Was ist gutes Webdesign? (2014)

Die Leute belohnen das Einfache, nicht nur im Webdesign. Das Übersichtliche. Das Inspirierende. Muss man unbedingt mehr sagen? Eigentlich nicht. Aber man kann.

Zeit Online Launch

Zu viel Auswahl macht unglücklich. Diese Erkenntnis ist nicht neu, aber im Webdesign relativ radikal. Weil sie mit einer Regel bricht, die die letzten Jahre galt: Alles auf der Startseite, auf der ersten Ebene, auf den ersten Klick, möglichst wenige Ebenen drunter. Kennen Sie? Nun: Es ist nicht mehr toll. Es ist zu viel. Es überfordert. Man merkt das erst, wenn die Dinge wieder einfacher werden. Jetzt, heute – weil sie einfacher werden müssen. Weil sich die Erkenntnis durchsetzt, dass immer mehr Besucher per Mobiltelefon kommen und nicht mehr per Desktop-Rechner. Selbst Laptops sterben aus, es sei denn in B2B.

Das Vertikale nimmt zu, in der Klicktiefe, im Scrolling (obwohl Webdesigner lange predigten, die Leute scrollen nicht – und am Desktop taten sie das tatsächlich auch nicht). Vertikal ist plötzlich kein Problem mehr. Das iPhone hat uns dieses mühelose Scrollen per Fingerwisch gelehrt. Mobile Devices, hmhm, mobile Endgeräte (auch nicht schöner), diktieren durch die Limits ihrer Hardware, welche Usability wir bevorzugen. Und damit, was im Webdesign möglich ist – und was nicht mehr.
Und siehe da: Es ist toll!

Hier noch schnell ein paar Thesen. Nicht diskutiert. Nur festgehalten. Think about as you prefer:

– Webseiten werden einfacher, leichter, mobiler.
– Schuld daran ist die Hardware: Smartphones diktieren Design-Limits.
– Das tut überraschend gut.
– Die Postmoderne ist zu Ende. Es gibt ein großes Bedürfnis nach Klarheit und Sicherheit. Auch digitales Design spiegelt das wider.
– Algorithmen sind die neuen Art Directors.
Digitale Medien werden nicht mehr vom Layout aus gedacht, sondern von der Usability. Also: Dummy first, Design follows. (und es muss trotzdem gut aussehen). Dynamisches Prototyping ist das neue „done is better than perfect“.
– Der einfachste gemeinsame Nenner im responsive Design ist quadratisch. Im Webdesign, in der Bildproduktion, in der Effizienz.

Beispiel gefällig? Hangeln Sie sich doch mal durch das ZEIT Magazin online.

Das Bild zeigt übrigens ZEIT Online-Chefredakteur Jochen Wegner (rechts) und ZEITmagazin Chefredakteur Christoph Amend bei der Launchpremiere am 6. Mai in der Berliner Schaubühne.

Bildquelle: Eigenes Foto