen ist viel viel akuter, wenn du eher biwakierst als in einem Zelt schläfst.
Ohrenstöpsel und Schlafmaske
Hört sich ulkig an, hilft aber enorm, vor allem in Berghütten oder Behelfsunterkünften. Eben überall da, wo auch noch andere Menschen sind: Wer je in einem größeren Raum zwischen anderen Rennteilnehmern schlafen wollte (und es nicht konnte, weil ständig wer raschelte, zu laut atmete, mit der Stirnlampe rumfunzelte, Ausrüstung packte, aufs Klo stolperte, schnarchte, früher aufbrach...), wird jeden Gehör- und Lichtschutz zu schätzen lernen. Selbst ein schöner romantischer Vollmond ist viel zu hell für ungestörten Schlaf. Beides wiegt nicht viel und kann Wunder wirken.
Medical & Hygiene
Hand-Desinfektionsgel bzw. Desinfektionstücher
Hände waschen ist vielleicht die wichtigste Hygienemaßnahme überhaupt. Vor allem, bevor du was isst. Das klingt banal und selbstverständlich - nur ist es das auf langen Ultracyclings nicht. Nach ein paar Tagen ist deine Kleidung verschwitzt und von Staub bedeckt. Du hast vielleicht zu wenig Wasser, um deine Hände zu waschen. Für solche Fälle habe ich das Desinfektionsgel mit: Vor dem Essen reibe ich mir zumindest die Hände damit ein. Und bei Abschürfungen oder Wunden kannst du mit dem Gel desinfizieren. Es gibt das Gel in sehr kleinen praktischen Miniportionen in jedem Drogiermarkt.
Eine gute Alternative sind Desinfektionstücher, mit denen du Hände (und auch den Hintern!) abwischen und gleichzeitig desinfizieren kannst. Ich habe mir angewöhnt, das z.B. bei Pausen zu tun und evtl. wunde Stellen am Hintern danach mit Bepanthen einzureiben - ich hatte noch nie Probleme mit Entzündungen. Shammy-Cream kann ich hingegen nicht ausstehen. Aber da ist wohl auch jeder anders...
Bepanthen-Salbe
Ich mag keine Sitzcreme. Sie verschmiert die Sitzpolster der Radhose und gibt mir nicht das Gefühl, besser unterwegs zu sein. Ich werde sowieso nur wenig wund, auch nicht bei sehr langen Touren. Für mich hat es sich bewährt, sich bei längeren Pausen Hintern und Sitzbereich flächendeckend mit einem Desinfektionstuch sauber zu wischen und die Druckstellen danach mit Bepanthen einzureiben. Die Salbe zieht gut ein, und nach ein paar Stunden haben sich gereizte Hautpartien erstaunlich gut beruhigt. Finde heraus, was für dich selbst am besten passt.
Pflasterset
Kleine Schnittwunden und Abschürfungen solltest du schnell und hygienisch versorgen können. Ein paar Blasenpflaster sind auch keine schlechte Idee. Besser, du brauchst sie erst gar nicht. Sie aber zu brauchen und keine dabei zu haben, ist kacke.
Schmerztabletten
Ich bevorzuge Ibuprofen. Aber nur dann, wenn ich wirklich Schmerzen habe. Es gibt Rennteilnehmer, die hauen sich harte Opioide rein um schneller zu sein. Finde ich schrecklich. Medikamente sind dafür da, wenn du krank bist.
Kohletabletten
Kohletabletten, auch Aktivkohle genannt, binden chemische Gifte, Bakterien und sogar Gase im Magen-Darm-Trakt. Sie wirken nur im Verdauungstrakt und werden nicht vom Körper aufgenommen. Wenn dein Verdauungstrakt noch nicht an das lokale Mikrobiom angepasst ist, und du bekommst Durchfall nach Obst oder einem Salat, kann dir die Kohle helfen, schneller wieder auf die Beine zu kommen. Bei einem verdorbenen Magen brauchst du allerdings 2-3x täglich mehrere Tabletten - also pack genug davon ein. Die Aktivkohle bindet zudem auch andere Medikamente, nimm sie also 2-3 Stunden zeitversetzt zu anderen Mitteln ein.
Zahnbürste
In Drogeriemärkten gibt es einklappbare Reise-Zahnbürsten: Du klappst die Bürste in den Griff, der dann als Außenschale fungiert und die Bürste schützt. Praktisch und leicht.
Falt-Trinkflasche mit integriertem Wasserfilter
Wasseraufbereitung ist z.B. immer dann sinnvoll, wenn du aus öffentlichen Brunnen trinkst und es z.B. gerade geregnet hat. In vielen Regionen der Welt (auch in vielen Orten in Deutschland) werden Abwasser und Regenwasser nicht so sauber getrennt, dass es sich nicht vermischen kann. Wenn es geregnet hat, können Fäkal- oder andere Bakterien in den Brunnen gelangt sein. Eine Trinkflasche mit integriertem Filter (z.B. von BeFree) filtert die meisten solcher Keime aus dem Wasser. Du füllst einfach die Filterflasche mit dem Wasser, presst es durch den Filter in deine Trinkflasche und bist dann relativ safe, dass das gut geht. Finde ich unverzichtbar. Du kannst selbst Wasser aus einer Pfütze filtern und trinken, das kann dir den Hintern retten...
Micropur-Tabletten
Trinkblasen mag ich u.a. deswegen nicht, weil sich vor allem bei sehr warmen Bedingungen schnell Bakterien in den Schläuchen und Ventilen bilden können. Micropur-Tabletten konservieren das Wasser durch Silberionen. Das ist keine Desinfektion, sondern unterbindet die Bakterienbildung. Micropur braucht immer Zeit, um Wirkung zu entfalten. Es ergibt also wenig Sinn, unsauberes Wasser in die Trinkblase zu gießen und sofort daraus zu trinken, trotz Micropur. Es ist ein Backup. Gechlortes Wasser schmeckt schrecklich - da kaufe ich lieber nur Trinkwasser aus Plastikflaschen. Oder nehme immer die Filterflasche zur Aufbereitung.
Waschzeug: Seife und kleines Microfasertuch (oder Buff)
Seife bleibt unverzichtbar. Ich transportiere ein kleines Stück (diese Größe wie es sie in Hotels gibt) in einem kleinen Plastikbeutel. So trocknet die Seife nicht aus und verschmiert auch nichts. Das Microfasertuch muss nicht sein, es tut genauso gut auch der Buff oder ein Kleidungsstück. Wenn überhaupt.
Klopapier
Reichlich für zwei, drei Tage. Ohne Pappe aus der Mitte, ebenfalls wasserdicht verpackt in einem Plastikbeutel mit Zip.
Labello 50
Nicht immer - aber immer bei staubigen Bedingungen mit viel UV-Strahlung und Sonne. Wunde, in der Trockenheit aufgesprungene Lippen sind furchtbar. Zu häufige Anwendung trocknet die Haut aber stärker aus als nötig.
Sonnencreme
Du wirst hier deine Vorlieben haben, ich kann nur diesen einen wichtigen Tipp geben: Teste vorher, ob die Creme in den Augen brennt, wenn du stark schwitzt, und dir der Schweiß über das eingecremte Gesicht in die Augen läuft: Hölle! Ich habe schon Tage erlebt, da musste ich absteigen und die Augen mit Wasser auswaschen, weil sie so unfassbar gebrannt haben.
Elektronik
iPhone
Ein Smartphone ist unverzichtbar, eine Actionkamera durchaus. Bei einigen Rennen habe ich versucht, so etwas wie eine Social-Media-Berichterstattung zu machen und während des Rennens gefilmt und gepostet. Ich tue es nicht mehr. Du musst dich entscheiden: Willst du Influencer sein oder eine Tour genießen? Fährst du, um von der Welt gesehen zu werden, oder um die Welt zu sehen? Das iPhone liefert mir kostbare Erinnerungen - aber ich muss keinen Anstieg dreimal hochfahren, nur damit ich gute Bilder aus verschiedenen Positionen bekomme. Ich brauche keine Drohne. Kein Begleitteam, das diese Arbeit macht (Die Weltklasse-Ultracyclista Lael Wilcox sah sich unfassbaren Anfeindungen ausgesetzt, weil sie eine Begleitperson bei Rennen hat (ihre Lebenspartnerin), die für sie filmt und Aufnahmen macht, das wäre nicht unsupported, es hätte Einfluss auf die Psychologie des Rennens und unfair etc.). Ultracycling ist rohes, unverfälschtes Erlebnis, für mich soll es niemals zur Medienshow werden. Mit Gopro oder Insta360 bin ich sowieso nie richtig warm geworden. Die Actionkameras bleiben mittlerweile zuhause, sie lenken mich nur ab. Das iPhone liefert genug hervorragende Bilder. Ich zücke es als GPS-Backup für Detailfragen der Navigation, die sich nicht auf dem Radcomputer auflösen lassen, zum Filmen und Fotografieren, um auf DotWatcher den eigenen und den Rennstand zu verfolgen, für Kurznachrichten, Notrufe, für eine schnelle spontane Reservierung einer Unterkunft usw. Auf gar keinen Fall mounte ich das Smartphone am Rad, es ist meistens im Flugmodus, um Strom zu sparen und sicher in einer gepolsterten Tasche verstaut. Trotzdem ist es eine gute Idee, ein Backup mitzunehmen, um das Phone dennoch mounten zu können: Wenn dein Radcomputer dich im Stick lässt während einer längeren Tour (meistens Software-Probleme), brauchst du einen Ersatz zum Navigieren. Das iPhone frisst im GPS-Modus zwar unfassbar viel Batterie, aber das ist immer noch besser als in einem fremden Land in der Nacht ohne Orientierung in einem dunklen Wald zu stehen. Kabelbinder tun es auch zur Not - aber da gibt's auch smartere Lösungen. Finde raus, was gu für dich passt und zum Event, das du im Kalender hast.
Radcomputer
Früher war ich WAHOO-Fan, aber der Garmin Edge 840 Solar hat mich mit seiner solarverlängerten Laufzeit und den direkten Anbindungen an Ride With GPS und komoot überzeugt. Die zusätzliche Leistung bei Sonneneinstrahlung ist durch das winzige Panel zwar nur wenig länger - aber doch spürbar, wenn du den ganzen Tag unterwegs bist. Er ist auch viel besser als das Nachfolgemodell Edge 850, das nur einen Bruchteil der Zeit durchhält. Garmin hat aber nach wie vor eine für meinen Geschmack beschissene Usability und Connectivity. Es kann dir jederzeit passieren, dass das Ding dir unterwegs einfach so hängen bleibt. Das ist mir zweimal passiert bei sehr verschiedenen Rennen und hat mir jeweils die Zeiten ruiniert. Du brauchst auf jeden Fall ein Backup - z.B. einen zweiten Radcomputer, bei dem die Route auch drauf ist. Wenn die Veranstalter kurz vor dem Start nochmal Updates der Strecke rausgeben, kann es eine Zumutung sein, das in einem Hotelzimmer mit schlechtem Wifi auf den Garmin zu kriegen. Teste es aus, übe es, ohne Erfahrung vor einem Rennen wird es dir den letzten Nerv rauben.
Elektronik
Powerbank
Die 10.000er-Powerbanks werden immer kleiner und leichter. Sowas reicht normalerweise, wenn du auch ein Ladegerät mit hast und unterwegs während einer Verpflegungs- oder Schlafpause nachladen kannst. Manchmal ist die 10.000er aber auch zu knapp. Alles testen, Kabel inklusive.
1x Frontleuchte Supernova M99 Pro2 (hat sich weiterentwickelt, nicht mehr die beste mögliche Lösung, die besten Systeme, die auch Licht+Laden können, kosten alle über 400 Euro.
1x Heckleuchte Supernova (es tut auch eine billige Sigma, kommt aufs Rennen an, die Dauer, die Distanz)
1x Nabendynamo SON (toll, erfordert aber ein eingespeichtes Laufrad, Kabelführungen und kostet tagsüber Energie). In Kombinationmit einem Forumslader oder der Ladelux aber völlige Autarkie von Steckdosen - du lädsts alle Gerät einfach beim Fahren am Tag. Licht+Laden ist nicht besonders empfehlenswert, das schafft der Dynamo nicht, der liefert ja nur 3 Watt Leistung, das reicht nicht für beides).
1x USB Werk Busch & Müller (zum Nachladen aus dem Dynamo am Tag) - sorry, hat sich nicht bewährt, nicht empfehlenswert. Kannst du verpolen, fält grundlos aus, trotzdem teuer. Der Forumslader ist viel viel besser und verlässlicher (toll aber ein bisschen schwer - dafür hat er die Pufferbatterie gleich inklusive). Und die SON Ladelux auch. Die ist leichter, kostet aber auch.
1x Satellitentracker Garmin InReach Mini (würde ich nur noch im Ausnahmefall mitnehmen. Zu teuer, du brauchst einen extra Vertrag für die Satellitenverbindung. Kann man machen, muss man nicht).
1x Stirnlampe Petzl Aktic Core mit 2 Wechselakkus und Helmclips (gut, würde mittlerweile ein leichteres Petzl-Modell nehmen, bei dem der Akku im Nacken sitzt, nicht vorn an der Lampe).
2x SRAM Akku und USB-Ladegerät (immer, wenn du SRAM fährst).
Brustgurt für Hf-Messung (nein, nicht bei langen Touren: Stört nur, macht Druckstellen, bei sehr langen Touren ist die Hf egal, falls doch nicht, nimm einen Handgelenksgurt oder eine Watch).
Werkzeug und Ersatzteile
Das Werkzeugset von Topeak ist Gold wert, die Miniratsche mit den Bits ist die bestmögliche Lösung für unterwegs (lässt sich auch mit Chainbreaker kombinieren). Das Nextool-Multitool ist leicht und kompakt, die Qualität des Werkzeugs allerdings eher schlecht (mir ist die Zange abgebrochen im Outdoor-Einsatz, man kann sich schrecklich die Finger einklemmen usw.). Statt der abgebildeten Tubeless-Reparatur würde ich heute nur noch Dynaplugs einsetzen. Und statt Fillmore-Ventilen nur noch Milkit-Ventile. Öl und Lappen sind Lebensretter, Öl ist Wachs auf langen dreckigen Touren weit überlegen. Ein Ersatz-Schaltauge rettet deine Tour - außer du fährst die sündhaft teuren neuen SRAM-Schaltungen ohne Schaltauge. Mit Lederahle und Zahnseide kannst du einen gerissenen Mantel nähen. Oder andere Defekte.
Titanlöffel lang
Es gibt unzählige Kaufangebote für alle möglichen Sporks (diese Mischung aus Spoon/Löffel und Fork/Gabel), Essbestecke, Campinggeschirre etc. Vergiss das Zeug! Das ist teuer bezahlter Schnickschnack für Menschen, die Shopping bei Globetrotter mit Abenteuer verwechseln (für den Campingplatz sind die Sachen natürlich ok, sofern Gewicht und Packmaß keine besonders große Rolle spielen, was für die meisten Camper zutrifft, da sie mit einer fetten Karre anreisen). Viel zu schwer und zu unpraktisch fürs Ultracycling. Und wenn dir das erste Mal eine Kunststoffgabel im heißen Essen abgebrochen ist, weißt Du: Zu viele Dinge werden hergestellt, nur um verkauft zu werden, nicht um benutzt zu werden. Auch dort, wo bei jeder Gelegenheit herausposaunte Umweltverantwortung Teil des Selbstverständnisses ist. Das Einzige, was du neben einem Messer wirklich dabei haben solltest (an dem neben der Klinge auch ein Dosenöffner ist), ist ein leichter stabiler Löffel. Mit einem Löffel kannst du alles essen, was sich nicht aufspießen lässt. Ein langer Stiel ist deswegen sinnvoll, weil du dann gut in die meist ziemlich tiefen Tüten von Expeditions- und Trockennahrung reinkommst, ohne dich zu verbrennen und alles zu versauen. Ganz sicher schleppst du bei Ultracyclings kein Essgeschirr mit, nicht mal eine Tasse aus Titan. Ein langer Plastiklöffel tut es natürlich auch, aber er sollte nicht bei der ersten Belastung abbrechen. Einen Löffel aus Titan hast du dein Leben lang, und er nimmt dir auch nicht übel, wenn du ihn mangels Wasser auch mal mit Sand saubergescheuert hast.
Taschenmesser bzw. Minitool
Wenn du ein gutes Taschenmesser hast, brauchst du nicht auch noch ein Minitool. Und umgekehrt. Mein Minitool (s. oben) ist sehr klein und leicht und bietet alles, was ich dabei haben will: Klinge, Schere, Zange, Dosenöffner, Feile. Die Zange ist in sehr vielen Anwendungen Gold wert, sei es, eine deiner Speichen ist gebrochen und du kriegst du den Nippel nicht von Hand aufgedreht (gleiches gilt für Ventilköpfe). Oder es steckt was im Reifen. Du möchtest einen Riss im Reifen nähen und führst die Ahle mit der Zange. Eine Halterung hat sich verbogen usw. Der Nachteil des abgebildeten NextoolMultiools ist allerdings die Qualität des Stahls: Die Zange ist mir im Outdoor-Einsatz schon abgebrochen (offenbar zu stark gehärtet und zu spöde, und am Klappmechanismus habe ich mir schon arg die Finger geklemmt. Ein Schweizer Taschenmesser mit Zange ist schwerer aber definitiv solidere Qualität. Hast Du bei guter Pflege dein Leben lang. Das Nextool eher nicht. Leatherman war mir immer viel zu schwer, die haben aber auch Fortschritte gemacht. Ausprobieren!
Dichtmilch bzw. Ersatzschlauch
Tubeless ist eine Wissenschaft für sich. Das Thema braucht ein eigenes Kapitel. Auf die Schnelle: Ich fahre seit Jahren ausschließlich Reifen ohne Schläuche. Am Mountainbike, am Gravel- und Rennrad. Nur an meinem Cityrad nicht. Schlauchlose Reifen rollen viel besser (weil die Reibung zwischen Schlauch und Mantel und das Walken des Materials entfällt), du kannst sie mit viel weniger Druck fahren, was besseren Grip, besseres Kurvenverhalten und mehr Komfort auf rumpeligem Untergrund bei weniger Energieeinsatz ermöglicht. Weil die Dichtmilch im Reifeninneren kleine Durchstiche beim Fahren von selbst repariert, meist ohne dass du davon etwas mitbekommst. Weil du null Angst vor "Snakebites" haben musst, das sind diese fiesen Doppellöcher im Schlauch, wenn du irgendwo zu hart aufgekommen bist, so dass dein Schlauch an beiden Seiten der Felge durchgeschlagen ist und zwei Quetschungen hat. Deshalb heißt der Snakebite auch Durchschlag, und er ist gar nicht mal so selten. Kurz: Pannensicherheit, Komfort und Speed bei Tubeless sind deutlich besser als mit Schläuchen. Die Dichtmilch trocknet mit der Zeit aber aus, vor allem bei dauerhaft heißen Temperaturen. Für den Fall aller Fälle habe ich einen Ersatzschlauch mit, den ich in den Tubeless-Reifen ziehen kann. Tubeless ist Übungs- und Erfahrungssache - es setzt voraus, dass du genau weißt, was du tust und Erfahrung mit der Dichtmilch und der Montage hast. In keinem Fall würde ich erst kurz vor einer größeren Unternehmung auf Dichtmilch wechseln. Du solltest das sicher beherrschen. Ersatz-Dichtmilch nehme ich nicht mehr mit, zu schwer. Falls die Situation eintritt, wo ich welche nachfüllen müsste, wechsle ich lieber auf einen Schlauch im Reifen.
Ledernadeln mit Zahnseide
Zwei, drei Ledernadeln (eine gekrümmte Ahle und eine gerade mit klingenartiger Spitze) können dich aus allerlei Defekten retten. Du kannst einen abgerissenen Schnellverbinder annähen, Taschen und Kleidung flicken - und eben auch einen größeren Riss im Reifen. Einen Riss nähst du mit Hilfe der Zange am Multitool zusammen, klebst danach von innen Panzertape gegen die Naht und ziehst einen Schlauch ein, wenn das mit dem Pumpstoß für die Erstbefüllung nicht mehr klappt oder du keine CO2-Kartusche dabei hast. Das wird dich sicher über die Distanz bringen. Zahnseide ist übrigens das bessere Garn: Du kannst sie für die Zahnreinigung nehmen - und alles damit nähen, was wirklich gut halten muss. Flach, unglaublich reißfest, zäh und leicht. Passt in jedes Werkzeugset, wiegt fast nichts und ist superpraktisch. Tipp: Nadeln leicht ölen und ggf. in einem ölgetränkten Lappen aufbewahren. Sonst rosten sie bei widrigen Bedingungen. Erst einmal angerostet, gleiten Nadeln nicht mehr leicht durchs Material, dann kannst du Reparaturen von dicken und dichten Materialien vergessen.
Gummiwürste mit Tool
Auch das ist ein praktisches Tubeless-Sofortreparatur-Tool, und du solltest auch das vorher schon mal gemacht haben: Mittels gabelähnlichem Miniwerkzeug stopfst du bei einem Durchstich schnell eine Gummiwurst in den entweichenden Luftstrom und drehst den Defekt nach unten an die tiefste Stelle, wo sie in Dichtmilch schwimmt. Äh nein, die Methode geht zwar auch, aber heute würde ich bei Tubeless-Durchstichen, die die Dichtmilch nicht schnell von selbst versiegelt, immer nur ein einziges Tool mitnehmen: Dynaplug. Das Werkzeug in Kombination mit den Gummistückchen, die an einer Pfeilspitzenartigen Metallspitze hängen, kostet zwar ein Vermögen - aber es kann dir auch die Tour retten, weil du es im Zweifel blitzartig zur Hand hast. Im Idelafall bist du schnell genug und hast bei der Aktion nicht die ganze Luft verloren. Dann braucht es keinen Pumpstoß, sondern lediglich ein bisschen Nachpumpen, und es kann direkt weiter gehen. Wenn das alles nicht klappt, kannst du immer noch einen Schlauch einziehen.
Multitool mit Bits und Chainbreaker
Wichtig ist, dass dein Multitool einerseits möglichst leicht ist, im Idealfall nicht rostet (sonst in einem ölgetränkten Tuch aufbewahren, das in einer Plastiktüte steckt), dass es aber bei aller Kompaktheit so gute Hebel bietet, so dass sich auch schwer sitzende Schrauben an unzugänglichen Stellen schnell und sicher lösen lassen (vor allem bei kleinen Torx- oder Inbus-Schrauben ist es oft gar nicht so einfach, das Werkzeug sauber anzusetzen). Viele Minitools sind zwar sehr kompakt, eignen sich aber nur bedingt für schwer zugängliche oder fest sitzende Schrauben. Ich bevorzuge deswegen Wechsel-Bits und eine kleine Ratsche. Der Chainbreaker ist separat und hat eine ansteckbare Verlängerung, die zugleich als Bithalter und -verlängerung fungiert. Zusammen mit der Ratsche hältst du ihn stabil in der Hand und hast einen guten Hebel, so dass eine gerissene Kette in zwei Minuten repariert ist. Mit allen Elementen des Werkzeugs vorher einmal richtig gearbeitet zu haben, gibt dir ein gutes Gefühl dafür, ob es wirklich was für die Praxis taugt - oder nur hübsch aussieht und sich im Notfall als unbrauchbar erweist.
Kettenschlösser
Der Kette kann immer was passieren, und die einfachste Lösung besteht darin, ein oder mehrere defekte Glieder mit HIlfe des Chainbreakers rauszunehmen und ein (oder auch mehrere) Kettenschlösser einzusetzen (s. oben). Das Lösen und Schließen solltest du sicher beherrschen, dann ist eine gerissene oder verbogene Kette kein Grund zur Sorge. Eine komplette Ersatzkette ist schwer und nicht mal bei sehr langen Radreisen sinnvoll: Man bekommt sie fast überall vor Ort.
Gebrochene oder verlorene Cleats
Es ist schon etlichen Ultracyclistas passiert, dass ihnen ein Cleat am Schuh oder eine der Schrauben gebrochen ist - oder komplett verloren ging, weil die Schrauben nicht richtig fest waren. Für diesen Fall lohnt es sich, Ersatz dabei zu haben. Damit die Cleats nicht komplett abfallen können, empfehle ich Schraubensicherungslack (Loctite blau). Wenn du die Schrauben ordentlich festziehst, wirst du sie auch ohne Sicherungslack nie verlieren. Viel wahrscheinlicher ist, dass du sie zu fest angezogen hast und unterwegs eine Schraube bricht - oder der Cleat selbst. Ein kompletter Ersatz-Cleat ist relativ schwer, aber wenn du reine Klickpedale fährst, solltest du für längere Touren trotzdem einen dabei haben. Fährst du hingegen Hybridpedale oder Flat Pedals, kannst du dir das komplett sparen.
Ersatzschlauch (trotz Tubeless)
Einen Ersatzschlauch (meistens TPU, weil leichter und kompakter als Butyl) nebst Reparaturflicken habe ich immer dabei - trotz Tubeless. Denn es kann passieren, dass du ein derart großes Loch im Reifen hast, dass die komplette Luft entwichen ist und der Reifen aus den Felgenhörnern ins Felgenbett springt. Wer schon mal Tubeless montiert hat, weiß, dass es anfangs einen kräftigen Pumpstoß braucht, um den Reifen schlagartig mit Luft zu füllen und in die Felgenhörner zu drücken. Das geht nicht mit einer herkömmlichen Handpumpe - meist ist der Hinderungsgrund der sehr enge Ventilkopf des Sclaverand- bzw. Presta-Ventils. Statt der klassischen Ventile bevorzuge ich deswegen Ventile mit breiterem Luftdurchlass, z.B. Reserve Fillmore oder Schwalbe. Fillmore-Ventile haben zudem den Vorteile, dass sie keinen Ventilkopf haben, der sich lösen kann (dafür sind sie leider ziemlich teuer). Für den ersten Pumpstoß gibt es Pumpen mit eigenem Druckkörper oder einen Kompressor - und natürlich nützt dir beides unterwegs nichts. Eine CO2-Kartusche kann ausreichen - aber wenn nicht, wirst du wahrscheinlich keine zweite dabei haben (weil sie schwer sind). Also musst du einen Schlauch in den Tubeless-Reifen ziehen, was im Normalfall problemlos möglich ist. Und damit dieser Schlauch seinerseits repariert werden kann, nehme ich zudem auch immer eine Handvoll Selbstklebe-Flicken mit. Die werden einfach auf ein Loch geklebt und müssen nicht erst abtrocknen und vulkanisieren wie bei klassischen Butylschläuchen.
Reifenheber
In vielen Fällen geht es auch ganz ohne Reifenheber: Wenn du Übung beim Reifenwechsel und ein bisschen Handkraft hast, lässt sich ein sauber und verspannungsfrei (!) ins Felgenbett eingelegter Faltreifen in der Mehrzahl der Fälle auch ganz ohne mechanische Hilfsmittel über das Felgenhorn ziehen. Na gut, handgefertigte Reifen, unglücklich kombiniert mit der falschen Felge, das kann schon auch mal zäh werden. Für diesen Fall hast du immer noch einen Reifenheber. Damit solltest du aber nie rechtwinkling zum Felgenhorn hebeln, sondern den Reifen immer nur längs der Laufrichtung übers Felgenhorn hoch- oder runterziehen. Quer zur Felge bricht auch der beste Kunststoff irgendwann ab (Metallheber sind ganz schlecht, du könntest die Felge beschädigen, außerdem sind sie viel zu schwer). Die besten Erfahrungen habe ich mit den blauen Reifenhebern von Schwalbe gemacht. Ich habe noch nie einen abgebrochen und habe auch immer nur einen dabei.
Ersatz-Schaltauge
Beinahe jede Schaltung hat ein Schaltauge. Es ist der Montagepunkt der Schaltung am Ausfallende des Rahmens, meist aus Aluminium. Beim Schaltauge handelt es sich um eine Sollbruchstelle. Sie schützt Rahmen und Schaltung: Das Schaltauge bricht bei Belastung immer zuerst. Und das tut es gar nicht mal so selten - ein unachtsamer Schritt zur Seite und zack, hast du das Schaltauge verbogen oder ganz abgebrochen und die Schaltung funktioniert nicht mehr oder hängt lose an der Kette. Stelle vor dem Start sicher, dass du das richtige Ersatzteil dabei hast. Es gibt Hunderte verschiedener Schaltaugentypen, wenn du unterwegs eins besorgen musst, ist die Wahrscheinlichkeit gleich null, dass ein Bikeshop zufällig das richtige da hat. Du solltest wissen, wie man es tauscht und die Schaltung mit ein paar Handgriffen richtig einstellt. Eine kaputte oder nicht funktionierende Schaltung ist ein Showstopper.
Minipumpe, umwickelt mit Panzertape
Eine gute kompakte Handpumpe ist unverzichtbar. Sogar bei kurzen Ausfahrten. Einen "Schleicher", also einen Reifen, der aus irgendeinem Grund schleichend Luft verliert, kannst du im Notfall durch mehrfaches Nachpumpen vielleicht auch ohne Reparatur über die Distanz retten. Überprüfen des Ventilkopfs ist in so einem Fall hilfreich - bei nicht wenigen Minipumpen löst sich durch das Abschrauben des Pumpkopfs der Ventilkopf am Rad und verliert schleichend Luft (und weil du vor dem Start nochmal den Luftdruck überprüft hast, hast du bei der Gelegenheit vielleicht unbemerkt den Ventilkopf etwas gelöst und dir selbst einen Schleicher eingebaut). Auch bei vielen TPU-Schläuchen gibt es immer noch Probleme zwischen Schlauch und Ventil. In diesem Fall ist eine kleine Zange oder das winzige Ventilkopfwerkzeug Gold wert (Manche Ventilkappen haben sogar ein Loch, mit dem sich der Ventilkopf festmachen lässt. Apropos: Die richtig coolen Hunde fahren ohne Ventilkappen - bei Tubeless und speziell bei Fillmore-Ventilen würde ich das aber auf keinen Fall tun; wer sich näher mit der Technik befasst, versteht auch, warum). Vielleicht steckst du zur Sicherheit auch einen unverbogenen, unverklebten neuen Ventilkopf ins Gepäck. Bzw. gleich ein komplettes Ersatz-Tubeless-Ventil.
Neuerdings gibt auch eine Menge elektrischer Minipumpen zu kaufen. Viele davon sind überraschend gut - vom Gewicht her gleichen sie einer mechanischen Handpumpe, das Packmaß ist kompakter als bei jeder Minipumpe. Ich finde sie daher eine Überlegung wert - aber nur für kürzere Touren oder fürs Training. Eine gute mechanische Handpumpe lässt dich normalerweise nie im Stich, du kannst damit so viele Platten aufpumpen wie du willst. Eine elektrische Minipumpe macht nach drei oder vier Reifenfüllungen schlapp und muss nachgeladen werden. Außerdem sind sehr viele Modelle nicht wasserdicht. In jedem Fall sollte deine Pumpe einen Druckmesser haben.
Extra Panzertape um die Pumpe zu wickeln, ist schlicht ein praktischer Tipp. Du solltest immer etwas davon dabei haben - aber ersetze altes Tape jedes Jahr durch neues. Sonst kann es passieren, dass der Kleber so gealtert ist, dass es unbrauchbar geworden ist. Bei Tubeless-Reifen lohnt sich immer noch wenigstens eine zusätzliche CO2-Kartusche, denn damit bekommst du einen kräftigen Pumpstoß. Einen. Sonst würde ich keine Kartuschen mehr mitnehmen, sie sind schwer und funktionieren nur ein einziges Mal, da sind elektrische Minipumpen längst überlegen. Das Panzertape kannst du auch als Isolierung um die Kartusche wickeln: beim Öffnen kühlen sie durch den Druckverlust schlagartig ab, und du kannst dir tatsächlich Erfrierungen holen, die ähnlich auf die Haut wirken wie Verbrennungen.
Rettungsdecke
Sie sollte einfach immer dabei sein. Immer. Sei froh, wenn du sie nicht brauchst. Oder du planst sie gleich fest als Teil deiner Ausrüstung ein, z.B. als wasserdichte Unterlage unter der Luftmatratze (Silber nach oben). End of Story.
Kabelbinder
Multifunktions-Problemlöser. Hab einfach ein paar dabei, in verschiedenen Größen. Immer. Mir haben sie mehrfach den A... gerettet, z.B., um das iPhone am Rad zu mounten, nachdem der Bikecomputer ausgefallen war.
Kettenöl, Lappen und Bürstchen
Eine trockene quietschende Kette ist die Hölle. Nicht nur für die Laune, vor allem für den Verschleiß. Ganz gleich, ob du zuvor in Nässe und Schlamm gefahren bist, und nun ist nichts mehr übrig vom Öl - oder ob sich tagelang Staub auf dem Antriebsstrang festgesetzt hat. Wachs ist übrigens keineswegs immer besser als Öl, vor allem nicht auf sehr langen Touren mit häufig wechselnden Bedingungen. Es ist zwar korrekt, dass sich viel weniger Dreck auf einer gewachsten Kette ansammelt und dass eine gut gewachste Kette widerstandsarm und geräuschlos schnurrt. Aber halt nur so etwa 100 Kilometer. Dann darfst du bereits nachwachsen. In richtig harten nassen und schlammigen Bedingungen kommt eine gewachste Kette viel schneller an ihre Grenzen als eine geölte. Im Zweifel kannst du alles verwenden was schmiert, Motor-, Olivenöl, sogar Butter. Bei Wachs geht das nicht. Ich habe mir angewöhnt, Kette, Kassette und Schaltung mindestens einmal am Tag mit einer kleinen Bürste zu reinigen (alte Zahnbürste), sie einzuölen und anschließend mit einem Lappen abzureiben. Ein sauberes Rad ist ein schnelles Rad ist ein verlässliches Rad ist ein Genuss - und keine Nervensägevoder Pannenquelle.
Ersatzspeiche(n)
Eigentlich nur in hartem Gelände nötig oder für sehr lange Bikepacking-Touren mit schwerem Gepäck. Dass Speichen brechen, ist eher selten. Wenn du Tubeless fährst und mit wenig Druck rollen kannst, musst du schon ziemliches Pech haben, dass dir eine Speiche bricht. Trotzdem habe ich bei Gravel- oder Mountainbike-Ultras ein oder zwei passende Speichen und ein paar Nippel dabei. Die kann ich bei Bedarf auch für andere Zwecke nutzen. Ich hatte selbst noch nie einen Speichenbruch - dafür aber schon aus der Felgen gerissene Nippel, es war wohl ab Werk die Spannung der Speichen zu hoch. In so einem Fall nützen dir die besten Ersatzteile nichts, da kannst du nur beten, dass die Alu-Felge trotz der zahlreichen feinen Risse im Material hält. Wenn du einen Nabendynamo fährst, ist es sinnvoll, eine richtige Länge für das vordere sowie das hintere Laufrad mitzunehmen, also zwei unterschiedliche Ersatzspeichen (die Längen unterscheiden sich, und unterwegs kannst du Speichen nicht kürzen, weil du am Ende ja ein Gewinde brauchst).
Bremsklötze
Ein Paar Bremsklötze genügen auch bei langen Touren, sofern du vorher neue montiert und sie auch ordentlich eingebremst hast. Achte darauf, dass Deine Bremsklötze vor Öl geschützt sind, gerade beim Transport. Passende Bremsklötze kannst du aber mit hoher Wahrscheinlichkeit auch unterwegs in einem Radshop kaufen.

