Links: Zeit bedeutet im Internet für jeden etwas anderes
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David Gelernter, kluger Gegenpart von Frank Schirrmacher auf dem vergangenen DLD, tritt in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung künftig als Kolumnist auf – sein erstes Stück dreht sich um die Frage der Zeitwahrnehmung im Internet: “Im Netz von morgen ist nicht mehr der Raum das ordnende Prinzip, sondern die Zeit.” Die persönliche Komponente besteht darin, wie man seinen persönlichen “Lifestream” organisiert – aus welchen Daten er besteht und wie schnell er fließt – das Internet gibt jedem seinen persönlichen Lebensstrom, der sich von allen anderen unterscheidet. Dass allerdings jeder, der etwas zu sagen hat, immer gleich ein Manifest verfassen muss, finde ich mittlerweile ein bisschen skurril. Also gut: Noch ein Manifest. Aber ein interessantes.
“Cloudwriting”: Über einen intellektuellen Klimawandel, der sich vor allem am Schreiben zeigt.
“Was ist das eigentlich – Text im Web? (…) Schreiben im Web hat nichts mehr zu tun mit Büchern, Aufsätzen, mit virtuellem Papier. Das sind Phantome, die wir als Hilfskonstruktionen mitschleifen (…) Eine unabsehbare globale Wolke aus immer kleineren digitalen Textstücken, die immer schneller zirkulieren, durch die Grenzen der indviduellen Bewusstseine hindurch. Ein intellektueller Klimawandel: Der Golfstrom verlagert sich, Gletscher schmelzen, Wüsten breiten sich aus, Katastrophen nehmen zu. Kreaturen werden aus dem gewohnten Lebensraum vertrieben.”
Bemerkenswerter, philosophisch angehauchter Text von Martin Lindner über das sich verändernde Wesen des Schreibens – keineswegs zu verwechseln mit einem technischen Stück über Collaboration in der Cloud.
Links: Die vier Musketiere des Medienmix – Paid, Owned, Earned und Curated Media
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Marken nutzen Medien auf unterschiedliche Weise, und daraus leiten sich die unterschiedlichen Arten der Markenkommunikation mit ab. Martin Ötting von trnd hat mal vier Medientypen formuliert, die er als Paid, Curated, Owned and Earned Media bezeichnet. Das Interessante daran ist, dass diese Differenzierung so gut wie noch nirgends stattfindet – geschweige denn, dass Unternehmen ihr Engagement entsprechend gewichten.
Links: Zeiten des Informationsüberflusses brauchen einen anderen Journalismus als Zeiten des Informationsmangels
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Keine neue Diskussion, die Stefan Niggemeier führt. Keine neuen Erkenntnisse für jeden, der seinen Job als Medienschaffender tatsächlich ernst nimmt und auch das Internet als Medium. Aber eine Menge Gedanken, die man einfach nicht oft genug wiederholen kann.
Links: Handlungsempfehlung für das Menschbleibenkönnen im Zeitalter der Algorithmisierung der Welt
Frank Schirrmacher am Rande des DLD im Gespräch mit Alexander Kluge. Ebenso eine Entdeckung für mich wie das Vlog von dctp.tv.
Dieser harmlose Link zu carta.info auf das Gespräch der beiden ist möglicherweise einer der wichtigsten der letzten Monate, zumindest in meiner persönlichen Wahrnehmung. Weil es nicht um eine “0 oder 1″-Diskussion geht, sondern um den Versuch, die strukturellen Änderungen hinter dem zu fassen, was sich durch die Digitalisierung der Welt ergibt und den Versuch, daraus eine Handlungsempfehlung für das Menschbleibenkönnen abzuleiten: “Antworten geben auf die neue Welt der Algorithmen durch Erzählen”.
Siehe auch dieses Gespräch mit Alexander Kluge und der Redaktion von freitag.de:
Links: Zwei Aspekte zum Wandel der Kommunikationskultur
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Jeff Jarvis muss man dafür bewundern wie er es geschafft hat, in den wenigen Tagen des DLD so viele Interviews zu geben, dass sich sein Kerngedanke quer durch die Blogospähre streut – ohne sich dabei allzu sehr zu wiederholen. Aktuell: Auf dem media-digital-Blog von Ulrike Langer.
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“Lernt erst mal diskutieren” ist eine oft zitierte Forderung in der öffentlichen Online-Kommunikation. Sie taucht immer dann auf, wenn es mal wieder beschämende Beispiele von “Dialog” im Netz gibt, die beweisen, dass die ach so aufgeklärte Netzgemeinde offenbar nicht die einfachsten Regeln des Anstands beherrscht. Oder sie bewusst beiseite schiebt, um mal richtig Dampf abzulassen. Einerseits Offenheit ja – aber was, wenn die Spielregeln regelmäßig einseitig missachtet werden, und statt Diskussionen nur hassgeladene Schlammschlachten entstehen? Fragt Martin Weigert auf netzwertig.com.
Links: Ist der Traum von der Netzfreiheit wirklich nur eine kleine temporäre Utopie?
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Frank Schirrmacher, Mitherausgeber der F.A.Z. und mit seinem Buch “Payback” als kulturpessimistischer Maschinenkritiker gerade erst aus den Schlagzeilen, setzt sich mit dem auseinander, was Apples iPad jenseits seiner mittelmäßigen Hardware konzeptionell bedeutet. Man muss Schirrmacher nicht in allen Punkten Recht geben, aber seine Gedanken sind absolut bedenkenswert: Einerseits reduziere das iPad zwar Komplexität in beachtlichem Maß und erschließe dadurch das Netz erst für eine breite Masse, andererseits werde der Computer dadurch zu einer dämlichen Fernbedienung und die Kreativität und Freiheit des Einzelnen in dramatischer Weise beschnitten. Die Kultur des App-Stores verändere die Kultur des Netzes auf eine Art und Weise, die den meisten Apple-Jüngern überhaupt noch nicht klar sei: Die fazinierende Idee der Freiheit des Netzes gehe schlagartig verloren zugunsten einer Kontrolle durch wenige (Apple, Google, etc.).
“Die ganze bezahlte Überredung sollte zur Disposition stehen” – Jaron Lanier über Informationskultur und Werbung
Jaron Lanier ist immer wieder gut für eine streitbare Gegenposition innerhalb der jeweiligen Phase digitaler Euphorie. Dabei gehört er selbst zu den wirklichen Pionieren, hat den Ausdruck “virtuelle Realität” geprägt und sich intensiv mit künstlicher Intelligenz befasst. Jetzt schlägt er kritische Töne zur Freiheit der Information an. “Wenn man wissen will, worum sich eine Gesellschaft wirklich dreht, sollte man der Spur des Geldes folgen. Wenn das Geld in die Werbung fließt und nicht zu Musikern, Journalisten und Künstlern, dann befasst sich eine Gesellschaft mehr mit Manipulation als mit Wahrheit oder Schönheit. (…) Die Grundidee dieser Gesellschaft besteht darin, dass Autoren Journalisten, Musiker und Künstler ermutigt werden, die Früchte ihrer Phantasie und ihres Intellekts als Fragmente zu verstehen, die sie ohne Bezahlung dem Schwarmgeist überlassen“. Lesens- und bedenkenswertes Stück aus der F.A.S. – aber Vorsicht: lang!