Links: Handlungsempfehlung für das Menschbleibenkönnen im Zeitalter der Algorithmisierung der Welt
Frank Schirrmacher am Rande des DLD im Gespräch mit Alexander Kluge. Ebenso eine Entdeckung für mich wie das Vlog von dctp.tv.
Dieser harmlose Link zu carta.info auf das Gespräch der beiden ist möglicherweise einer der wichtigsten der letzten Monate, zumindest in meiner persönlichen Wahrnehmung. Weil es nicht um eine “0 oder 1″-Diskussion geht, sondern um den Versuch, die strukturellen Änderungen hinter dem zu fassen, was sich durch die Digitalisierung der Welt ergibt und den Versuch, daraus eine Handlungsempfehlung für das Menschbleibenkönnen abzuleiten: “Antworten geben auf die neue Welt der Algorithmen durch Erzählen”.
Siehe auch dieses Gespräch mit Alexander Kluge und der Redaktion von freitag.de:
Links: Reißt das Fenster auf – Die Zeiten ändern sich – Nicht alle gehen mit
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Als Googles Browser Chrome Anfang September 2008 in seiner ersten (noch unbefriedigenden) Version vorgestellt wurde, geisterten sofort heftige Expertendiskussionen durchs Netz, ob dies nun das Ende der Betriebssysteme sei. “Netzökonom” Holger Schmidt fasst in wenigen Sätzen zusammen, warum Chrome OS nun nicht nur die Bestätigung dieser These ist, sondern auch auf dem besten Weg, Betriebssystemen alter Machart den Garaus zu machen.
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“Das Zeitalter privatisierten Wissens ist vorbei. Das Zeitalter kapitalisierter Texte ist vorbei. Das Zeitalter des Bildungsadels und des Meinungsklerus ist vorbei. Das Zeitalter der zentralisierten Massenmedien ist vorbei. Das Zeitalter der fremdbestimmten und extrinsichen Bildung und Erziehung ist vorbei. Das Zeitalter des Kulturkanons ist vorbei.” Interessante Gedanken über Google und Bildungsverständnis. Von Benjamin Birkenhage auf seinem Blog anmutunddemut. Dank an @diplix für den Link!
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Frank Schirrmacher, Mitherausgeber der F.A.Z., schreibt im gedruckten Spiegel und nun auch online eine einigermaßen weinerliche Geschichte, die Appetit machen soll auf sein neuestes Buch. Darin beklagt er, dass er der Art zu denken, zu der ihn das Internet zwinge, immer weniger gewachsen sein. Das soll mir kein Anlass sein für Mitleid oder Spott – ganz im Gegenteil. Der interessante Teil des Beitrags liegt in der Erkenntnis, dass die Art und Weise, wie das Gehirn gefordert wird, es permanent beeinflusst und verändert. Schirrmacher tritt zurück und versucht sich an einem nüchternen Blick auf das, was gerade passiert. Ein Artikel, den man am besten zehn Jahre archiviert, um ihn dann hervorzuholen und nochmal zu lesen.
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Die Arbeits- und Konsumgesellschaft kommt an ihre Grenzen, meint Christine Ax (jg. 1953, Philosophin und Ökonomin). Aus ihrer Sicht ist nicht ein Mangel an Bildung die Ursache der Probleme – Information und Wissen würden überbewertet, Persönlichkeitsbildung unterbewertet. Auf lange Sicht produziere dies immer besser qualifizierte Verlierer. Das eigentliche Problem liege im Wachstumsdilemma der Gesellschaft: Zum Wachstum verdammt, obwohl längst jeder weiß, dass dies immer schwerer zu realisieren ist. Christine Ax plädiert für das bedingungslose Gundeinkommen und eine Arbeitsgesellschaft, die nicht mehr nur als Konsumgesellschaft funktionieren darf.
Das ewig Vorläufige
“Beta” ist ein Modebegriff des Web 2.0, und er ist auf dem besten Weg zum programmatischen Schlagwort. Beta ist der Takt, nach dem wir ticken. Alles muss Schlag auf Schlag gehen, Probleme müssen möglichst rasch vom Tisch. Ob sie dann auch wirklich gelöst sind, interessiert erst mal niemanden. Man nimmt Unfertiges in Kauf, um nicht Zweiter zu sein. Aus dem Bewusstsein, dass sowieso alles auf ewig vorläufig ist, “perpetual beta”, wird eine schulterzuckende Akzeptanz des Unfertigen, eine Art Überlebensstrategie für das 21. Jahrhundert. Wenigstens als pragmatischer Ansatz für den Hinterkopf. Nach außen würde keiner je offen eine solche Haltung zugeben – er würde sich sofort dem Vorwurf der Mittelmäßigkeit und Antriebslosigkeit aussetzen.
In der Wirtschaft ist das Problem längst analysiert: Am rentabelsten sind interessanterweise nicht die Unternehmen mit dem größten Perfektions-Anspruch, sondern diejenigen mit der größten Differenz zwischen Verkaufspreis und Herstellungsaufwand. Man muss also entweder sehr teuer sein, um eine gewisse Perfektion zu finanzieren – was nicht jedem gelingen kann – oder Kompromisse bei der Herstellung und Materialqualität in Kauf nehmen. Am besten beides.
Produktzyklen sind so kurz geworden, dass es heute viel wichtiger ist, ein Nachfolgeprodukt auf den Markt zu werfen als die aktuellen Probleme zu lösen. Der unüberbrückbare Unterschied zwischen dem theoretischen Anspruch und seiner offensichtlichen Unerfüllbakeit reißt ein tiefes Loch in das Selbstverständnis: In der Schule, an der Uni, zuhause wird kaum ein anderes Ziel ausgerufen als das unerreichbarer Idealzustände. Man muss das Unmögliche fordern um das Mögliche zu erreichen. Wer nicht in der Lage ist, den offensichtlichen Riss zwischen Anspruch und Wirklichkeit zu reflektieren, gewinnt das Gefühl, von jedermann und permanent belogen zu werden: Alles Mögliche wird permanent gefordert und versprochen – gehalten wird aber kaum etwas. Wie damit umgehen?
“Immer sein Bestes geben”, lautet die lakonische Antwort – die deswegen so unbefriedigend ist, weil es so schwer bzw. unmöglich ist, eine Definition dafür zu finden, was das Beste überhaupt ist. Das Beste, was an diesem Tag, in dieser Stunde, möglich war? Das Beste im Vergleich mit anderen kann es jedenfalls nicht sein. Bekanntlich gibt es keine effektivere Möglichkeit, sich unglücklich zu machen als sich zu vergleichen.
Improvisation ist das wirkliche Leben
Improvisation heißt ja vor allen Dingen auch vereinfachen, um etwas praktisch anwenden zu können.