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	<title>Hartmut Ulrich &#187; Kurzgeschichte</title>
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		<title>Nimmerkonnten</title>
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		<pubDate>Fri, 31 Jul 2009 20:45:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Hartmut</dc:creator>
				<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Liebe]]></category>
		<category><![CDATA[Sinn]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Schönheit der Zahlenkombinationen. Wenn das ein Computer gemacht hat, dann war er Ästhet, dann musste man ihn bewundern. Natürlich hat das ein Computer gemacht. Er fühlte sich seltsam bei der Erkenntnis, die Ästhetik der Zahlenkombinationen körperlich spüren zu können, wo Zahlen ihm sonst wenig bedeuteten. Kunst ist weitgehend Zufall, dachte er, und sie lässt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Schönheit der Zahlenkombinationen. Wenn das ein Computer gemacht hat,  dann war er Ästhet, dann musste man ihn bewundern. Natürlich hat das  ein Computer gemacht. Er fühlte sich seltsam bei der Erkenntnis, die Ästhetik  der Zahlenkombinationen <em>körperlich</em> spüren zu können, wo Zahlen ihm  sonst  wenig bedeuteten. Kunst ist weitgehend Zufall, dachte er, und sie  lässt sowohl den Künstler wie auch den Betrachter im Glauben, da sei etwas mit  Plan und Absicht entstanden. Im Rückblick ist alles linear. Kein besserer Weg, das Leben zu beschreiben. Man muss, wenn man am Ende angelangt ist, nochmal ganz nach vorne blicken, um zu verstehen.</p>
<p><strong>Noch 377 Elemente</strong></p>
<p>Oberstudienrat Greuther wollte gerade sein <em>Moleskine</em> zuklappen, als  ihm plötzlich alles so lächerlich erschien, so wirr und ganz ohne Sinn, dieses  ganze Getue, so affektiert, gekünstelt und aufgesetzt. Kichernd riss er die  Seite aus, zerknüllte sie und warf sie über die Schulter in Richtung Papierkorb.  Wie immer traf er nicht. Es klappte nie. Er warf das Büchlein hinterher, und es  kümmerte ihn nicht, wo es niederfiel. Der Versuch, den Dingen eine Richtung und einen Sinn geben zu wollen, ist in  gleichem Maß ehrenhaft und jämmerlich.</p>
<p><strong>Noch 127 Elemente</strong></p>
<p>Die Stille holte ihn ein und überrollte ihn wie ein Güterzug aus dem Nichts,  er war unfähig auszuweichen. Er hatte kaum je etwas anderers getan als  auszuweichen, und nun holte ihn die Stille ein und konfrontierte ihn mit sich  selbst und das mit solcher Wucht, dass es ihm den Atem nahm. &#8220;Milch&#8221;, dröhnte  ihm der Kopf, &#8220;wir haben keine Milch mehr&#8221;. Du machst ja gar nicht. Du tust nur  (ist das etwa ein Unterschied?).</p>
<p><strong>Noch 75 Elemente</strong></p>
<p>Als sie die Straße betrat, trieb der Wind nasskalte Schneeflocken ins Licht  der Laternen, und es fühlte sich nach Erkältung und Schmerzen an. Sie fröstelte  und lief los. Ihre Absätze klangen in der Dunkelheit, als sei sie der einzige  verbliebene Mensch auf Erden. Schaut man hinter Motivationen, auf das, was Menschen aus  welchem Grund auch immer bewegt, und lässt man dann alles weg, was irgendwie jämmerlich  ist und armselig, was bleibt dann noch übrig? Befehlen folgen, seien sie nun  innerer oder äußerer Natur, Zwängen, Ängsten, Vorurteilen. Determinismus oder wirkliche Freiheit? Langweilt mich nicht mit Euren Theorien. Wie viel wahre Größe  bleibt, wenn man alles abzieht? Nicht 15  Minuten Ruhm sollt ihr haben, nein, 15 Minuten Größe, und diese 15 Minuten  kosten ein ganzes Leben.</p>
<p><strong>Noch 33 Elemente</strong></p>
<p>Es geht um 600.000 Dollar. Doch nur um Geld? Mit Geld kann man keine Liebe  kaufen, Geld ist nur Asche. Narr! Natürlich kann man mit Geld auch Liebe kaufen,  denn Geld ist Zeit, und Zeit bedeutet auch Zeit für Aufmerksamkeit, und  Aufmerksamkeit ist heute  so kostbar wie Liebe. Vielleicht ist Liebe nichts anderes als überdurchschnittliche Aufmerksamkeit. Deine Milchmädchenrechnungen sind  legendär (wieso eigentlich 600.000?).</p>
<p><strong>Noch zwölf Elemente</strong></p>
<p>Zahlen bis zwölf werden ausgeschrieben. Bis zum bitteren Ende. Ist das zu viel oder zu wenig? Licht ist aus, und die Zeit  angehalten.</p>
<p><strong>Noch fünf Elemente</strong></p>
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		<title>Luftfisch</title>
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		<pubDate>Sun, 21 Jun 2009 16:55:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Hartmut</dc:creator>
				<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichte]]></category>

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		<description><![CDATA[sommerhormongesättigte rundherum penner inszenieren sich unter der brücke kackende hunde am wegrand beischlafsimulationsposen lustvoll verschlungen auf der wiese sonntagnachmittaggeblubber dahinwandelnd belanglos augenbrennen vom ultraviolett dreirad kippt, brähää kleine rosa wolke brüllt ein luftfisch, ein dicker schwimmt gemächlich vorbei zuckerwattewolken naschend eiskugelschleckvergnügen ich muss noch ins büro]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>sommerhormongesättigte rundherum<br />
penner inszenieren sich unter der brücke<br />
kackende hunde am wegrand<br />
beischlafsimulationsposen<br />
lustvoll verschlungen auf der wiese</p>
<p>sonntagnachmittaggeblubber<br />
dahinwandelnd belanglos<br />
augenbrennen vom ultraviolett<br />
dreirad kippt, brähää<br />
kleine rosa wolke brüllt</p>
<p>ein luftfisch, ein dicker<br />
schwimmt gemächlich vorbei<br />
zuckerwattewolken naschend<br />
eiskugelschleckvergnügen<br />
ich muss noch ins büro</p>
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		<title>Stehtische beim Schlachter</title>
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		<pubDate>Thu, 18 Jun 2009 22:05:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Hartmut</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Kurzgeschichte]]></category>

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		<description><![CDATA[Nur Stehtische. Der Imbiss, der vor nicht langer Zeit eine Metzgerei gewesen sein muss, verströmt den Charme einer Bahnhofstoilette. Die alte Einrichtung nahezu unverändert. Kacheln und eine lange Theke mit verkratztem Plexiglas und zahlreichen Edelstahlbehältern. Wo früher Fleisch und Wurst lagen, jetzt immer gleiche Salate, die vom Weg alles Irdischen bereits gegen eins zu viel [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Nur Stehtische. Der Imbiss, der vor nicht langer Zeit eine Metzgerei gewesen sein muss, verströmt den Charme einer Bahnhofstoilette. Die alte Einrichtung nahezu unverändert. Kacheln und eine lange Theke mit verkratztem Plexiglas und zahlreichen Edelstahlbehältern. Wo früher Fleisch und Wurst lagen, jetzt immer gleiche Salate, die vom Weg alles Irdischen bereits gegen eins zu viel hinter sich haben. Arbeiter aus der näheren Umgebung, Handwerker in staubigen Sicherheitsschuhen und mörtelbespritzten Blaumännern. Es wird viel renoviert in der Gegend. Das Essen ist einfach und billig, Leberkäs mit Brötchen oder Gulasch mit Nudeln, Kartoffeln, Reis. Seit zehn Jahren zum ersten Mal wieder Krautwickel gegessen. Portionen, von denen auch ein Fliesenleger satt wird. </p>
<p>Jeden Tag am immer gleichen Stehtisch der immer gleiche Mann mit immer gleichem Aussehen. Vertrocknete Figur, schütteres ergrautes Haar, faseriger Oberlippenbart, fahlgraue Gesichtsfarbe und dicke Augengläser. Anfang Mitte Sechzig. Immer halb zwölf bis etwa eins steht er da und umklammert eine Bierflasche. Ob er was arbeitet? Hausordnungs-Überwachungsvereins-Vorsitzender. Alles-am-Fenster-Mitkrieger. Pornovideo-Alleindaheimgucker. Reserviertes leichtes Kopfnicken an den ersten Tagen, später erwartet er mit gespannter Haltung jenes bisschen freundliche Zuwendung, die ihm wohl zu oft versagt blieb im Leben. Er grüßt erfreut zurück, als wäre man ein guter Freund. Ich weiß nichts über ihn. Kartoffelpuffer mit Apfelmus heute. Er würde es wohl kaum gut aufnehmen, wenn ihm einer sagte, dass er auf nichts anderes wartet als auf den Tod.</p>
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		<title>Zurückbleiben bitte!</title>
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		<pubDate>Wed, 17 Jun 2009 22:05:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Hartmut</dc:creator>
				<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichte]]></category>

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		<description><![CDATA[Er war*, wie die meisten seiner Mitmenschen, unfähig zu erkennen, welche Art von Leben ihn glücklicher machen könnte als jenes, das er führte. Die entsetzliche Angst vor einem anderen Leben ließ ihn sich festklammern an diesem, obwohl er fühlte, wie sehr es ihn unglücklich machte. Stillschweigend nahm er an, alle um ihn herum seien um [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Er war*, wie die meisten seiner Mitmenschen, unfähig zu erkennen, welche Art von Leben ihn glücklicher machen könnte als jenes, das er führte. Die entsetzliche Angst vor einem anderen Leben ließ ihn sich festklammern an diesem, obwohl er fühlte, wie sehr es ihn unglücklich machte. Stillschweigend nahm er an, alle um ihn herum seien um ein Vielfaches erfolgreicher und glücklicher als er selbst, unterschied sich aber gerade durch diese Annhame in nichts von ihnen. Wie alle anderen hätte er alles getan, um seine wahren Gefühle zu verbergen.</p>
<p>Sein knappes, durch das Hochziehen der Augenbrauen wie eine Gegenfrage formuliertes „gut“ auf die Frage, wie es ihm gehe, würde erzählen von seinem Wunsch, jemandem sein Herz auszuschütten. Jeder würde wissen, dass die Antwort lautete „im Grunde genommen beschissen, aber das geht dich einen Dreck an!“ Dabei ging es ihm nicht wirklich schlecht. Seine Anpassungsfähigkeit war Segen und Fluch zugleich: Sie ermöglichte ihm das Ausharren in untragbaren Zuständen und macht es ihm durch reine Gewohnheit nach kurzer Zeit unmöglich, sich aus seinem gegenwärtigen Unglück fortzubewegen und hinderte ihn daran, ein zukünftiges vages Glück suchen zu gehen. Hätte ihn nicht die Angst davon abgehalten überall dort zu sein, wo es gut sein könnte, es wäre ihm womöglich aufgefallen, wie wenige tatsächlich privilegiert sind, dass er womöglich selbst einer dieser Privilegierten war.</p>
<p>* Mein Gegenüber in der U-Bahn starrt glasig an mir vorbei ins Leere und erzählt mir seine Geschichte, ohne den Mund geöffnet zu haben. Ein ganzer Zug unter der Erde voller Starrender. Sie wissen es.</p>
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		<title>Black is beautiful</title>
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		<pubDate>Tue, 16 Jun 2009 22:32:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Hartmut</dc:creator>
				<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Beziehung]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Liebe]]></category>

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		<description><![CDATA[Sie betrat den Raum, wir hatten sie zwei Monate nicht gesehen, sie hatte ihren Neuen dabei, stellte ihn jedoch niemandem richtig vor, ließ ihn verschämt hinter sich stehen, als habe sie ihn an der Garderobe abzugeben vergessen wie einen Mantel, als sei er ein Fremdkörper, wozu er in jenem Moment auch buchstäblich wurde, sie ließ [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Sie betrat den Raum, wir hatten sie zwei Monate nicht gesehen, sie hatte ihren Neuen dabei, stellte ihn jedoch niemandem richtig vor, ließ ihn verschämt hinter sich stehen, als habe sie ihn an der Garderobe abzugeben vergessen wie einen Mantel, als sei er ein Fremdkörper, wozu er in jenem Moment auch buchstäblich wurde, sie ließ ihm keine Chance, und alle wussten, sie fickt ihn nur, nicht er sie, eigentlich ist er untragbar für sie, für ihren Anspruch, und alle taten so als bemerkten sie es nicht und schwiegen. Es blieb das einzige Mal.</p>
<p>Zwei Monate später kam sie wieder allein, leicht flackernd der Blick, fragt mich nicht, und alle wussten und fragten nicht, und sie schaute auf ihr Weinglas, redete über das Wetter und trank. Wäre er nicht schwarz gewesen.</p>
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		<title>Frozen B52</title>
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		<pubDate>Mon, 15 Jun 2009 22:03:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Hartmut</dc:creator>
				<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichte]]></category>

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		<description><![CDATA[&#8220;Was willst du tun, wenn du mit dem zweiten Staatsexamen fertig bist?&#8221;, frage ich. &#8220;Eine Cocktailbar aufmachen&#8221;, sagt sie ohne Zögern und mit einer Beiläufigkeit, als sei dies nicht nur eine übliche Laufbahn für junge Anwältinnen, sondern auch eine ganz und gar absehbare Antwort. Vielleicht ist sie das sogar. Plötzlich fühle ich mich unendlich alt.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&#8220;Was willst du tun, wenn du mit dem zweiten Staatsexamen fertig bist?&#8221;, frage ich. &#8220;Eine Cocktailbar aufmachen&#8221;, sagt sie ohne Zögern und mit einer Beiläufigkeit, als sei dies nicht nur eine übliche Laufbahn für junge Anwältinnen, sondern auch eine ganz und gar absehbare Antwort. Vielleicht ist sie das sogar. Plötzlich fühle ich mich unendlich alt.</p>
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		<title>Die Uhr, die keine sein will</title>
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		<pubDate>Sun, 14 Jun 2009 22:02:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Hartmut</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Kurzgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Zeit]]></category>

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		<description><![CDATA[An der Wand zur angrenzenden Wohnung hängt eine alte Uhr, deren Schlagen von nebenan deutlich zu hören ist. Die Uhr muss alt sein, neuere klingen nie so schwer und mahnend. Sie wird immer wieder aufgezogen, ihr Klang durchdringt schon seit einigen Jahren die Mauern. Die Uhr schlägt nie zur vollen Stunde. Nicht einmal  so, dass [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>An der Wand zur angrenzenden Wohnung hängt eine alte Uhr, deren Schlagen von nebenan deutlich zu hören ist. Die Uhr muss alt sein, neuere klingen nie so schwer und mahnend. Sie wird immer wieder aufgezogen, ihr Klang durchdringt schon seit einigen Jahren die Mauern.</p>
<p>Die Uhr schlägt nie zur vollen Stunde. Nicht einmal  so, dass sich durch sie auch nur annähernd auf irgendwelche Uhrzeiten schließen ließe. Die Uhr ist keine, und das mit Hingabe: Zwei Schläge um zwölf nach vier, fünf um zwanzig vor sechs. Heute nacht dreizehn Schläge. Pause für einige Sekunden, so dass der letzte Tong Zeit hatte auszuklingen. Dann noch ein weiteres Mal, als gäbe es noch etwas hinzuzufügen. Vielleicht gibt es die Uhr ja gar nicht, und niemand hört sie außer mir. Was aber will sie mir dann sagen?</p>
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		<title>Fabel-Haft</title>
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		<pubDate>Sat, 13 Jun 2009 22:02:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Hartmut</dc:creator>
				<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Avantgarde]]></category>
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		<category><![CDATA[Ratte]]></category>

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		<description><![CDATA[Komm, erzählen wir uns gegenseitig Geschichten, sagte der Tiger zur Straßenratte. Dass ich nicht lache, sagte die Ratte, das wär’ mir ja ein ungleicher Tausch. Zookätzchen, was hättest du mir zu erzählen? Willst du vom Wärter berichten, der täglich Tigerkacke schaufelt? In einer einzigen Nacht erleb ich mehr im Kanal als du während eines Monats [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Komm, erzählen wir uns gegenseitig Geschichten, sagte der Tiger zur Straßenratte. Dass ich nicht lache, sagte die Ratte, das wär’ mir ja ein ungleicher Tausch. Zookätzchen, was hättest du mir zu erzählen? Willst du vom Wärter berichten, der täglich Tigerkacke schaufelt? In einer einzigen Nacht erleb ich mehr im Kanal als du während eines Monats hinter Stäben, Raubtier, du!</p>
<p>Ja, sagte der Tiger leise, ein Tiger der nicht tötet, das ist wie Zeitgeist ohne Lärm, Jugend ohne Zorn, man ist nur ein armer Clown. Doch deine Freiheit kann nicht meine sein, als Tiger im Abwasser, was wär’ denn das. Wahr, wie wahr, grinste die Ratte, bleib nur wo du bist und überlass den Ratten den Untergrund. Eine Story wär’s aber trotzdem, die Katze im Kanal. Könnte man über die stillstehenden Momente doch  spannender erzählen als über die atemlosen, wenigstens hin und wieder, wollte der Tiger noch anmerken, aber die Ratte war bereits verschwunden.</p>
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		<title>Ihr Gesicht</title>
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		<pubDate>Thu, 11 Jun 2009 22:17:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Hartmut</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Kurzgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Liebe]]></category>

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		<description><![CDATA[Für einen kurzen Moment nur, für den Bruchteil einer Sekunde, zeigte sie ihr Gesicht, und er erschrak. Er hatte es nicht sehen wollen und war zugleich unfähig, nicht hinzusehen. Unter keinen Umständen hatte er ihr Gesicht sehen wollen, er hatte weiter das Abbild behalten wollen, das nur in seinem Kopf existierte. Er hatte sich weiter [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Für einen kurzen Moment nur, für den Bruchteil einer Sekunde, zeigte sie ihr Gesicht, und er erschrak. Er hatte es nicht sehen wollen und war zugleich unfähig, nicht hinzusehen. Unter keinen Umständen hatte er ihr Gesicht sehen wollen, er hatte weiter das Abbild behalten wollen, das nur in seinem Kopf existierte. Er hatte sich weiter vorstellen wollen, was sie hätte sein können. Nun, da ihm die Wirklichkeit jenes Urbild verweigerte, das noch jede Möglichkeit enthielt, da sie ihm lediglich eine Kopie zeigte, eine einzige von unendlich vielen möglichen, nahm sie ihm im Bruchteil einer Sekunde jede Hoffnung. Ich bin gleich wieder da, sagte er, drehte sich und ging, erst langsam, dann immer schneller. Er würde nicht wiederkommen.</p>
]]></content:encoded>
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		<title>Komm mir bloß nicht mit quo vadis</title>
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		<pubDate>Mon, 08 Jun 2009 22:03:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Hartmut</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Freiheit]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Wirklichkeit]]></category>
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		<description><![CDATA[&#8220;Erklär mir, wie alles zusammenhängt.&#8221; &#8220;Oberflächlich betrachtet gibt es nichts Wichtigeres, als immer die kürzeste Verbindung zu gehen. Alle wollen das von dir: Geh direkt, trödel nicht, sei effizient. Mancher bewegt sich sein Leben lang so. Es kommt auch nicht unbedingt darauf an, dass du tust, was andere von dir verlangen. Denn es gibt noch [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&#8220;Erklär mir, wie alles zusammenhängt.&#8221; &#8220;Oberflächlich betrachtet gibt es nichts Wichtigeres, als immer die kürzeste Verbindung zu gehen. Alle wollen das von dir: Geh direkt, trödel nicht, sei effizient. Mancher bewegt sich sein Leben lang so. Es kommt auch nicht unbedingt darauf an, dass du tust, was andere von dir verlangen. Denn es gibt noch einen anderen Weg. Der ändert ständig seine Richtung und scheint lange nirgendwo hin zu führen. Er ist viel weiter, unklarer, unsicherer und mühsamer als der direkte Weg. Aber er öffnet neue Perspektiven. Er führt unter die Oberfläche. Er öffnet die Augen.&#8221; &#8220;Dann ist dieser Weg also der bessere?&#8221; &#8220;Das weiß ich nicht. Auf diesem Weg kann nicht jeder glücklich werden. Er ist oft kaum zu ertragen.&#8221; &#8220;Wie heißt denn der Weg?&#8221; &#8220;Freiheit.&#8221;</p>
]]></content:encoded>
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		<title>Flaschengrüntrunken (Siebensonnensatz)</title>
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		<pubDate>Mon, 08 Jun 2009 05:04:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Hartmut</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Hoffnung]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Licht]]></category>

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		<description><![CDATA[Noch während der Tag sich nicht recht entschieden hat, ob er überhaupt anbrechen soll, sucht sich die Sonne nach viel zu langem Regen eine schräg einfallende Bahn in die ansonsten noch völlig dunkle Wohnung und erhellt die Kochnische samt der dort abgestellten Gegenstände auf eine Weise, die für einen kurzen Moment das sanfte, nicht begründbare [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Noch während der Tag sich nicht recht entschieden hat, ob er überhaupt anbrechen soll, sucht sich die Sonne nach viel zu langem Regen eine schräg einfallende Bahn in die ansonsten noch völlig dunkle Wohnung und erhellt die Kochnische samt der dort abgestellten Gegenstände auf eine Weise, die für einen kurzen Moment das sanfte, nicht begründbare Gefühl weckt, es könne sich möglicherweise doch alles zum Guten wenden.</p>
]]></content:encoded>
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		<title>Anschwellender Beck&#8217;s-Gesang (Botho geht auf&#8217;n Bier)</title>
		<link>http://www.hartmutulrich.de/2009/06/anschwellender-becks-gesang-botho-geht-aufn-bier/</link>
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		<pubDate>Sat, 06 Jun 2009 22:02:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Hartmut</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Intellektuell]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichte]]></category>

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		<description><![CDATA[Zwei Männer treffen sich in einer Bar auf ein Bier. Der eine Typ verzweifelter Intellektueller, der andere mehr abgeklärter Prolet. Kurzgeschichte vom grandios aneinander vorbei Reden.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&#8220;Die Schande der modernen Welt ist nicht die Fülle ihrer Tragödien, darin unterscheidet sie sich kaum von früheren Welten, sondern allein das unerhörte Moderieren, das unmenschliche Abmäßigen der Tragödien in der Vermittlung.&#8221; &#8220;Klar Mann. Jeder hat mal Probleme mit seiner Alten. Siehst  ja echt mitgenommen aus, Alter. Noch&#8217;n Bier?&#8221;</p>
<p>&#8220;Die ganze Veränderung liegt im Grunde darin, dass die Werbung, mit der das Unwesentliche für sich zu interessieren sucht, so bedeutende Fortschritte an Raffinement und Plazierung gemacht hat.&#8221; &#8220;Hier ham wir ja Premiere. Scheiß Werbung, braucht doch kein Mensch.&#8221;</p>
<p>&#8220;Wenn man nur aufhörte, von &#8216;Kultur&#8217; zu sprechen und endlich kategorisch unterschiede, was die Massen bei Laune hält, von dem, was den Versprengten (die nicht einmal eine Gemeinschaft bilden) gehört, und dass beides voneinander durch den einfachen Begriff der Kloake, des TV-Kanals für immer getrennt ist.&#8221; &#8220;Ne Alter, Premiere hamwer nur vorne. Nich auf Klo. Musste halt inne Spielpausen zum Strullern!&#8221;</p>
<p>&#8220;Das  Weltschaugewerbe wirkt auf einmal wie ein verstaubter Zirkus, hat auf einen Schlag alle suggestive, realitätszersplitternde Macht verloren. Die in den Kästen werben und werben noch, geradezu mit todesängstlicher Anstrengung &#8211; doch das Publikum lächelt unerbittlich und milde zugleich: es glaubt einen anderen Glauben.&#8221; &#8220;Kla Mann, die ollen Kästen sind ja auch total out. Ich glaub, sone Großleinwand wie die hier is das Geilste, wasde derzeit haben kanns.&#8221;</p>
<p>&#8220;Das Regime der telekratischen Öffentlichkeit ist die unblutigste Gewaltherrschaft und zugleich der umfassendste Totalitarismus der Geschichte. Es braucht keine Köpfe rollen zu lassen, es macht sie überflüssig. Es kennt keine Untertanen und keine Feinde. Es kennt nur Mitwirkende, Systemkonforme.&#8221; &#8220;Haltma die Klappe jez und trink dein Bier. Gleich geht&#8217;s in die Verlängerung.&#8221;</p>
]]></content:encoded>
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		<title>Den Müll rausbringen</title>
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		<pubDate>Fri, 05 Jun 2009 22:43:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Hartmut</dc:creator>
				<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Denken]]></category>
		<category><![CDATA[Dialog]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Vernunft]]></category>
		<category><![CDATA[Wirklichkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Zukunft]]></category>

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		<description><![CDATA[&#8220;Mein Lieber, es geht nicht darum, etwas Verrücktes zu denken. Nicht etwa ein verstiegener Gedanke ist ein guter &#8211; ein guter Gedanke holt uns aus der alltäglichen Verstiegenheit zurück. Wir müssen wieder zurückfinden zu einer elementaren Vernunft.&#8221; &#8220;Ach was! Durch vernünftiges Denken allein entsteht nichts Neues. Neue Lösungen finden sich meist im Paradoxen, im Nonlinearen, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&#8220;Mein Lieber, es geht nicht darum, etwas Verrücktes zu denken. Nicht etwa ein verstiegener Gedanke ist ein guter &#8211; ein guter Gedanke holt uns aus der alltäglichen Verstiegenheit zurück. Wir müssen wieder zurückfinden zu einer elementaren Vernunft.&#8221;</p>
<p>&#8220;Ach was! Durch vernünftiges Denken allein entsteht nichts Neues. Neue Lösungen finden sich meist im Paradoxen, im Nonlinearen, im Unlogischen, ja Unmöglichen. Sie kommen von Rebellen, von den Frechen, die keine Lust haben zu warten, bis sie dran sind. Eigenwillig sein ist die Königsdisziplin der Zukunft!&#8221;</p>
<p>&#8220;Ach ja? Ich gebe zu, ein Künstler, der seine Besessenheit beherrscht, kann Großes schaffen, doch wie vielen gelingt das schon? Die Welt wimmelt von Gescheiterten, die sich für Rebellen halten, jedoch nichts weiter sind als arme Schweine, weil sie sich aufreiben an ihrem eigenen Anspruch, und niemand interessiert sich für ihr Mittelmaß. Das ist doch symptomatisch für unsere Generation, dass sich jeder Einzelne für außergewöhnlich hält, dass die Pose längst selbst zur Uniform geworden ist. Nicht Eigenwilligkeit ist die Königsdisziplin der Zukunft, sondern Demut: Anerkennen können, dass Andere mindestens so gut sind, dass es besser ist, sich eine Rolle in der neuen Gemeinsamkeit zu suchen, die sich durch Technologien wie das Social Web bereits abzeichnet.&#8221;</p>
<p>&#8220;Na, ihr beiden Spinner, wer von Euch möchte den Müll rausbringen?&#8221;</p>
]]></content:encoded>
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		<title>Am Abend</title>
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		<pubDate>Thu, 04 Jun 2009 23:24:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Hartmut</dc:creator>
				<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichte]]></category>

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		<description><![CDATA[bewundert hatten wir sie als wir da standen, tranken und rauchten ihre stille schönheit und eleganz ihre aufrechte haltung, ungebrochen doch dann war sie weg, einfach so lautlos verschwunden ins dunkel übers geländer gestürzt aufs pflaster fünf stockwerke tief eine unachtsamkeit vielleicht, ein dummes versehen niemand bemerkte ihr fallen keiner eilte zu hilfe sie lag [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>bewundert hatten wir sie<br />
als wir da standen, tranken und rauchten<br />
ihre stille schönheit und eleganz<br />
ihre aufrechte haltung, ungebrochen<br />
doch dann war sie weg, einfach so<br />
lautlos verschwunden ins dunkel<br />
übers geländer gestürzt aufs pflaster<br />
fünf stockwerke tief<br />
eine unachtsamkeit vielleicht,<br />
ein dummes versehen<br />
niemand bemerkte ihr fallen<br />
keiner eilte zu hilfe<br />
sie lag die ganze nacht im hof<br />
unbemerkt<br />
wir fanden sie erst am morgen<br />
die schöne blasse blume</p>
]]></content:encoded>
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		<title>Das Glas</title>
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		<pubDate>Thu, 04 Jun 2009 14:51:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Hartmut</dc:creator>
				<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Beziehung]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichte]]></category>

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		<description><![CDATA[Als das Glas kippte und seinen Inhalt quer über den Tisch auf ihren Bauch und die Hose ergoss, überging sie das Ereignis, als sei nichts geschehen. Sie würde den Rest des Abends durchnässt in einer Wolke von feuchtem Alkoholdunst sitzen, und ihre helle Hose war ziemlich sicher ruiniert. Sie aber tat als sei nichts, wischte kommentarlos mit einigen Servietten die Lache vom Tisch und setzte ruhig ihre Unterhaltung fort. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als das Glas kippte und seinen Inhalt quer über den Tisch auf ihren Bauch und die Hose ergoss, überging sie das Ereignis, als sei nichts geschehen. Sie würde den Rest des Abends durchnässt in einer Wolke von feuchtem Alkoholdunst sitzen, und ihre helle Hose war ziemlich sicher ruiniert. Sie aber tat als sei nichts, wischte kommentarlos mit einigen Servietten die Lache vom Tisch und setzte ruhig ihre Unterhaltung fort.</p>
<p>Noch während das Glas fiel, in jenem kristallklaren Moment, in dem die Dinge sich wie in Zeitlupe zu bewegen scheinen, hatte er registriert, wie sich ihr Gesicht veränderte. Aus einem reflexhaftem Erschrecken heraus reduzierte es sich zu jener ausdruckslos-ergebenen Maske, die das Unvermeidliche als unvermeidlich erkennt und bereits akzeptiert hat.</p>
<p>Er hasste sie. Er hasste sie für ihre Beherrschtheit, von der er annahm, sie sei aufgesetzt. Jeder hätte sich aufgeregt. Er hasste sie für ihre Emotionsarmut und dafür, dass sie ihre Toleranz für seine Fahrigkeit so penetrant zelebrierte als sei er ein dummes Kleinkind. Für einen kurzen Moment wollte er sie anschreien, tat es aber nicht und bestellte nur ein neues Glas.</p>
]]></content:encoded>
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