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Fünf Minuten nur der Wind

Im Leben nicht immer so klar: Wenn du oben bist, geht es erst mal wieder bergab

Im Leben nicht immer so klar: Wenn du oben bist, geht es erst mal wieder bergab

Seltsam, dass der Blick vom Gipfel etwas vollkommen anderes ist, wenn keine Bahn dorthin führt. Als ob eine Horde Turnschuhtouristen etwas anderes wäre als ein Dutzend Alpinisten, die sich ums Gipfelkreuz drängeln, jeder für sich in die Ferne blickend, so als seien die Anderen nicht da. Die Seilbahnfahrer sind sich alle gleich darin, dass sie nichts geleistet haben, die Besteiger neiden sich die Tatsache, dass auch alle anderen zeitgleich genau so gut waren und zum absolut gleichen Höhepunkt gefunden haben. An diesem Tag waren wir allein. Es war wohl zu kalt, zu windig und auch ein bisschen zu spät. Still war es aber nicht. Der Wind piff sein eisiges Liedchen, und Eiskristalle prasselten über den Schnee wie Sand in der Sahara. Wenn man einfach hätte liegen bleiben können. Nach wenigen Minuten wurde es uns zu kalt. Vielleicht ist das überhaupt das Schönste am Berg: Dass man oben genau weiß, dass es höher nicht mehr geht, und dass man ebenso gewiss sein kann, dass dann der Abstieg folgt – und wie lange er dauert.

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