IKEA verkauft keine Möbel. Sondern Wohnideen.

Gestern waren wir nach gefühlten zehn Jahren mal wieder bei IKEA. Wegen zwei Kissen. Um zu gucken. Und natürlich wegen der Hot Dogs (die liegen einem nur im Magen und – anders als die Teelichter – nicht jahrelang in der Wohnung rum). Aber es fühlte sich irgendwie seltsam an. Als hätten wir die eigenen Erinnerungen besucht, die sich nun aber ganz anders anfühlten als in der Verklärung.

Vor Jahren hatte ich einen Freund vollgeschlaumeiert, IKEA verkaufe gar keine Möbel. Sondern Wohnideen: Lösungen statt Produkte, das sei die Zukunft und so erfolgreich, dass in Deutschland alle Häuser zusammenfallen würden, riefe man „IKEA raus“, während die Möbelbranche an sich… Darauf hat er mich Jahre später angesprochen: Es habe ihn damals nachhaltig beeindruckt. Ich hatte es längst vergessen. Gestern aber fühlte IKEA sich seltsam an. Es war laut. Hektisch. Es roch komisch. Wie immer also. Aber es wirkte nicht mehr ideenreich. Pfiffig. Oder sympathisch. Sondern irgendwie…schäbig.

Ob ich einfach nur alt geworden bin?

Während ich den Bollerwagen mit den Jungs entlang der Leitpfeile durch das Gerümpellabyrinth manövrierte, fragte ich mich leise, ob es vielleicht an mir lag. Ob ich einfach nur alt geworden bin. Und verwöhnt. Das gesamte Möbelhaus-Design fühlte sich an, als sei es stehen geblieben. Irgendwie schlecht geworden, so wie Milch, die ihr Haltbarkeitsdatum um etliche Monate überschritten hat. Die wunderbaren großen blauen IKEA-Tüten von damals gibt es auch nicht mehr. Sie haben jetzt drei verschiedene Größen, keine passt richtig.

Gestern also, es muss in etwa die gleiche Zeit gewesen sein, als wir im Möbelhaus umherliefen, verstarb im Alter von 91 Jahren in seinem Haus in Småland der IKEA-Gründer Ingvar Kamprad. Zweifellos nichts weiter als ein Zufall, dass wir nach zehn Jahren Unterbrechung ausgerechnet gestern das erste Mal wieder… eine Ära ging da gestern zu Ende. Jetzt, wo es in allen Medien steht, fühlt es sich doppelt seltsam an.

Vielleicht, alter Mann, drückt Petrus dir gerade einen Sechskantschlüssel in die Hand. Mit dem kannst du dann deine HARVÄ zusammenschrauben auf VOLKÄ sieben. Aber nur, wenn kein Teil fehlt. Sonst musst du vorher noch beim Kundenservice anstehen, und du weißt ja: Das ist dann die Hölle. Aber Zeit spielt jetzt ja keine Rolle mehr. Mach‘s gut, Ingvar Kamprad!