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Mit dem Klappertoyota durch Kenia und Tansania

Ostafrika Safari

Seit ich als kleiner Junge die Tierfilme von Bernhard Grzimek und Heinz Sielmann gesehen hatte, wollte ich Ostafrika selbst erleben. Irgendwann. Du musst deine Träume verwirklichen für ein erfülltes Leben. "Safari" ist Swahili und heißt "Reise". 2005 haben wir sie gemacht.

Mit einem rumpeligen Toyota-Bus, im Grunde völlig ungeeignet für die abenteuerlichen, überwiegend ungeteerten und staubigen Schotterpisten Ostafrikas, fuhren wir Hunderte von Kilometern durch Kenia und dann über die Grenze und quer durch Tansania. Natürlich brach uns mitten im staubigen Nichts zwischen Serengeti und Ngorongoro die rechte Vorderradaufhängung. Und wenige Kilometer später auch noch die Ölwanne. Aber Afrikaner sind erfinderische Mechaniker - und Mobilfunk gab es in Afrika auch schon 2005 mitten im Nirgendwo. Was sich von Deutschland auch 2023 noch nicht sicher behaupten lässt.


Die schönsten Stunden für gute Bilder sind wie immer sehr früh am Morgen bei Sonnenaufgang und am Abend bis zum Sonnenuntergang: Wenn du gute Bilder willst, musst du dich anstrengen. Das ist nicht unbedingt Urlaub - intensives Erlebnis ist es auf jeden Fall. Es ist wie Jagd, nur dass du dabei keinem Lebewesen auch nur ein Haar krümmst. Und du musst Geduld haben. Viel Geduld. Nicht nur beim Fotografieren. Unterwegs wurde uns klar: Wir haben viel zu wenig Zeit. Was Zeitwahrnehmung betrifft, tickt Afrika sowieso vollkommen anders. Afrika öffnet dir die Augen, wenn du dich als Europäer aus deiner abgeschotteten Vollkasko-Blase herauswagst - was die allermeisten Touristen natürlich nicht tun. Es könnte ja weh tun - und in der Tat, das wird es. Vor allem im Kopf, weil du mit einer Menge Vorurteilen und falschen Bildern aufräumen musst. Afrika war ein unvergessliches Erlebnis, ein Kulturschock aber auch. Wir wussten vorher nichts, wir selbstgefälligen, reichen Europäer. Wir dachten nur, wir wüssten. Und hinterher wussten wir immer noch nicht besonders viel mehr. Nichts davon möchte ich missen. Es hat meinen Blick auf die Welt verändert. Auch den auf Europa.


Es wäre ein abendfüllender Vortrag, auch nur einen Bruchteil der Eindrücke zu vermitteln, die wir mitgenommen haben. Hier konzentriere ich mich auf die atemberaubende Schönheit des Landes und seine unendliche Vielfalt. Auf die Bilder. Die Tiere.


Lake Nakuru

Wir erreichten den Lake Nakuru Nationalpark am 29. Oktober nach mehrstündiger Fahrt mit unserem klapprigen Kleinbus. Der Salzwassersee liegt auf einer Hochebene und bietet ideale Lebensbedingungen für rund 450 Vogel- und über 50 Säugetierarten. Das Salz des Sees ist aus dem Gestein gewaschen und hat sich im Laufe der Zeit im See angereichert.


Besondere Attraktion am Lake Nakuru sind die bis zu zwei Millionen Flamingos, die hier im flachen Uferwasser nach Nahrung suchen und ein beispielloses Spektakel veranstalten. Ihre rosa Färbung kommt von roten Kleinkrebsen, die ihre Hauptnahrungsquelle bilden. Weiter ging es dann am 30. Oktober Richtung Masari Mara, einer Strecke von etwa 250 Kilometern auf entsetzlich schlechten Straßen.

Masai Mara und Mara River

Die Masai Mara hieß uns am Abend willkommen, es reichte gerade noch für eine Fotoseesion bei schwindendem Licht. Wir blieben für einige Tage in einem wundervollen Zeltcamp namens "Kichua Tembo", was auf Swahili "Elefantenschädel" bedeutet. Die mit rund 5.000 qkm relativ kleine Masai Mara schließt nördlich an die viel größere Serengeti an. Zwischen den beiden Nationalparks verläuft die Grenze zwischen Kenia und Tansania.


Die Mara liegt auf einer Höhe zwischen 1.500 und 2.150 Metern über dem Meeresspiegel, wodurch die Tagestemperaturen erträglich bleiben. Auch "Mara" ist Swahili und bedeutet "gepunktet" oder "gefleckt", was die buschbewachsene Savanne beschreibt. In der Mara kann man abseits der Rumpelpisten mit dem Auto durchs Gelände fahren, was Tierfotografie besonders erleichtert. In der Serengeti ist das nicht erlaubt.


Zur berühmten Great Migration, der großen Tierwanderung von der Mara durch die Serengeti, sammeln sich Ende Oktober Tausende von Gnus und Zebras am Mara River, den sie dann in spektakulären Stampedes überqueren, um in endlosen Trecks dem frischen grünenden Gras in der Serengeti zu folgen.

Speke Bay, Lake Victoria

Wir erreichten Speke Bay nach Grenzüberschreitung in Isibania. Speke Bay liegt am südöstlichen Ufer des Lake Victoria. Zum Serengeti Nationalpark sind es etwa 15 Kilometer, die nächste größere Siedlung ist Mwaza, 125 Kilometer südlich. Die Speke Bay ist ein Teil des Speke-Golfs, benannt nach dem Forscher John Hanning Speke. Er fand heraus, dass der See das Quellgebiet des Nil ist.


Trotz dramatischer Umweltprobleme durch Überfischung sowie durch den eingeschleppten Nilbarsch, der innerhalb von 30 Jahren zahlreiche Arten fast vollständig verdrängt hat, ist Speke Bay ein Tierparadies. Her wimmelt es nicht nur von Millionen von Vögeln, sondern auch von deren Leibspeise, Abermilliarden von Insekten.


Die Menschen am Ufer des Sees leben fast vollständig vom Fischfang - ergänzt durch Rinderherden, mit katastrophalen Folgen für den sehr flachen See. Um ein Gefühl für die Lebensumstände zu bekommen, empfiehlt es sich, eines der umliegenden Dörfer zu besuchen. Hier stießen wir auch auf einen überwucherten Dieselgenerator zur Stromerzeugung, der mit 30.000 Dollar Spendengeldern hierher geschafft worden und niemals gelaufen war: Leider hatte sich niemand überlegt, dass es auch ein Stromnetz und Leitungen gebraucht hätte.

Durch die Serengeti

Von Speke Bay brachen wir in die Serengeti auf. Serengeti ist ein Massai-Wort und bedeutet "endlose Ebene". Ausgedehnte, flache Grassteppen im Süden wechseln sich mit hügeligen, geringfügig bewaldeten Ebenen im Norden ab. Die zentrale Savanne ist fast baumlos, im Südosten erhebt sich das vom Vulkanismus geprägte Ngorongoro-Gebiet.


Das Gebiet umschließt den Nationalpark, der mit seinen 14.763 Quadratkilometern zu den größten und bekanntesten Nationalparks der Welt gehört. In der Serengeti leben mittlerweile wieder fast zwei Millionen Antilopen, Gnus, Zebras und Büffel, die jährlich in gigantischen Herden die gemeinsamen Futterplätze aufsuchen.


Die Wege in der Serengeti sind vergleichsweise problemlos befahrbar, unter anderem weil es keine LKWs gibt. Allerdings ist es streng verboten, die Wege zu verlassen. Tierbeobachtungen sind dadurch weitaus schwieriger und seltener als in der Mara. Man braucht viel Zeit, Gelduld und Glück.

Ngorongoro-Krater

Südöstlich der Serengeti hinter der Olduvai-Schlucht (berühmt geworden als Fundstätte der ältesten frühmenschlichen Relikte), brach uns die Radaufhängung. Von neugierigen Massai umringt, warteten wir am Pistenrand auf Hilfe und erreichten schließlich mit der Hilfe eines vorbeikommenden Geländewagens und entsprechender Verspätung Ngorongoro.


Ngorongoro ist eine Caldera von etwa 27 Kilometern Durchmesser, deren Vulkankegel vor ihrem Zusammenstürzen etwa so hoch gewesen sein muss wie der Kilimanjaro. Der Kraterboden liegt auf ca. 1.700 Metern, die Seitenwände auf etwa 2.300 Metern, deswegen gibt es dort auch weniger Insekten und keine Moskitos - also auch keine Malaria-Gefahr.


Da die zahlreichen Tierarten im Krater alles finden, was sie zum Leben brauchen, gibt es hier keine Wanderungen wie in der Serengeti - ein Paradies für die Tierbeabachtung. Michael Grzimek (1959 mit dem Flugzeug bei den Dreharbeiten zu "Serengeti darf nicht sterben" abgestürzt) und sein berühmter Vater Bernhard (1987) liebten dieses Gebiet über alles und fanden beide am Kraterrand ihre letzte Ruhe.

Lake Manyara und Tarangire Nationalpark

Von Ngrongoro ging es erneut südöstlich am Bruch des Rift Valley entlang, von wo aus wir den Lake Manyara Nationalpark erreichten (mit einem anderen Fahrzeug). Er ist einer der kleineren Nationalparks und liegt etwa 120 km westlich von Arusha, in unmittelbarer Nähe des Orts Mto wa Mbu. Der Park umfasst eine Fläche von ca. 320 QUartrakilometern, von denen ca. 220 vom Manyara-See bedeckt sind. Im Westen wird der Park durch die mehrere hundert Meter steil abfallenden Hänge des Rift Valley begrenzt, der Manyara-See nimmt den östlichen Teil ein.


Während wir bisher immer nur im Auto unterwegs waren, gab es hier auch Gelegenheit zu Fußwanderungen (was die Afrikaner gerne vermeiden, wir aber sehr gerne machen). Zu Fuß siehst noch einmal ganz andere Details als vom Auto aus.


Weiter ging's dann zum nicht weit entfernten Tarangire-Nationalpark südwestlich von Arusha. Durch den Park fließt der Tarangire River, in Trockenzeiten die einzige Wasserquelle weit und breit. Deshalb ist der Park sehr tierreich. Bemerkenswert sind auch die beeindruckend gewaltigen Baobabs, die Affenbrotbäume die nur in diesem sehr trockenen Klima gedeihen und z.B. in der Serengeti gar nicht vorkommen. Wegen der zahlreichen Elefanten sind ihre kolossalen Stämme stark angeschabt. Ein Baobab kann bis zu 20 Kubikmeter Wasser in seinem schwammartigen Stammgewebe speichern.


Wir übernachteten abermals in einem Tented Camp, wo wir nach Einbruch der Dunkelheit wegen der Wildtiere nicht draußen rumlaufen sollten. In der Nacht hörten wir das Brüllen der nachtaktiven Löwen nicht weit von uns.

Zanzibar und Pemba

Kommst du von den relativ hoch gelegenen Ebenen Tansanias nach Zanzibar auf Meereshöhe, treffen dich die Hitze und der Gestank wie ein Faustschlag. Ohnehin recht erschöpft vom tagelangen Fahren auf rumpeligen Pisten, kamen wir auf der berühmten Gewürzinsel an.


Ein echtes Erlebnis, all die Gewürze aus dem Küchenschrank einmal in ihrer natürlichen Umgebung wachsen zu sehen und ihre Entwicklungsstadien zu sehen: Nelken, Kakao, Ingwer, Zimt, Peffer, Muskatnuss und Vanille. Ich wusste zum Beispiel vorher nicht, dass es gar keinen grünen, weißen und roten Pfeffer gibt, sondern dass dies lediglich unterschiedliche Reifungs- und Fermentierungsgrade der gleichen Pflanze sind.


Mit rund 200.000 Einwohnern ist Zanzibar City die Hauptstadt der arabisch geprägten Insel und zugleich die Provinzhauptstadt des tansanischen Bundesstaats Sansibar, zu der auch die nördlich gelegene Insel Pemba gehört. Das historische Zentrum Stone Town ist UNESCO-Wetkulturerbe. Die Häuser sind meist aus Korallenstein erbaut und blicken auf eine bewegte Geschichte zurück, geprägt von Kriegen, SKlaverei und regem Handel.

Rund um den Krater des Kibo

Auf dem Rückflug von Zanzibar nach Nairobi, wo ein großes Verkehrsflugzeug auf den Rückflug nach München auf uns wartete, bescherte der Pilot uns noch besondere Überraschung: Mit der kleinen Turboprop umrundete er in etwa 6.000 Metern Flughöhe spontan einmal den Kibo-Krater des Kilimanjaro - gerade richtig, um das 5.895 Meter hohe Gipfelplateau des Vulkans und den im Hintergrund liegenden Meru von allen Seiten bestaunen zu können.


In Europa wäre das wegen der Vorschriften vermutlich unmöglich gewesen - hier bescherte es uns einen eindrucksvollen Abschied von Ostafrika.

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