Gravelrennen - die ganz große Runde um Girona

The Traka Adventure 2026

Nach dem Atlas Mountain Race Anfang Februar nur wenige Wochen später schon wieder so ein langes Ding mit null Schlaf? Mit 560 Kilometern hört sich das Traka Adventure auch nach etwas an, was du nicht unbedingt als Nachmittags-Ausfahrt auf der linken Backe runterreißen wirst. Vor allem nicht mit den rund 10.000 Höhenmetern (die in der Realität 9.269 waren - immer noch genug). Trotzdem hat sich die Langfassung des Traka nach dem AMR mit seinen abartigen Bedingungen angefühlt wie eine Genuss-Ausfahrt: So gut wie kaum Wind, der angekündigte Regen blieb komplett aus, und die rund 50 Stunden ohne Schlaf gingen erstaunlich glatt durch, die paar kleineren Tiefpunkte ließen sich leicht überwinden, in dem du einfach immer in Bewegung bliebst, vor allem in der Dunkelheit. Hört sich irre an - aber ich habe diese 550 Kilometer in 50 Stunden sehr genossen. Hätte mich nur der verdammte Garmin Edge nicht mitten im Rennen mit einem Bug komplett im Stich gelassen! Aber irgendwas is ja immer.

Aus nicht ganz exakt genannten Gründen haben die Veranstalter den Start des Traka Adventure erst von 23:59 am 30. April auf 7:00 Morgens am 1. Mai verschoben. Mir war es sehr recht, nicht in die Nacht fahren zu müssen und einen ganzen Tag Tageslicht für die höchsten Berge zu haben. Zudem durfte kein Massenstart erfolgen, sondern ein Einzelstart wie bei einem Zeitfahren. Haben sich bei weitem auch nicht alle dran gehalten. Foto: ©2026 Hartmut Ulrich

Traka 360, Gravel, Girona

9.269 Höhenmeter in vier größeren Anstiegen - und eine atemberaubend schöne Kulisse. Wenn du denn einen Blick dafür hast (ich hatte). Die Gegend um Girona ist geradezu ideal für Bergfahrer und Kletterer. Ging hoch bis über 2.000 Meter in den Schnee (da kommen noch ein paar Bilder) Foto: ©2026 Hartmut Ulrich

Der Unterschied zum Atlas Mountain Race ist an dieser Piste gut zu erkennen: Schon steil, schotterig und steinig - aber immer fahrbar, immer Flow, immer Gravel und nur sehr selten Mountainbike. Das Traka rollt, auch in der Langversion, das Atlas Mountain Race war hingegen eher eine Durchschlageübung mit viel Fußwegen...
Foto: ©2026 Chema Velasco

Deutlich zu erkennen: Die meisten Schwierigkeiten und Höhenmeter warteten am ersten Tag gleich von Anfang an - hinten raus wurde es dann deutlich einfacher, bis zum letzten harten Climb bei Kilometer 480. Am ersten Tag bin ich 300 Kilometer und 6.600 Höhenmeter gefahren, den Rest dann mit Zwangspausen (Akkus) an Tag zwei. Bild: The Traka official

Gravelrennen werden jedes Jahr ein bisschen irrer. Vorne ballern sie los wie verrückt, das Niveau ist pure Profileistung, da kannst du dich als alter Sack über 60 nur vornehm raushalten. Null Risiko in den Kurven, in den Abfahrten, an Ampeln oder in heiklen Verkehrssituationen heißt auch: null Stürze über 550 Kilometer - oder Disqualifikationen wegen Regelverstößen (die Rennleitung hat eine Truppe von rund 40 Fahrern disqualifiziert - als Folge der Einzelstarts (statt des von den Behörden untersagten Massenstarts). Drafting ist beim Traka Adventure nicht erlaubt - haben sich auch viele einfach nicht dran gehalten.


Leider ist mein Garmin Edge 840 komplett gecrasht – mit allen Daten –, als ich nach 300 Kilometern den Split für den zweiten Tag laden wollte. Kein Reboot, kein Reset, nichts möglich, nur eine endlose Absturzschleife. Zum Durchdrehen. Fun Fact: In einem früheren Rennen ist das selbe Gerät auch schon mal eingefroren, weil ich die komplette Strecke in einer einzigen Datei geladen hatte – das konnte der Edge 840 wegen der "zu vielen Daten" nicht verarbeiten.


Tag 1: 300 km und 6.600 Höhenmeter (von insgesamt 9.269). Dann der Computerausfall am frühen Morgen von Tag 2. War gezwungen, mit dem iPhone und der Ride-With-GPS-App zu navigieren. Das iPhone frisst im Navigationsmodus derart viel Akku, dass ich am Ende zwei Zwangsstopps einlegen musste, nur um Powerbank und Handy wieder aufzuladen. Insgesamt habe ich etwa 4–6 Stunden verloren (danke, Garmin 🤬💀, schon das zweite Rennen, das du „beeinflusst“ hast – und nein, es liegt nicht an „schlechten GPX- oder FIT-Daten“, es ist einfach inakzeptabel, dass sich so eine kostspielige Hardware nicht schnell unterwegs zurücksetzen und neu laden lässt. Frust!


Am Ende Platz 150 von 247 Finalisten, umgeben von lauter jungen Wilden – mehr geht halt nicht mehr. Und das ist völlig okay. Happy! 🤙


P.S. Ein ausführlicheres Stück ist in Arbeit. Und mehr Bilder auch. Das hier erst mal das auf die Schnelle. (oder es bleibt einfach so).


Hier die offizielle Ergebnisliste.

Nach 50 Stunden ohne Schlaf endlich im Ziel. Im Nachhinein hätte ich mir nochmal ordentlich Gewicht am Bike sparen können - aber es ging ja eh um nichts. Außer um das eigene Erlebnis. Weil die Batterie meines Trackers schon einen Tag vorher leer war (liebe Veranstalter, diese billigen Dinger eignen sich vielleicht für 100 oder 200 km - aber nicht für 550!), hat auch keiner mitbekommen, dass ich ins Ziel rollte. Am Morgen um kurz nach 9 war ohnehin noch genau gar nichts los auf dem Eventgelände. Zieleinfahrt gewissermaßen inkognito. Foto: ©2026 Hartmut Ulrich

Das verstaubte treue Rose Bike (von 2017!) dann erst mal in die Waschanlage gefahren. Den Sinn der Abdeckkappen an den Trinkflaschen erkennt man deutlich. Auf jeden Fall ordentlich zusätzliche Mineralien an der Flasche und ein bisschen Knirschen im Mund! Das Rose hat ganz wunderbar duchgehalten, null Probleme, null Pannen. Foto: ©2026 Hartmut Ulrich