
In Zeiten des Klimawandels ist ein harter Winter nicht einfach Wetter, sondern ein irritierendes Ereignis von eigener Qualität
Im Inuktitut, der Sprache der Inuit, gäbe es mindestens ein Dutzend Wörter für Schnee, in Grönland gar über hundert, doziert er in die gleißende Wintersonne. Hat wohl gerade “Fräulein Smillas Gespür für Schnee” gelesen oder eine Ausgabe der New York Times von 1988. Frischer Pulverschnee habe ebenso ein eigenes Wort wie weicher Schnee unter einer Harschdecke, Wörter für festgetretenen Schnee gäbe es, für sulzigen Schnee oder für nassen, für Eisgraupeln und für jungen Schnee. Die eisige Umwelt habe ihre Sprache geprägt, sagt er, und daher habe niemand sonst auf der Welt so lebendige Ausdrücke für Schnee wie die Eskimos.
Ich kneife die Augen ein wenig zu, blinzle in die Sonne und denke daran, dass niemand sonst auf der Welt so abstruse Wortkreationen für immer gleiches Backwerk erfindet wie die Bäcker in München, und ob das wohl auch an der Umwelt liegt. Und warum sie immer persönlich beleidigt sind, wenn man sich weigert, ein “Kraftikus” zu verlangen oder eine “Pfisterer Sonne” und störrisch auf “das Brot da oben links” zeigt. Und ob das bei den Inuit nicht so ähnlich ist. Ich sage aber nichts. Denn auch bei den Inuit gibt es nicht so viele Wörter für Schnee wie angenommen, das ist mittlerweile erwiesen. Die Diskussion wäre mir aber viel zu kleinkariert und zu unromantisch. Wann hatten wir schließlich das letzte Mal solchen Schnee?