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Das Glas

Als das Glas kippte und seinen Inhalt quer über den Tisch auf ihren Bauch und die Hose ergoss, überging sie das Ereignis, als sei nichts geschehen. Sie würde den Rest des Abends durchnässt in einer Wolke von feuchtem Alkoholdunst sitzen, und ihre helle Hose war ziemlich sicher ruiniert. Sie aber tat als sei nichts, wischte kommentarlos mit einigen Servietten die Lache vom Tisch und setzte ruhig ihre Unterhaltung fort.

Noch während das Glas fiel, in jenem kristallklaren Moment, in dem die Dinge sich wie in Zeitlupe zu bewegen scheinen, hatte er registriert, wie sich ihr Gesicht veränderte. Aus einem reflexhaftem Erschrecken heraus reduzierte es sich zu jener ausdruckslos-ergebenen Maske, die das Unvermeidliche als unvermeidlich erkennt und bereits akzeptiert hat.

Er hasste sie. Er hasste sie für ihre Beherrschtheit, von der er annahm, sie sei aufgesetzt. Jeder hätte sich aufgeregt. Er hasste sie für ihre Emotionsarmut und dafür, dass sie ihre Toleranz für seine Fahrigkeit so penetrant zelebrierte als sei er ein dummes Kleinkind. Für einen kurzen Moment wollte er sie anschreien, tat es aber nicht und bestellte nur ein neues Glas.

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