Gravelrace - die ganz große Runde um Girona

The Traka Adventure 2026

Nach dem Atlas Mountain Race Anfang Februar nur wenige Wochen später schon wieder so ein langes Ding? 550 Kilometer sind zwar nicht 1.440 - aber auch das Traka Adventure hatte ordentlich Höhenmeter. Trotzdem hat es sich nicht angefühlt wie ein Ultra. Das lag auch an den Bedingungen: So gut wie kein Wind, der angekündigte Regen blieb aus, und die rund 50 Stunden ohne Schlaf rollten sich überraschend gut durch, von kleineren Tiefpunkten abgesehen. Ich habe es genossen. Das lag am Wettbewerb selbst, vor allem aber an der grandiosen Natur, dem Gesang der Nachtigallen, den Spatzen in den Büschen, an den Gerüchen, der wundervollen Landschaft, der frühlingshaften Stimmung. Hätte mich der verdammte Garmin nicht mal wieder mitten im Rennen im Stich gelassen. Aber irgendwas ist ja immer - und Rennen fahre ich nicht mehr, um irgendwem etwas zu beweisen. Nicht mal mir selber. Ach ja, und dann gab es ja noch die Irritationen um die Kommunikation im Vorfeld, wilde Startzeitenverschiebungen, reihenweise ausgefallene Tracker, Regelverstöße, Abkürzungen und sogar... Dopinggerüchte (wtf?)

Aus nicht genannten Gründen hatten die Veranstalter den Start des Traka Adventure von ursprünglich Mitternacht, 30. April, verschoben auf 1. Mai, 7:00 morgens. Die Kommunikation dazu war rumpelig bis unprofessionell (mir hatte man 7pm als Startzeit mitgeteilt und dabei offenbar 7am und 7pm verwechselt. Ich musste ungläubig nachfassen). Das zog auch Stress bei Buchung einer Unterkunft nach sich, denn natürlich waren alle halbwegs nahegelegenen Hotels in Girona ausgebucht (vor allem auch durch die Promotionteams), und ich musste für die eine zusätzliche Nacht aus meinem gebuchten Hotel raus und weiter nach draußen ausweichen. Für den Start hatte ich dann eine längere Anfahrt mit dem Bike. Der Start am Morgen war mir aber trotzdem sehr recht, nicht schon wieder gleich zu Beginn eine Nacht durchfahren zu müssen wie beim AMR, sondern erst mal einen ganzen Tag Licht zu haben für die Überquerung der höchsten Pyrenäenpässe. Zudem war beim Adventure kein Massenstart erlaubt, es gab zeitversetzte Einzelstarts wie bei einem Zeitfahren. Das war ungewohnt und dann ein Problem, denn etliche Wettbewerber starteten doch in Gruppen. Foto: © 2026 Hartmut Ulrich

Traka 360, Gravel, Girona

9.269 Höhenmeter in vier größeren Anstiegen und etlichen kleineren - und eine atemberaubend schöne landschaftliche Kulisse. Wenn du denn einen Blick dafür hattest (ich hatte). Die Gegend um Girona ist geradezu ideal für Bergfahrer und Kletterer, kein Wunder sind im Laufe der Jahre so viele Radprofis in die Gegend gezogen, um hier zu trainieren. Ging hoch bis über 2.000 Meter in die Pyrenäen und in den Schnee. Foto: © 2026 Ferran Soler

Der entscheidende Unterschied zum Atlas Mountain Race ist hier ganz gut zu erkennen: Durchaus steil, schotterig und steinig die Pisten - aber immer fahrbar, immer Flow, immer Gravel und nur sehr selten besonders technisch, kaum Trails und so gut wie keine Schiebepassagen. Das Traka rollt konstant, auch in der Langversion, das Atlas Mountain Race hingegen war eine Durchschlageübung mit viel Geschiebe und Gewürge (zumindest in diesem Jahr). Foto: ©2026 Traka / Chema Velasco

Deutlich zu erkennen: Die meisten Schwierigkeiten und Höhenmeter warteten am ersten Tag gleich zu Beginn (es war also richtig, am frühen Morgen in den Tag zu starten). Hinten raus wurde es deutlich einfacher und flotter, bis zum letzten harten Climb ("Les Gavarres"), der noch mal richtig weh tat bei Kilometer 480. Am ersten Tag bin ich 300 Kilometer und 6.600 Höhenmeter gefahren, den Rest dann mit einigen Zwangspausen (Nachladen von Powerbank und iPhone). Bild: Klassmark/The Traka

Auch die Gravelrennen werden jedes Jahr ein bisschen extremer. Das liegt vor allem an der fortschreitenden Professionalisierung: Von den ursprünglichen Idealen der Naturromantiker und Rad-Hippies ist nicht mehr viel übrig. Die hatten null Bock mehr auf Asphalt und die Gefahren durch den Autoverkehr, auf die Vereinsmeiereien alter weißer Männer in Radsportvereinen und die nicht minder kleinkarierten Machtspiele und Verkrustungen der Radsportverbände. All das hat viele Sportler aus dem klassischen Radsport vertrieben. Frauen waren im klassischen Vereinsradsport sehr lange sowieso allenfalls geduldet, nie so recht akzeptiert. So entstand abseits der Straßen die alternative Gravelszene, weniger verbissen, viel relaxter, freundlicher, diverser - aber dennoch mit klar sportlicheren Ambitionen als die Gravity Biker-Szene. Das verändert sich gerade sehr. Die großen Gravelrennen (das Traka gilt als das bedeutendste europäische) ziehen mittlerweile eine Menge Profis und Ex-Profis an, aus dem Mountainbike, von der Straße. Mit den Pros im Schlepptau kommen Sponsorengelder, Vermarktungsinteressen, wachsende Aufmerksamkeit durch Medien und allerhand Erwartungsdruck. Jetzt ballern sie auch auf der Langdistanz vorne los wie verrückt. Der Charakter verändert sich gerade stark - kann man super finden oder zu Heulen. Entspanntheit gibt es allenfalls nur noch weiter hinten im Feld. Da wo ich bin.


Als alter Sack über 60 hältst du dich sowieso vornehm aus jedem Risiko raus. Denn gefährlicher sind sie auch geworden durch die beschriebene Entwicklung, die großen Gravelrennen. Das liegt nicht nur am steigenden Tempo und der wachsenden Risikobereitschaft in Gruppen und mit taktisch und kompromisslos fahrenden Mannschaften, es liegt auch ein gutes Stück daran, dass die Veranstalter dem gewachsenen Bedarf nach Regulierung bei der Streckengestaltung wie auch bei der Entschärfung kritischer Stellen nur zögerlich bzw. noch gar nicht nachkommen. Dass auch Gravelrennen mit zunehmender Professionalisierung mehr Reglement-Disziplin und Kontrolle bräuchten. Wo es um Siege und wenigen Minuten Abstand zwischen den Besten über 550 Kilometer Distanz und vor allem auch um Geld geht, wird jede Lücke im Reglement eben gnadenlos ausgenutzt - bis hin zu (unbestätigten) Dopinggerüchten, die nun auch die Gravelszene vergiften. Dopingkontrollen gibt es hier natürlich keine - dafür aber Ex-Profis, die auf der Straße über Jahre gesperrt waren und nun bei den Gravelrennen vordere Plätze belegen. Natürlich sind das Spekulationen, aber ist doch klar, dass die zwangläufig entstehen, wo es um Geld und Interessen geht.


Ausgefallene Tracker, Regelverstöße und Disqualifikationen


Der Sieger des Traka Adventure, Victor Bosoni, musste sich zudem vorwerfen lassen, an acht (!) Stellen abgekürzt zu haben (wenn auch nur leicht), ohne dass dies irgendwelche Konsequenzen zur Folge hatte. Das hat der Gewinner des Atlas Mountain Race 2026 eigentlich gar nicht nötig (im AMR hätte es dafür mindestens eine empfindliche Zeitstrafe gegeben - was ihn den Sieg gekostet hätte, weil der Zweitplatzierte nur wenige Minuten hinter ihm lag). Mehr Sicherheit und Kontrolle sind aber gar nicht so einfach zu realisieren bei so langen Rennen, denn Streckensicherung ist vor allem eins: irre aufwändig und teuer. Eine 550 Kilometer lange Strecke lässt sich mit vertretbarem Aufwand weder komplett absichern noch so überwachen, dass Tricksereien und Regelverstöße nicht doch möglich sind. Vor allem dann nicht, wenn die vom Veranstalter ausgegebenen Billigtracker bereits nach der Hälfte der Distanz reihenweise ausfallen, weil die Batterien früher als erwartet leer sind, Teilnehmerinnen nicht mehr zu orten und ordentlich zu tracken sind, was nicht nur eine Einladung zum Abkürzen und Tricksen ist, sondern auch ein klarer Sicherheitsmangel. Für die Veranstalter ist das ein Dilemma: Sicherheitsanforderungen und die Kosten dafür lassen sich nicht so auflösen, dass dabei ein profitables Geschäftsmodell übrigbleibt, nicht mal für das größte Gravel-Event Europas.


Wenn du all das realisierst, hältst du dich im Rennen erst recht zurück und übernimmst die Verantwortung nur für dich und dein eigenes Risiko. Da du sowieso nichts gewinnen kannst, gehst du null Risiko bei den Abfahrten, achtest sorgfältig auf Steine, Schlaglöcher und Hindernisse (und hast dann wenige oder gar keine Defekte), fährst Kurven so an, dass du sie auch dann nehmen kannst, wenn eine schnelle Abfahrt unerwartet und unmarkiert in einen schmalen Trail mündet, stoppst brav an Kreuzungen oder roten Ampeln ab - und verlierst natürlich überall Zeit. Keine Amateur-Platzierung ist es wert, Stürze, Unfälle oder Verletzungen in Kauf zu nehmen oder Dritte zu gefährden. Nirgends abzukürzen, auch mit ausgefallenem Tracker, ist Ehrensache. Ich würde mir selbst das gesamte Erlebnis für immer vergiften, wenn ich wegen ein paar Plätzen geschummelt hätte. Es geht hier um gar nichts, nur um dieses unvergleichlich intensive Erlebnis, das eben nur Wettbewerbe unter Extrembedingungen bieten. Aber so denkt eben nicht jeder, auch das ist zu akzeptieren. "Du musst nicht siegen, um zu gewinnen" und "second is first of the losers" sind eben sehr verschiedene Grundeinstellungen im gleichen Wettbewerb.


Was genau war der Unterschied zwischen "unsupported" und "self supported"?


Die Rennleitung hat noch im Rennen (gewissermaßen als Akt der Ratlosigkeit) eine komplette Gruppe von rund 40 Fahrerinnen disqualifiziert, als Strafe für Regelmissachtungen, wegen Überfahrens roter Ampeln, wegen Windschattenfahren und gefährlichem Verhalten im Straßenverkehr. In der offiziellen Ergebnisliste tauchen diese Namen gar nicht mehr auf, sie waren lediglich während des Rennens auf der Trackerwebseite zu sehen, etliche Szenepromis und bekannte Namen darunter. Das ist insofern bemerkenswert, als die mehrfachen Abkürzungen des späteren Siegers völlig ungeahndet blieben. Offensichtlich wurde hier mit zweierlei Maß gemessen, aus welchen Gründen auch immer.


All dies habe ich nicht live erlebt, sondern erst nachträglich mitbekommen. Was ich hingegen live erlebte: Dass auf den ersten 100 Kilometern offenbar genau diese später disqualifizierte Gruppe geschlossen an mir vorbeirauschte (meine Startzeit war eine Stunde früher, ich hatte also ein bisschen Vorsprung). Ich habe selbst davon abgesehen, mich der Gruppe anzuschließen, weil ich eh nicht lange hätte mitfahren können, ohne in den roten Bereich gehen zu müssen (ganz schlechte Idee bei 550 Kilometern Distanz), und weil ich regelkonform ohne Drafting meine eigene Pace fahren wollte. Das Gruppenfahren kann ich einerseits verstehen: Die Leistungsspitze ist so eng beieinander, dass zwei Minuten Aufenthalt an einer Ampel ber den Sieg entscheiden können. Andererseits sind Regeln eben Regeln. Drafting ist beim Traka Adventure ausdrücklich nicht erlaubt, bei den kürzeren Versionen über 100, 200 und 360 Kilometer allerdings schon. Es wurde nur nicht konsequent überwacht und durchgesetzt. Wie denn auch! Schwierig.


Mit oder ohne Windschatten fahren - das sind vom Charakter her zwei vollkommen unterschiedliche Wettbewerbe auf identischer Strecke. Mit Drafting musst du so ein Rennen idealerweise als Team fahren. Das Sturzrisiko auf Schotter in engen Gruppen ist deutlich höher und erfordert Profi-Skills in der Gruppe auf solchen Pisten. Wenn Drafting verboten ist (und z.B. nach der neutralisierten Startphase auch tatsächlich z.B. durch Strecken-Marshalls auf Motorrädern kontrolliert würde wie z.B. im Triathlon), ergibt Zusammenarbeiten und Fahren in der Gruppe keinen Sinn. Es würde automatisch viel sicherer, weil jeder seine Pace fährt. Beim Traka hätte es schon genügt, die Zeitabstände beim Start tatsächlich hart zu kontrollieren und die Spitzenleute weit genug auseinander starten zu lassen - Gruppenfahren und Vergleichbarkeit wären dann von vorneherein unmöglich gewesen.


Ich habe zudem auch etliche Fahrer beobachtet, die Friends und Family an der Strecke hatten mit Vans und Bussen, die dort stoppten zum Ausruhen, für Verpflegung, als Support. Klare Verstöße gegen die Spielregeln von Unsupported - aber beim Traka hieß das ja auch "self supported". Was das genau sein sollte im Unterschied zu "unsupported", ließ durchaus erheblichen Interpretationsspielraum zu - vor allem, weil der Veranstalter im Rennbriefing keine klaren Ansagen dazu machte. Last not least führte das Rennen durch Passagen in Ortschaften (an der Küstenpromenade), die tagsüber sehr stark von Touristen, Fußgängern und Autos frequentiert waren - wenn du da tagsüber durch musstest, hast du gegenüber der Durchfahrt in der Nacht mehrere Minuten verloren. Ich hab dort eine meiner Zwangspausen eingelegt, um iPhone und Powerbank nachzuladen, bei mir war es eh egal.


Wenn du das alles zu eng sahst (also als ernsthaft bestrittenes Rennen), konntest du aber ziemlich schlechte Laune kriegen. Mal sehen, wie die Veranstalter das im nächsten Jahr machen, immerhin ist das Traka das größte Gravel-Event auf europäischem Boden, und den Ruf einer risikoreichen ungerechten Chaosveranstaltung kann Klassmark eigentlich nicht auf sich sitzen lassen. Ich bin sicher, hinter den Kulissen wird heftig diskutiert. Interessant auch, dass im offiziellen Video von diesem Jahr alle kurzen Traka-Distanzen und Wettbewerbe gecovert werden (100,  200, 360) - nur das Adventure 560 nicht, mit keinem Pieps.


Lange Gravelrennen wie das Traka Adventure befinden sich momentan im Niemandsland zwischen Spaßveranstaltung und Profirennen - speziell die Langdistanz weiß noch nicht so richtig, was sie eigentlich sein will. Man braucht die Amateure dringend als zahlende Kulisse, fokussiert die Aufmerksamkeit aber ziemlich klar auf die Professionalisierung, die Sponsorengelder und Werksteams und nimmt dabei sehenden Auges etliche Unsauberkeiten in Kauf. Ich bin sicher, da wird sich in den kommenden Jahren einiges tun...


If it's not on Strava, it didn't happen


Das Rennen selbst lief für mich am ersten Tag (300 Kilometer, 6.600 Höhenmeter) erfreulich reibungslos. Keine Panne, keine Defekte, kein Sturz, Beine gut, Stimmung gut, an den harten Anstiegen einfach konstant in Bewegung bleiben, wenn auch langsam (ich bin ein mittelmäßiger bis eher schlechter Bergfahrer, mit 2,5-3,5 Watt pro kg Körpergewicht hatte ich schon immer ein eher bescheidenes Kraft-Gewichtsverhältnis. Wenn du das weißt, ist alles gleich weniger schlimm). Der angekündigte Regen blieb aus - worüber ich sehr froh war, besonders als es in die Pyrenänen ging, über 2.000 Meter und über die Schneegrenze. Kalt war's da oben trotzdem, insgesamt war die Bedingungen aber durchweg eher mild und frühlingshaft-lieblich und die Pisten trocken aber durch den Regen auch nicht allzu staubig.


Die katalonische Landschaft rund um Girona hat es mir so oder so angetan. Unzählige wenig befahrene Wege und Straßen, mildes Klima, die Biodiversität ist spürbar reicher als z.B. in Bayern. In den Büschen ganze Wolken lustig tschilpender Spatzen (die sind in München z.B. sehr selten geworden, weil sie kaum noch Nistplätze finden und ausreichend Futter), in der Nacht die anrührenden Gesänge ungezählter Nachtigallen, ein herrliches Erlebnis, während du selber mit den Anstiegen und der Müdigkeit kämpfst. Ich liebe dieses Land, seine Gerüche, den Abwechslungsreichtum, die freundlichen Katalonen, die Sprache, das Klima. Und das alles in Bewegung.


Leider ist mein Garmin Edge 840 mitten im Rennen gecrasht, zu Beginn von Tag 2 nach 300 km und 6.600 Höhenmetern (von insgesamt 9.269), beim Versuch, die Route für den zweiten Tag zu laden – mit allen aufgezeichneten Daten. Kein Reboot, kein Soft- oder Hard-Reset, nichts möglich, nur noch eine endlose Absturzschleife. Zum Durchdrehen! Fun Fact: In einem früheren Rennen ist mir das selbe Gerät auch schon einmal hart hängen geblieben, weil ich die komplette Strecke in einer einzigen Datei abgelegt hatte – das konnte der Edge 840 wegen "zu viele Daten" nicht verarbeiten, was ich allerdings auch erst mitten im Kurs erfahren musste. So habe ich für meine längste Fahrt am Stück ever (ohne Schlafpause) nun keine Aufzeichnung auf Strava, nur einen nachträglichen manuellen Eintrag (und dafür erlaubt Strava keine Höhenmeter-Einträge, die gibt es nur bei hochgeladenen Messdateien). Und die Leistung taucht nicht in meinen persönlichen Bestleistungen auf. Ist klar, es gibt Wichtigeres im Leben - trotzdem wurmt es, denn jeder Radsportler weiß: If it's not on Strava, it didn't happen! 😁


Garmin enttäuscht abermals mit Softwaremängeln


Durch den Garmin-Totalausfall war ich gezwungen, mit dem iPhone und der Ride-With-GPS-App zu navigieren (zum Glück hatte ich die Route sicherheitshalber schon vorher für Offline-Navigation aufs iPhone heruntergeladen). Ich hatte aber keine Halterung für das iPhone am Rad, also habe ich erst mal mit Kabelbindern improvisiert. Später hat mich dann am Abend der Wirt des Restaurants mit einer Halterung aus Gummi beschenkt, während ich mich dort verpflegte und die leeren Akkus lud. Er wollte keinen Cent dafür haben und wollte gar nicht glauben, dass ich im Anschluss die gesamte Nacht bis Girona durchfahren würde. Ich konnte meinerseits kaum glauben, dass der Mann zufällig eine geeignete Halterung rumliegen hatte und sie nun einfach an mich verschenkte - ein magischer Moment für uns beide.


Das iPhone eignet sich nur sehr schlecht für solche langen Navigationsaufgaben. Erstens frisst es durch die GPS-Navigation ohnehin schon viel Akku, und wenn du sehr häufig das Display einschalten musst, um keine der zahlreichen Abbiegestellen über das Geflecht unzähliger Feldwege zu verpassen, musst du irgendwann Zwangspausen zum Nachladen einlegen. Ich hatte nur eine 10.000er-Powerbank mit, es erforderte nicht viel Kopfrechnen, um zu wissen, dass das nicht annähernd reichen würde bis ins Ziel bei der Geschwindigkeit, mit der sich das iPhone leerte. Zudem war ein Teil der Powerbank bereits aufgebraucht durch das Nachladen des Garmin, der dann frisch aufgetankt für Tag zwei den Dienst verweigerte. Mit leerem iPhone und leerer Powerbank ohne Orientierung mitten in der Nacht irgendwo im Nichs zu stehen, kam natürlich auch nicht in Frage - zumal ja auch schon der Satellitentracker mit leerer Batterie versagt hatte. 


In Summe habe ich durch den Garmin-Fail mindestens vier Stunden verloren. Danke Garmin 🤬💀, schon das zweite Rennen, das ihr mir ruiniert! Nachträglich habe ich dann mitbekommen, dass Garmin massive Probleme mit einem fehlerhaften Kartenupdate hatte. Ich war bei weitem nicht der Einzige, der diese Ausfälle hatte, nur das besondere Pech, dass es mir mitten im Traka Adventure passierte. Es gab später dann auch Warnungen von Garmin über die eigenen Apps - aber schlecht und missverständlich kommuniziert. Erst rund zwei Wochen nach dem Event und mehrere Kommunikationsschleifen mit dem Kundensupport später gab es tatsächlich eine funktionierende Lösung, mit der ich meinen gecrashten Edge 840 Solar wieder herstellen konnte (der Kundenservice speiste die Betroffenen zunächst auch mit nicht funktionierenden Textbausteinen zur Selbsthilfe ab).


Die Lösung erfordert die Garmin-Express-Software auf dem Windows-PC und ein Update, das erst neu in Garmin Express eingebaut werden musste. Es erzwingt den Zugriff auf den angeschlossenen Radcomputer, auch wenn der noch in seiner Startsequenz festhängt. Warum gibt es das nicht für die Connect App auf dem iPhone? Ich habe bis heute nicht verstanden, warum Garmin neben der Connect-App noch eine zweite App betreibt, die nur auf einem angeschlossenen Computer läuft, und die unterwegs nicht eingesetzt werden kann - weder zum Updaten kurzfristig geänderter Routen durch den Veranstalter, noch zum Updaten der Kartengrundlagen auf dem Gerät. Auch nicht verstanden habe ich, warum Garmin bis heute nur 2,4 GHz-WiFi kann, das ist viel langsamer als das längst weit verbreitete 5 GHz-WiFi und macht es schwer bis unmöglich, unterwegs in einem Hotelzimmer neue Routen auf den Radcomputer zu laden, wenn der Veranstalter sie mal eben kurzfristig geändert hat (was sowohl beim Atlas Mountain Race der Fall war wie jetzt beim Traka Adventure). Die Express-App mag aus technischer Sicht vielleicht Sinn ergeben - aus Kundensicht ist das ärgerlicher Mist. Shit happens.


Der Edge 840 Solar läuft mittlerweile wieder - allerdings musste ich ihn komplett zurücksetzen und neu einrichten. Ich bevorzuge immer noch den Edge 840, obwohl es längst einen Nachfolger gibt, den Edge 850. Die Laufzeit des älteren Geräts ist jedoch deutlich länger, was vor allem am erhöhten Strombedarf des helleren und deutlich kontrastreicheren Displays des Nachfolgers liegt. Für die Mehrzahl der Ausfahrten im Markt ist das hellere Display tatsächlich eine Verbesserung und ein Fortschritt, für sehr lange Wettbewerbe aber ein klarer Nachteil. Die Zielgruppe Ultracyclists ist mutmaßlich einfach zu klein und uninteressant für Garmin. Sollen die doch den Hammerhead Karoo fahren! oder andere besonders lang laufende Radcomputer (nicht ohne Grund hat Hammerhead in der Ultra-Szene in den letzten zwei Jahren rasant an Beliebtheit und Marktanteil gewonnen). Etliche User wechseln auch zu Wahoo, dort waren Usability und UX ohnehin immer besser als bei Garmin. Viel Luft nach oben.


Finish: Tolles Erlebnis in Summe, Girona ist immer eine Reise wert


Am Ende wurde es für mich Platz 150 von 256 gestarteten Teilnehmerinnen auf der Langdistanz und lediglich 168 Finalisten in der Wertung, umgeben von lauter jungen Wilden. Die Spitze benötigte weniger als die Hälfte der Zeit. Beim Traka 360 vor zwei Jahren hatte ich einen Schnitt von 19,9 km/h, dieses Mal inkl. aller Standzeiten einen von 10,9 km/h - man erkennt auch daran den sehr unterschiedlichen Charakter zwischen dem 360er und 560er Traka. Mehr geht nicht mehr, schon gar nicht mit gecrashtem Radcomputer und viel Improvisation in der zweiten Hälfte des Rennens. Aber das ist völlig okay. Es war ein ganz wundervolles Erlebnis - trotz der Frustmomente und dem damit verbundenen Zeitverlust. Outdoor-Abenteuer schließen immer die Möglichkeit mit ein, dass etwas nicht läuft wie geplant. Sonst wären es ja keine Abenteuer. Und deswegen heißt es ja auch "The Traka Adventure" und nicht "The Traka Coffee Ride".


So ist das Leben. Happy! 🤙


Hier die offiziellen Ergebnisse


Nach 50 Stunden ohne Schlaf am Sonntag Morgen um kurz nach neun im Ziel. Hätte mir nochmal ordentlich Gewicht am Bike sparen können (die dritte Trinkflasche war z.B. unnötig, der Bivy auch). Hinterher biste immer schlauer. Weil die Batterie meines Trackers schon 20 Stunden vor Zielankunft leer war, hatten die Veranstalter meinen Dot verloren (liebe Veranstalter, ich war nicht der Einzige, diese Dinger eignen sich vielleicht für 100 oder 200 km - aber nicht für 550 - vor allem nicht, wenn man sie bereits am Vortag eingeschaltet ausgibt!). So hat am Sonntag früh erst mal kein Mensch mitbekommen, als ich still und einsam über die Ziellinie rollte. Das Kabel unter dem Zielbogen hat aber meinen passiven Transponder am Rad registriert (der braucht keinen Strom), so gibt es immerhin verlässliche Werte für Startzeit und Zielankunft. Sonntag war ohnehin nichts mehr los auf dem Eventgelände, der Abbau hatte bereits begonnen. Dank an den Moderator, der mir dann doch noch eine lautstarke Abmoderation spendierte. Du tust das nur für Dich. Und als Datenfreak für die aufgezeichneten Daten. Die es dieses Mal ja leider nicht gab... Foto: ©2026 Hartmut Ulrich

Das treue Rose Bike (Rose Xeon Cross CDX von 2017, der Vorgänger des beliebten Backroad - Original ist allerdings nur noch der Rahmen). Den Sinn der Abdeckkappen an den Trinkflaschen erkennt man hier deutlich (Fidlock-Halter sind bei solchen Rennen Gold wert, dann halten die Flaschen auch und fliegen nicht bei den schnellen rumpeligen Abfahrten in hohem Bogen aus den Flaschenhaltern). Ordentlich zusätzliche Mineralien jedenfalls und immer ein leichtes Knirschen im Mund! Das Bike hat wundervoll gehalten, null Probleme, null Pannen, kein Defekt. Der Garmin leider nicht. Foto: ©2026 Hartmut Ulrich