Links: Zeit bedeutet im Internet für jeden etwas anderes
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David Gelernter, kluger Gegenpart von Frank Schirrmacher auf dem vergangenen DLD, tritt in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung künftig als Kolumnist auf – sein erstes Stück dreht sich um die Frage der Zeitwahrnehmung im Internet: “Im Netz von morgen ist nicht mehr der Raum das ordnende Prinzip, sondern die Zeit.” Die persönliche Komponente besteht darin, wie man seinen persönlichen “Lifestream” organisiert – aus welchen Daten er besteht und wie schnell er fließt – das Internet gibt jedem seinen persönlichen Lebensstrom, der sich von allen anderen unterscheidet. Dass allerdings jeder, der etwas zu sagen hat, immer gleich ein Manifest verfassen muss, finde ich mittlerweile ein bisschen skurril. Also gut: Noch ein Manifest. Aber ein interessantes.
Links: Handlungsempfehlung für das Menschbleibenkönnen im Zeitalter der Algorithmisierung der Welt
Frank Schirrmacher am Rande des DLD im Gespräch mit Alexander Kluge. Ebenso eine Entdeckung für mich wie das Vlog von dctp.tv.
Dieser harmlose Link zu carta.info auf das Gespräch der beiden ist möglicherweise einer der wichtigsten der letzten Monate, zumindest in meiner persönlichen Wahrnehmung. Weil es nicht um eine “0 oder 1″-Diskussion geht, sondern um den Versuch, die strukturellen Änderungen hinter dem zu fassen, was sich durch die Digitalisierung der Welt ergibt und den Versuch, daraus eine Handlungsempfehlung für das Menschbleibenkönnen abzuleiten: “Antworten geben auf die neue Welt der Algorithmen durch Erzählen”.
Siehe auch dieses Gespräch mit Alexander Kluge und der Redaktion von freitag.de:
Ein Sender, den sie uns nicht sehen lassen wollen
“Ich surfe hier auf der Welle der Zukunft. Ich schwöre, das ist wie LSD, eine ganz neue, fremde Welt – Zeit, Raum, der ganze Wahnsinn.” “Und wann verbieten die das?” “Warum sollten sie?” “Erinnerst du dich, wie sie LSD verboten haben als sie herausfanden, dass es ein Sender ist, den sie uns nicht sehen lassen wollten? Warum sollte das mit Informationen anders sein?”
Thomas Pynchon in seinem neuen Buch “Inherent Vice“
Die Uhr, die keine sein will
An der Wand zur angrenzenden Wohnung hängt eine alte Uhr, deren Schlagen von nebenan deutlich zu hören ist. Die Uhr muss alt sein, neuere klingen nie so schwer und mahnend. Sie wird immer wieder aufgezogen, ihr Klang durchdringt schon seit einigen Jahren die Mauern.
Die Uhr schlägt nie zur vollen Stunde. Nicht einmal so, dass sich durch sie auch nur annähernd auf irgendwelche Uhrzeiten schließen ließe. Die Uhr ist keine, und das mit Hingabe: Zwei Schläge um zwölf nach vier, fünf um zwanzig vor sechs. Heute nacht dreizehn Schläge. Pause für einige Sekunden, so dass der letzte Tong Zeit hatte auszuklingen. Dann noch ein weiteres Mal, als gäbe es noch etwas hinzuzufügen. Vielleicht gibt es die Uhr ja gar nicht, und niemand hört sie außer mir. Was aber will sie mir dann sagen?
Zeit
Obwohl
ich ihr Schüler bin
und ihr ergebener Diener
tötet sie mich
die Zeit