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“Cloudwriting”: Über einen intellektuellen Klimawandel, der sich vor allem am Schreiben zeigt.

“Was ist das eigentlich – Text im Web? (…) Schreiben im Web hat nichts mehr zu tun mit Büchern, Aufsätzen, mit virtuellem Papier. Das sind Phantome, die wir als Hilfskonstruktionen mitschleifen (…) Eine unabsehbare globale Wolke aus immer kleineren digitalen Textstücken, die immer schneller zirkulieren, durch die Grenzen der indviduellen Bewusstseine hindurch. Ein intellektueller Klimawandel: Der Golfstrom verlagert sich, Gletscher schmelzen, Wüsten breiten sich aus, Katastrophen nehmen zu. Kreaturen werden aus dem gewohnten Lebensraum vertrieben.”

Bemerkenswerter, philosophisch angehauchter Text von Martin Lindner über das sich verändernde Wesen des Schreibens – keineswegs zu verwechseln mit einem technischen Stück über Collaboration in der Cloud.


Links: Geistiges Eigentum, Metaphern, das Bild vom Medienuniversum, die Blogger-Szene und die Agentur der Zukunft

  • Die Unterhaltungsindustrie will intellektuelles Eigentum monopolisieren, die Piraten wollen es vergesellschaften. In beiden Modellen ist der Künstler nebensächlich. (Ausschlaggebend ist das Gefühl, der Kulturindustrie als Konsument zwar willkommen, als Teilnehmer jedoch unerwünscht zu sein) – kleine Einführung in die Ideologie des digitalen Freibeutertums
  • “Sie können sich noch so bemühen, mit Metaphern die Welt zu erklären, Ihre Leser werden immer fragen “Hä?”” (Am Ende doch nur der Beweis von der Machtlosigkeit der Sprache gegenüber der Unendlichkeit des Wahnsinns)
  • u.a. Eine Grafik, die den Wandel der Mediennutzungsschwerpunkte visualisiert. In der vorliegenden Form sicher nicht der Weisheit letzter Schluss – aber mal wieder eine interessante Denkanregung und Diskussionsgrundlage.
    (tags: socialmedia)
  • Untersuchtung der PR-Agenturgruppe Text 100 zur Blogging-Szene. Für Insider keine überraschenden Erkenntnisse, aber zitierfähiges Material, da es auf einer semirepräsentativen Grundgesamtheit basiert. Kernaussagen: 1. Wachsender Einfluss von Bloggern 2. Social Media Releases ersetzen langfirstig Corporate News Releases 3. RSS ist der Schlüssel zu Lesern 4. Die Mehrheit der Blogger macht das nebenberuflich 5. Trotz der Globalisierung existieren massive kulturelle Unterschiede
  • “Es geht nicht darum, in Techniken, Tools und Websites zu investieren, sondern Organisationen müssen sich völlig neu aufstellen.” Dieter Rappold, Geschäftsführer der Agentur knallgrau, in einem Interview der Zeitschrift Bestseller über die sich wandelnde Ökonomie, sich verändernde Kommunikation, Komplexität, Nutzervertrauen und die Rolle der Kommunikationsagentur. Scan als PDF mit drei Seiten

“Durch das systematische Bloggen habe ich den Wert meines Schreibens zerstört.”

Einen Roman zu schreiben, bedeutet, sich Dinge zu notieren und wegzulegen. Irgendwann wachsen sie zu etwas heran, was Literatur wird, was sich ins große Ganze fügt. Wenn man sich aber diese kleinen Geschichten selbst wegnimmt und sie sofort publiziert, weil da dieser Drang ist, die Leser zu füttern – dann sind die Leser irgendwann satt. Das ist wie mit einer Schauspielerin, die in jeder blöden Talkshow rumsitzt, in jeder kleinen Serie mitspielt, bis die Leute sagen: “Ach, diese Lara Maria Schießmichtot schon wieder.”


Aber das macht doch nichts

Am Ende nur der Beweis der Machtlosigkeit der Wörter gegen die Unendlichkeit des Wahnsinns.