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“Die ganze bezahlte Überredung sollte zur Disposition stehen” – Jaron Lanier über Informationskultur und Werbung

Jaron Lanier ist immer wieder gut für eine streitbare Gegenposition innerhalb der jeweiligen Phase digitaler Euphorie. Dabei gehört er selbst zu den wirklichen Pionieren, hat den Ausdruck “virtuelle Realität” geprägt und sich intensiv mit künstlicher Intelligenz befasst. Jetzt schlägt er kritische Töne zur Freiheit der Information an. “Wenn man wissen will, worum sich eine Gesellschaft wirklich dreht, sollte man der Spur des Geldes folgen. Wenn das Geld in die Werbung fließt und nicht zu Musikern, Journalisten und Künstlern, dann befasst sich eine Gesellschaft mehr mit Manipulation als mit Wahrheit oder Schönheit. (…) Die Grundidee dieser Gesellschaft besteht darin, dass Autoren Journalisten, Musiker und Künstler ermutigt werden, die Früchte ihrer Phantasie und ihres Intellekts als Fragmente zu verstehen, die sie ohne Bezahlung dem Schwarmgeist überlassen“. Lesens- und bedenkenswertes Stück aus der F.A.S. – aber Vorsicht: lang!


Wo warst Du all die Jahre? (in der Agentur)

“Entweder du opferst uns dein ganzes Leben, oder wir lassen dich nicht an coolen Projekten arbeiten”, war seinerzeit eines der zahlreichen treffenden Zitate aus Douglas CouplandsGeneration X“: Agenturmitarbeiter versinken mitunter ihr gesamtes Arbeitsleben in einem reißenden Strom aus Projektstress, der so gut wie keinen Raum mehr für anderes lässt, auch nicht für das, was man gemeinhin Leben nennt. Wenn dann irgendwann mal etwas Einschneidendes passiert, kommt das große Erwachen. Ein Film über Leute nach der Karriere in der Werbung: Lemonademovie.com


Links: Das Ende der klassischen Werbung als Beginn echter Kommunikation

  • Nike, vor nicht langer Zeit noch einer der sog. Big Spender der Werbung, verabschiedet sich komplett von klassischen Offline-Werbeformen. Auch wenn man das sicherlich nicht pauschalisieren darf, so ist die Entscheidung doch ein Dammbruch: Es ist der Anfang vom Ende der alten Werbewelt. An sich ist das noch keine Meldung, denn der hat ja längst begonnen. Die eigentliche Meldung ist: Er wird mittlerweile auch ernst genommen von Werbefirmen, die unter dem Internet bislang oft nicht mehr als Werbebanner verstanden. Amir Kassaei, Kreativchef von DDB Tribal in Berlin und mit dem soliden Ruf ausgestattet, einer der kreativsten Werber der Welt zu sein, hat den Link zu diesem Beitrag vor einigen Tagen über Twitter an einige seiner Kollegen in den Chefetagen großer Werbehäuser geschickt mit dem Kommentar “Und nun?” Wie auch immer er das meinte: Ganz sicher ist Nikes Entscheidung nicht das Ende aller Kommunikation. Ganz im Gegenteil. Es kommt nur drauf wan, wie man’s versteht

Links: Alle Macht der Straße – oder lieber doch nicht?

  • „Die digitale Markenführung kann nur vom Mensch draußen auf der Straße gemacht werden. Der Konsument selbst ist das größte Tribunal überhaupt. Wer das nicht einsieht, ist verlogen, kapiert nicht, was in der Welt passiert oder hat den Schuss nicht gehört.”, sagt Kassaei. In den Kommentaren, Dr. Oliver Hermes (Berger Baader Hermes): “Marken werden niemals völlig demokratisch sein. Das will auch niemand, schon gar nicht der Konsument. Richtig ist, dass es auch im digitalen Zeitalter immer noch die Unternehmen sind, die über ihre Marken herrschen, aber eben nicht mehr autonom und autokratisch, sondern in systematischer Vernetzung mit dem wehrhaften Konsumenten. Moderne Markenführung heißt ganz simpel: “Netzwerke und herrsche”.

Das muss alles weg. Alles neu. Alles anders. Oder so.

Ein paar recht bekannte Figuren aus der Marketingszene – na gut, aus der US-Marketingszene, und das ist schon ein Unterschied, weil die ein bisschen weiter sind als Old Europa – fragen sich in einer Podiumsdiskussion, wo eigentlich das Problem ist mit den großen Nervensägen, der Werbung, der PR und dem Marketing. Und wie es vielleicht weitergehen könnte.

In sagenhaften acht Video-Fortsetzungsfolgen (oben das erste Video). Hier die Parts zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben und acht.

Mehr Infos dazu es auch hier


Links: “Wir hassen Werbung, alle. Wir hassen PR-Geblubber. Wir hassen diese ganze Scheiße, mit der wir seit unserer Kindheit zugedröhnt wurden.“

  • “In welchem Unternehmen wird noch menschlich kommuniziert? Die meisten Chefs diktieren stramm von oben nach unten. Nicht anders die Kommunikation nach außen. Stellen Sie sich vor, Sie fragen jemanden, welches Auto Sie kaufen sollten. Er antwortet: „Der Opel Astra ist prima“ – und lässt dann einen juristischen Sermon folgen, der gedruckt doppelt so lang ist wie dieser Artikel.” – „Wir (Generation C64, “Generation Upload”, Generation was weiß ich, die mit den Computern halt) sind einfach etwas anders sozialisiert worden. Wir hassen Werbung, alle. Wir hassen PR-Geblubber. Wir hassen diese ganze Scheiße, mit der wir seit unserer Kindheit zugedröhnt wurden.“ Gastbeitrag von Thomas Knüwer bei Achtung.

Wie man Seife verkauft

Eine richtig süße Präsentation: In wenigen Minuten bietet sie einen Schnelldurchlauf durch die Grundfragen des Marketing. Einzig das Fazit holpert: Wer Seife verkaufen will, ist mit viralen Effekten oder Word-of-Mouth-Marketing vielleicht doch nicht so gut beraten wie es in der plakativen Vereinfachung scheint. Das allerdings ist ein abendfüllendes Thema, an dem sich gerade so mancher Marketer (und so manche Spezialagentur) abarbeitet. bleiben Sie dran!


Links: Die fantastischen Vier des Journalismus, Werbung ist auch nicht mehr, was sie mal war

  • “Es gibt vier Faktoren, von denen außergewöhnlicher Journalismus abhängt: Geld, Zeit, Recherche und Stil.” Der Medienwissenschaftler Lutz Hachmeister über das Abschaffen der Journalisten. In einem Interview mit Oliver Gehrs.
  • Die Krise beschleunigt Veränderungen, die ohne vielleicht noch lange nicht aufgefallen wären. Forrester Research hat eine Fünfjahresprognose für Interactive Marketing aufgestellt und kommt ebenfalls zur Einsicht, dass Budgets in den kommenden Jahren massiv weg vom klassischen Geschäft ins Internet verlagert werden. “The result is that digital, which will be about 12% of overall advertising spend in 2009, is likely to grow to about 21% in five years. Along the way overall advertising budgets will decline.”

Links: Vodafone – gut Ding braucht Weile

  • Nico Lumma, bei Scholz & Friends mit verantwortlich für die mediale Verzahnung der neuen Vodafone-Kampagne, stellt auf seinem Blog seine Sicht der heftig diskutierten Kampagne dar. IMHO: Ich halte den Weg, den Scholz & Friends mit Vodafone beschreiten, für den richtigen – und trotz erkennbarer Unzulänglichkeiten für höchst respektabel (Es gibt überhaupt rein gar nichts mehr, was sich nicht sofort kaputt reden oder als sein direktes Gegenteil darstellen ließe, weder in der Werbung noch sonstwo im Leben). Zudem steht kaum zu befürchten, dass einer der Beteiligten auf dem aktuellen Stand stehen bleiben wird. Disclosure: Ich arbeite selbst im Agenturgeschäft und für große Unternehmen und weiß sehr genau, was es bedeutet, eine vernetzte Kampagne durch alle möglichen Instanzen zu pauken. Kulturwandel findet im richtigen Leben eben doch nicht per Federstrich statt oder mit einem einfachen Blogeintrag. Vielleicht ist Geduld ja die am meisten unterschätzte Tugend der Generation Echtzeit.

Links: Die Generation M, Menschen, die Menschen sein wollen und keine Consumer, Vodafone goes Social Media, Andersons Buch “Free” und schöner Scheitern