Nur im Original atemberaubend (5)

Den spektakulärsten Blick auf den Glaciar Grey gibt es an der Abbruchkante aus dem Boot (Torres del Paine, Chile)
Vom Refugio am Lago Pehoe marschiert man einige Stunden gegen den strammen Gegenwind an, der vom Glaciar Grey heranfegt; im böigen eiskalten Wind ist es so gut wie unmöglich, die Kamera ruhig zu halten. Immer wieder vernebelt der Wind die Hänge mit feinen Eiskristallen, und das Wetter wechselt innerhalb weniger Minuten zwischen kurzen Abschnitten mit blauem Himmel und finsteren Schneewolken. Es ist Anfang Sommer. Mehr Bilder vom größten zusammenhängenden Gletschergebiet der Welt (nur die Antarktis hat mehr) gibt es übrigens hier.
Nur im Original atemberaubend (3)
An den Flanken des Hielo Sur, dem südlichen Eisfeld der Anden, schneit es so häufig und so stark, das die gewaltigen Gletscher unterhalb dieser Berge nicht schrumpfen wie sonst überall auf der Welt, sondern wachsen. Allerdings sind auch sie nicht vom Klimawandel verschont: Durch die Erwärnung hat die Fließgeschwindigkeit noch einmal deutlich zugenommen. Die Gletscher der südlichen Anden in Patagonien gehören zu den am schnellsten fließenden der Welt – über zwei Meter am Tag.
Die Nachrichtenlage
Am Anfang scheint alles wichtig und erwähnenswert und unverzichtbar, so lange, bis einem zum Schluss kaum noch etwas wirklich wichtig vorkommt. Schade, dass diejenigen, die einem etwas zu sagen hätten, schon um so viel stiller geworden sind als jene, die laut sein müssen.
Fünf Minuten nur der Wind
Seltsam, dass der Blick vom Gipfel etwas vollkommen anderes ist, wenn keine Bahn dorthin führt. Als ob eine Horde Turnschuhtouristen etwas anderes wäre als ein Dutzend Alpinisten, die sich ums Gipfelkreuz drängeln, jeder für sich in die Ferne blickend, so als seien die Anderen nicht da. Die Seilbahnfahrer sind sich alle gleich darin, dass sie nichts geleistet haben, die Besteiger neiden sich die Tatsache, dass auch alle anderen zeitgleich genau so gut waren und zum absolut gleichen Höhepunkt gefunden haben. An diesem Tag waren wir allein. Es war wohl zu kalt, zu windig und auch ein bisschen zu spät. Still war es aber nicht. Der Wind piff sein eisiges Liedchen, und Eiskristalle prasselten über den Schnee wie Sand in der Sahara. Wenn man einfach hätte liegen bleiben können. Nach wenigen Minuten wurde es uns zu kalt. Vielleicht ist das überhaupt das Schönste am Berg: Dass man oben genau weiß, dass es höher nicht mehr geht, und dass man ebenso gewiss sein kann, dass dann der Abstieg folgt – und wie lange er dauert.








