Seite wählen

über mich

Foto: Raimund Verspohl

„Die Tanzenden wurden
für verrückt gehalten
von denjenigen, die die Musik
nicht hören konnten“

Friedrich Nietzsche

Hallo, ich bin Hartmut Ulrich.

Da du hierhergefunden hast, möchtest du vermutlich ein bisschen mehr über mich wissen. Privates wirst du nicht viel erfahren. Falls dich das interessiert, lass uns gerne irgendwo auf einen Kaffee treffen. Ein gutes Gespräch ist durch nichts zu ersetzen. Oder du scrollst durch meinen Account auf Facebook: Nicht zu übersehen, dass ich Fahrräder, Ausdauersport und Berge liebe. 1990 bin ich aus dem Badischen in den Süden gezogen, wo sich diese Leidenschaften mit dem beruflichen „was mit Medien“ am besten kombinieren ließen. Meine Vita und noch ein bisschen mehr findest du bei LinkedIn.

Eine kurze Geschichte über „Connecting the dots“

Medien- und Kommunikationskonzepte sowie ihre Umsetzung waren immer meine Aufgabe – als Chefredakteur, später als Agenturgeschäftsführer. Elf Jahre operative Verantwortung bei der Kommunikationsagentur Gingco.Net brachten reiches Marketingwissen und tiefe Insights in spannende Organisationen. Ich habe Unternehmenskunden wie Volkswagen und Audi beraten, E.ON, MAN Truck & Bus, Altana, den TÜV SÜD, die Betriebskrankenkasse des Volkswagen-Konzerns Audi BKK oder den Zentralverband der Elektroindustrie ZVEI. Congrats Digger: Dieses Wissen ist nichts mehr wert. Was vor zehn Jahren Erfolgskonzept war, wäre heute „Opa erzählt vom Krieg“.

Seit 2016 bin ich Geschäftsführer der BVA BikeMedia GmbH, einer Tochter der Gundlach-Gruppe. Der Fachverlag publiziert Medien rund ums Radfahren: Faltkarten, Bücher, Zeitschriften, digitale Formate und neuerdings auch Webinare und Podcasts (👉 Lousy Pennies). Das Fahrrad war für mich immer eine Leidenschaft – und das Mediengeschäft ein Abenteuer der besonderen Art. Der traditionsreiche Fachverlag steckt, wie alle Medienunternehmen, tief im digitalen Wandel und sucht seine Rolle in einer Welt, in der längst mehr um Screentime gekämpft wird als um Leser.

Der Kampf um Leser ist längst ein Kampf um Screentime

Eigentlich dürfte ich nicht mehr schreiben. Ich sollte filmen, Siebensekünder, Snackable Content für die Generation Goldfisch. So lange dauern die erfolgreichsten Bewegtbildposts auf TikTok, das Stand heute (Ende 2022) beim Organic Reach alle anderen Online-Plattformen bei weitem übertrifft. Zum Vergleich: Das durchschnittliche YouTube-Video ist immerhin elf Minuten lang. Längst sind Hersteller selbst zu Medienproduzenten geworden, und man diskutiert nicht mehr über Zielgruppen, sondern über Customer Journeys, Touch Points, Conversions und Data Insights. Bei Fachinformationen geht es meist gar nicht mehr um den Inhalt. Sondern ums Verkaufen.

Nicht nur das Mediennutzungsverhalten hat sich verändert, auch die Konnotation für den Begriff „Inhalt“. Substanz hat sich schleichend verabschiedet, Content hat sie ersetzt. Content ist die Tonne, aus der das amorphe Fast Food einer Maschinerie ins Netz gekippt wird, die immer hungrig – und der Substanz völlig egal ist. „Wir leben in einer Verpackungskultur, die Inhalte verachtet“, hat der Schauspieler Anthony Hopkins gesagt. Ich fürchte, er hat recht. Content ist inflationierte Masse, Hauptsache schnell und billig, immer häufiger maschinengeneriert von Bots, die schnell lernen, unbegrenzt aktiv sind und gezielt ihre Agenda dort multiplizieren, wo sie Response messen, emotional, erregungsmustertauglich, engaging. Was zählt, ist der Outcome, die Conversion – ganz gleich, ob die Agenda kommerziell ist oder politisch.

Keine Kommunikationsform in der Geschichte der Menschheit hat mehr gesellschaftlichen Schaden angerichtet als diese kybernetische Maschinerie, die Authentizität propagiert und das Gegenteil ist. Der Kollateralschaden, den diese Mechanismen verursachen, rührt mittlerweile sogar an das Demokratieverständnis. Aber das ist eine andere Geschichte (zur Vertiefung z. B. Peter Pomerantsev). Anyway: Digitale Vernetzung hat Gutenberg längst abgelöst als wirkmächtigste gesellschaftliche Veränderungskraft, und wir sind gut beraten, uns so intensiv und differenziert wie möglich damit auseinanderzusetzen – keineswegs nur im geschäftlichen Kontext eines Fachverlags. Trotz alledem: „Mitten im tiefsten Winter wurde mir bewusst, dass in mir ein unbesiegbarer Sommer wohnt“.

Um den Wandel im Fachverlag zu gestalten, musst du so ziemlich alles in Frage stellen, Werkzeuge, Prozesse, Produkte, Geschäftsmodelle. Vor allem aber die Denkkultur. Du musst eine Art Rebellion anzetteln, ohne dabei die Kernwerte zu zerstören. Geht das überhaupt? Sprechen wir hier über ein klassisches Innovator’s Dilemma? Der Gegenbeweis ist noch nicht erbracht. Aber es beflügelt ungeheuer, Mitstreiter zu gewinnen und zu sehen, dass sich doch etwas bewegen lässt.

Sogar das Fahrrad befindet sich im Wandel – im Mobilitätswandel, der mit wachsenden Städten einhergeht und in größerem Kontext mit dem Klimawandel steht. Sind Fahrräder mit Elektromotor überhaupt noch Fahrräder? Neues zu wagen, heißt auch immer, die Angst vor dem Scheitern abzulegen. Auch das ist keine leichte Übung, besonders in Deutschland nicht (👉 German Angst). Die Alltagshöllen jedenfalls, zu denen wir unsere Städte über Jahrzehnte umgebaut haben, werden uns vorerst weiter begleiten. Hoffentlich nicht für immer! Und: Immer mehr Menschen entdecken das Fahrrad als das, was es tatsächlich ist, eine Glücksmaschine. Am Wandel zu arbeiten, das ist ein echter Purpose.

Wirklich, interessante Zeiten!