Schöne Stimme kalt (balance disorder)

Am Telefon spricht sie von Dingen, die getan werden müssen. Sachlich, korrekt, dienstlich. Sie will sie weg haben, vergessen können, abhaken, schnell, schmerzlos. Kein Feuer, keine Emotion. Das Wort dienstlich ist greifbar bei ihr, dauergelangweilte Klanggestalt mit halb geschlossenen Lidern. Spürbare Enttäuschung darüber, was die Dinge zu sein versprachen, und was sie nun nicht sind. Die Müdigkeit jener, die schon alles gesehen haben. Dafür ist sie viel zu jung. Besser: Gelangweilte Arroganz der Jugend, die sich für so außergewöhnlich hält, dass sie Gewöhnliches als Zumutung empfindet. Pflicht. Sie wird gezwungen zu tun was sie tut, daran lässt sie keinen Zweifel.

Gleichgewichtsstörungen beim vorerst gescheiterten Versuch, lieber ungewöhnlich zu leben. Ein weiteres Opfer jenes semantischen Irrtums namens Work-Life-Balance. Als bildeten Arbeit und Leben zwei entgegengesetzte Pole, die es in Einklang zu bringen gelte. Als ob niemals lebt, wer arbeitet, als ob Arbeit ausschließlich notwendiges Übel und Leben ausschließlich arbeitsfreies Glück bedeutet. Sie legt auf. Es ist gesagt, was gesagt werden muss.

Ich frage mich, wie sie wohl aussieht. Tolle Stimme, wirklich.

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