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“Es entsteht eine neue Form von Intelligenz”


Ulrike Reinhard (auf deren Projekt “Conversations at the beginning of a new time” ich hier hinweisen möchte) hat den Hirnforscher und Unternehmensberater Peter Kruse zum Internet befragt. Kruse, dessen Videos ein (bislang noch erstaunlich kleiner) Kreis Interessierter schon länger über Youtube verfolgt, spricht diesmal über die Frage, was die Intelligenz eines Gehirn ausmacht (die Fähigkeit zur Aufmerksamkeit, zur Vernetzug und zur Bewertung), ob sich diese Definition auf das übertragen lässt, was im Netz passiert, was von diesen Eigenschaften bereits heute realisiert ist und was nicht – worin also die zentralen Herausforderungen für die Zukunft liegen. Kruse versucht sich an einer Beschreibung dieser neuen kollektiven Intelligenz (die er “Intelligenz zweiter Ordnung” nennt, und die er für etwas deutlich anderes hält als Schwarmintelligenz). Er spricht über Aufmerksamkeit im Netz und über die Resonanzwirkungen des Internet auf die Offline-Welt. Eigentlich ein abendfüllender Themenkreis – in der vorliegenden Form aber dennoch ein hochanregendes Stück. Gefunden bei Leander Wattig.


Links: Zeit bedeutet im Internet für jeden etwas anderes

  • David Gelernter, kluger Gegenpart von Frank Schirrmacher auf dem vergangenen DLD, tritt in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung künftig als Kolumnist auf – sein erstes Stück dreht sich um die Frage der Zeitwahrnehmung im Internet: “Im Netz von morgen ist nicht mehr der Raum das ordnende Prinzip, sondern die Zeit.” Die persönliche Komponente besteht darin, wie man seinen persönlichen “Lifestream” organisiert – aus welchen Daten er besteht und wie schnell er fließt – das Internet gibt jedem seinen persönlichen Lebensstrom, der sich von allen anderen unterscheidet. Dass allerdings jeder, der etwas zu sagen hat, immer gleich ein Manifest verfassen muss, finde ich mittlerweile ein bisschen skurril. Also gut: Noch ein Manifest. Aber ein interessantes.

Links: Schon wieder dieses Internet. Das wird ja echt anstrengend, langsam.

  • Jürgen Kuri, Altmeister und stellvertretender Chefredakteur der IT-Großinstanz “c’t” aus Hannover verlässt sein angestammtes Terrain und spricht über den Gedanken der Aufklärung in Zeiten des Internet, über Freiheit und Kontrollverlust , über Selbstbestimmtheit und den Glauben an einen Maschinengott. Da geht es also um alles. Es gab Zeiten, da hätten Philosophen milde über Typen gelächelt, denen es um alles ging. Weil es da Jahrzehntelang nichts mehr zu sagen gab. Das Nachdenken über das Sein galt als tot, als sinnlos. Täuscht es mich, oder startet diese Diskussion nun neu, noch leise – aber mit immer mehr Stimmen?
  • Ah. Endlich erklärt mal einer das Internet. Mit Video. Mit Infografiken. Sogar mit Infografiken im Video! Und mit ein bisschen Ironie. Das finde ich besonders gut. Die bookmarke ich mal, die Kontextschmiede von Jakob Jochmann aus Düsseldorf.

Links: Zeiten des Informationsüberflusses brauchen einen anderen Journalismus als Zeiten des Informationsmangels

  • Keine neue Diskussion, die Stefan Niggemeier führt. Keine neuen Erkenntnisse für jeden, der seinen Job als Medienschaffender tatsächlich ernst nimmt und auch das Internet als Medium. Aber eine Menge Gedanken, die man einfach nicht oft genug wiederholen kann.

Links: Trinken aus dem Feuerwehrschlauch ohne zu platzen


Links: Zu viele Details nerven ebenso wie zu wenige

  • Eine ebenso interessante wie amüsante Ergänzung zum Schirrmacher-Stück auf Thomas Knüwers Blog “Indiskretion Ehrensache” (der Herr Schirrmacher dürfte vermutlich nicht ganz so amüsiert sein). Zusätzliche Standpunkte wie diese sind es, die das von Schirrmacher so argwöhnisch bedachte Internet den Erzeugnissen seines Verlagshauses enteilen lassen – ganz gleich wie sorgfältig, schlampig oder tendenziös der Herr nun gearbeitet haben mag. Hoffentlich gerät den Herren der eigentlich Kern der Diskussion nicht aus dem Blick.
  • Während die Kulturpessimisten “ich komme nicht mehr mit” rufen, entgegnen ihnen die Fanboys: Alles nur eine Frage des Informationsmanagements. Sehenswertes Video mit Clay Shirky. via blogpiloten.de

Links: Ist der Traum von der Netzfreiheit wirklich nur eine kleine temporäre Utopie?

  • Frank Schirrmacher, Mitherausgeber der F.A.Z. und mit seinem Buch “Payback” als kulturpessimistischer Maschinenkritiker gerade erst aus den Schlagzeilen, setzt sich mit dem auseinander, was Apples iPad jenseits seiner mittelmäßigen Hardware konzeptionell bedeutet. Man muss Schirrmacher nicht in allen Punkten Recht geben, aber seine Gedanken sind absolut bedenkenswert: Einerseits reduziere das iPad zwar Komplexität in beachtlichem Maß und erschließe dadurch das Netz erst für eine breite Masse, andererseits werde der Computer dadurch zu einer dämlichen Fernbedienung und die Kreativität und Freiheit des Einzelnen in dramatischer Weise beschnitten. Die Kultur des App-Stores verändere die Kultur des Netzes auf eine Art und Weise, die den meisten Apple-Jüngern überhaupt noch nicht klar sei: Die fazinierende Idee der Freiheit des Netzes gehe schlagartig verloren zugunsten einer Kontrolle durch wenige (Apple, Google, etc.).

“Die ganze bezahlte Überredung sollte zur Disposition stehen” – Jaron Lanier über Informationskultur und Werbung

Jaron Lanier ist immer wieder gut für eine streitbare Gegenposition innerhalb der jeweiligen Phase digitaler Euphorie. Dabei gehört er selbst zu den wirklichen Pionieren, hat den Ausdruck “virtuelle Realität” geprägt und sich intensiv mit künstlicher Intelligenz befasst. Jetzt schlägt er kritische Töne zur Freiheit der Information an. “Wenn man wissen will, worum sich eine Gesellschaft wirklich dreht, sollte man der Spur des Geldes folgen. Wenn das Geld in die Werbung fließt und nicht zu Musikern, Journalisten und Künstlern, dann befasst sich eine Gesellschaft mehr mit Manipulation als mit Wahrheit oder Schönheit. (…) Die Grundidee dieser Gesellschaft besteht darin, dass Autoren Journalisten, Musiker und Künstler ermutigt werden, die Früchte ihrer Phantasie und ihres Intellekts als Fragmente zu verstehen, die sie ohne Bezahlung dem Schwarmgeist überlassen“. Lesens- und bedenkenswertes Stück aus der F.A.S. – aber Vorsicht: lang!


Zwanzig Zehn – Lorenz Lorenz-Meyer resümmiert sein “verlorenes Jahrzent”


Einfach mal laufen lassen

Als ob es nicht irgendwie schon klar wäre: “Ich komme nicht mehr mit“, ist nichts weiter als eine nicht ganz angemessene Sicht auf die Dinge, weil sie aus der Gegenwart heraus formuliert wurde, und die eignet sich nur ansatzweise dazu, verständlich zu machen, warum bald vieles selbstverständlich sein wird. Weil es dann einfach da ist, uns umgibt und einfach so funktioniert. Wie beispielsweise die Natur:

Trillions from MAYAnMAYA on Vimeo.

via Netzpolitik