Nur Stehtische. Der Imbiss, der vor nicht langer Zeit eine Metzgerei gewesen sein muss, verströmt den Charme einer Bahnhofstoilette. Die alte Einrichtung nahezu unverändert. Kacheln und eine lange Theke mit verkratztem Plexiglas und zahlreichen Edelstahlbehältern. Wo früher Fleisch und Wurst lagen, jetzt immer gleiche Salate, die vom Weg alles Irdischen bereits gegen eins zu viel hinter sich haben. Arbeiter aus der näheren Umgebung, Handwerker in staubigen Sicherheitsschuhen und mörtelbespritzten Blaumännern. Es wird viel renoviert in der Gegend. Das Essen ist einfach und billig, Leberkäs mit Brötchen oder Gulasch mit Nudeln, Kartoffeln, Reis. Seit zehn Jahren zum ersten Mal wieder Krautwickel gegessen. Portionen, von denen auch ein Fliesenleger satt wird.
Jeden Tag am immer gleichen Stehtisch der immer gleiche Mann mit immer gleichem Aussehen. Vertrocknete Figur, schütteres ergrautes Haar, faseriger Oberlippenbart, fahlgraue Gesichtsfarbe und dicke Augengläser. Anfang Mitte Sechzig. Immer halb zwölf bis etwa eins steht er da und umklammert eine Bierflasche. Ob er was arbeitet? Hausordnungs-Überwachungsvereins-Vorsitzender. Alles-am-Fenster-Mitkrieger. Pornovideo-Alleindaheimgucker. Reserviertes leichtes Kopfnicken an den ersten Tagen, später erwartet er mit gespannter Haltung jenes bisschen freundliche Zuwendung, die ihm wohl zu oft versagt blieb im Leben. Er grüßt erfreut zurück, als wäre man ein guter Freund. Ich weiß nichts über ihn. Kartoffelpuffer mit Apfelmus heute. Er würde es wohl kaum gut aufnehmen, wenn ihm einer sagte, dass er auf nichts anderes wartet als auf den Tod.