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Den Müll rausbringen

“Mein Lieber, es geht nicht darum, etwas Verrücktes zu denken. Nicht etwa ein verstiegener Gedanke ist ein guter – ein guter Gedanke holt uns aus der alltäglichen Verstiegenheit zurück. Wir müssen wieder zurückfinden zu einer elementaren Vernunft.”

“Ach was! Durch vernünftiges Denken allein entsteht nichts Neues. Neue Lösungen finden sich meist im Paradoxen, im Nonlinearen, im Unlogischen, ja Unmöglichen. Sie kommen von Rebellen, von den Frechen, die keine Lust haben zu warten, bis sie dran sind. Eigenwillig sein ist die Königsdisziplin der Zukunft!”

“Ach ja? Ich gebe zu, ein Künstler, der seine Besessenheit beherrscht, kann Großes schaffen, doch wie vielen gelingt das schon? Die Welt wimmelt von Gescheiterten, die sich für Rebellen halten, jedoch nichts weiter sind als arme Schweine, weil sie sich aufreiben an ihrem eigenen Anspruch, und niemand interessiert sich für ihr Mittelmaß. Das ist doch symptomatisch für unsere Generation, dass sich jeder Einzelne für außergewöhnlich hält, dass die Pose längst selbst zur Uniform geworden ist. Nicht Eigenwilligkeit ist die Königsdisziplin der Zukunft, sondern Demut: Anerkennen können, dass Andere mindestens so gut sind, dass es besser ist, sich eine Rolle in der neuen Gemeinsamkeit zu suchen, die sich durch Technologien wie das Social Web bereits abzeichnet.”

“Na, ihr beiden Spinner, wer von Euch möchte den Müll rausbringen?”


Phantomschmerzen

Phantomschmerzen heißen so, weil es sie eigentlich gar nicht geben dürfte. Im Fall der guten alten Zeitung tun sie weh, obwohl das  Medium ja durchaus weiter lebt. Der Phantomschmerz ist hier ein Schmerz angesichts des erwarteten Verlusts. Damit wäre die Grundtendenz der derzeit heißesten Mediendiskussion bereits umrissen: Nichts bewegt die Gemüter mehr als die Frage, ob und wie nahe das Ende von Print denn nun eigentlich ist und was Journalismus in Zukunft ausmacht. Ich verweise hier auf einige Beiträge, die ich ausgewählt habe, weil sie aktuelle Höhepunkte der Diskussion markieren:

Alan Rusbridger: Der Chefredakteur des “Guardian” sprach bei einem Auftritt am Berliner Institut für Medienpolitik darüber, wie Journalismus sich verändern muss, um überlebensfähig zu bleiben. Wesentliche Auszüge hat Robin Meyer-Lucht auf CARTA veröffentlicht, inklusive eines knapp achtminütigen Videos:  “Journalismus muss sich verändern, um relevant zu bleiben“.

Bernd Ziesemer: Der Chefredakteur des “Handelsblatt” widerspricht dem G+J-Modell von “FTD”-Chefredakteur Steffen Klusmann (Hintergrund: Klusmann hatte in einem F.A.Z.-Interview behauptet, Tageszeitungen würden bald vom iPhone gekillt. G+J hat 110 Redakteuren in München und Köln gekündigt, um eine Zentralredaktion in Hamburg zu schaffen, die künftig alle G+J-Wirtschaftstitel sowie einen Internet-Auftritt gemeinsam mit Inhalten versorgen soll; mehr darüber hier). Ziesemer formuliert “Zehn zornige Thesen zum Diskussionsstand über die Zukunft der Zeitung.”

Miriam Meckel: Die Professorin für Kommunikationsmanagement der Uni St. Gallen hat Anfang des Jahres in der F.A.Z. ebenfalls einen Beitrag zur Zukunft der Zeitung veröffentlicht. Sie spricht von der “hysterischen Verunsicherung, mit der Verlagsrepräsentanten auf das Internet starren wie das Kaninchen auf die Schlange” und darüber, dass die Zukunft der Zeitung zwei Gesichter haben wird, ein gedrucktes und ein vernetztes: “Das epische Medium

Peter Praschl: Hat schon manches Blatt kommen und sterben sehen und schrieb bereits ein eigenes Blog, als andere noch nachschlagen mussten wie es eigentlich richtig heißt: “das Blog” oder “der”? Sein Text wirkt wie Grzimeks “Serengeti darf nicht sterben”, eine Liebeserklärung an einen bedrohten Lebensraum, zu deren Umschreibung sich ein neues Wort anbietet – wehement: “i ist kein gutes initial“.

MicroRobert: Wie Micro_Robert außerhalb der Blogosphäre heißt, entzieht sich meiner oberflächlichen Recherche – und so wichtig ist es auch nicht für die Sache. Wichtig finde ich allerdings seine Anmerkungen auf Peter Praschls Stück: In wenigen Worten skizziert er die ganz und gar unromantischen Seiten des Verlagswesens und verrät damit über sich zumindest den Profi, der die Fußangeln des Verlagsbetriebs ziemlich genau kennt: “Andererseits

Last not least eine 63-seitige Studie, die im Februar 2009 unter dem Dach der Friedrich-Ebert-Stiftung erschienen ist. Hier gibt es sie als PDF zum Download: “Das Verschwinden der Zeitung? Internationale Trends und medienpolitische Problemfelder“.

Eine klare Antwort lässt sich aus den Beiträgen nicht herauslesen – außer der, dass Qualität wohl die einzige  Zukunftsperspektive des professionellen Journalismus gegenüber der schieren Menge von Kostenlos-Content ist – wer hätte es gedacht! Gäbe es eine  deutlichere Antwort, Verlage wären bereit, denjenigen mit Gold zu überschütten, der sie ihnen ins Haus trüge. Was aber schon heute durchaus möglich ist: Ein Bild über Medien der Zukunft zu zeichnen. Noch ist es unscharf, aber es wird sehr rasch immer deutlicher. Man muss nur genauer hinsehen. Darüber demnächst mehr.


Not only president’s dilemma

Sire! Ihre noble Aufgabe besteht nun darin, heute für etwas geköpft zu werden, was Ihnen einst als Zukunftshellsichtigkeit ausgelegt werden wird.